Ironman Florida : Langer Tag für Manfred Schmidt

Auf der Radstrecke war für Manfred Schmidt noch alles in Ordnung. Fotos: privat
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Auf der Radstrecke war für Manfred Schmidt noch alles in Ordnung. Fotos: privat

Itzehoer Triathlet beißt sich durch: Aufgeben gibt es nicht

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10. Januar 2018, 05:00 Uhr

Ironman geht auch noch mit knapp 60. Der Itzehoer Manfred Schmidt hatte allerdings so seine Probleme bei seinem Jahresabschluss in Florida. Das lag aber nicht am Alter, sondern an einer Erkrankung, die er sich vor dem Wettkampf eingefangen hatte. Dadurch geschwächt hatte Schmidt beim abschließenden Marathonlauf nichts mehr zuzusetzen, hielt aber trotzdem durch und erreichte nach 16:21 Stunden das Ziel.

Der Ironman Florida ist eine der ältesten Ironman-Veranstaltungen in den USA. Er wird in Panama City Beach in der Region Panhandle ausgetragen, wo es die schönsten Strände in den USA gibt. Auch Manfred Schmidt kommt immer wieder gerne nach Florida. Jedoch nicht, um sich an diesen Stränden zu erholen, sondern um sich dort beim Ironman auszupowern. Es war im vergangenen Jahr das siebte Rennen dort über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen für den 59-Jährigen.


Mehr als 3000 Starter bei 29 Grad Hitze

Die mehr als 3000 gemeldeten Athleten erwartete strahlend blauer Himmel, allerdings auch 29 Grad Hitze. „Die fühlten sich durch die ungehemmte Sonneneinwirkung noch deutlich wärmer an“, erzählt Schmidt. Bereits morgens zum Start des Schwimmens im „open water“ des Golf von Mexiko, herrschten Lufttemperaturen von 21 Grad, während die Wassertemperatur bei 23,5 Grad lag.

Die notwendige Trainingsvorbereitung für so einen Wettkampf versucht Schmidt neben seiner vorwiegend sitzenden Tätigkeit bei der Itzehoer Versicherung im Rahmen seiner Möglichkeiten zu gestalten. „Motivation für dieses hohe Maß an Bewegung ist für mich auch stets das Wissen um die Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit bei zunehmender Inaktivität insbesondere im Alter“, so Schmidt. Seine Lieblingsdisziplin Radfahren war allerdings aufgrund des schlechten Sommers hierzulande deutlich zu kurz gekommen, so dass er noch sechs Radurlaubstage auf Mallorca einfließen ließ, wo er 900 Kilometer abspulte, um die deutlich hinter Plan liegenden Radkilometer weitestgehend auszugleichen. Allerdings zog sich der Itzehoer dort am Ende eine bakterielle Pharyngitis zu, die ihn neun Tage komplett außer Gefecht setze und die Einnahme von Antibiotika erforderte. Als der 59-jährige das Training wieder aufnehmen konnte, verblieben ihm noch exakt zweieinhalb Wochen bis zum Wettkampf. In dieser kurzen Zeit wieder eine angemessene Form zu erreichen war aber aufgrund der Krankheitsauswirkungen nicht mehr möglich. „Hundertprozentig fit an die Startlinie zu kommen, ist eben nicht selbstverständlich“, sagt Schmidt. Das sei kein Grund, um das Vorhaben aufzugeben. Die Worte seines Arztes klangen klangen ihm jedoch noch beim Start im Ohr: „Machen Sie mal langsam, schön langsam!“ Er habe sich deshalb schon von vornherein mental auf einen langen Tag eingestellt. „Nach dem Singen der amerikanischen Nationalhymne hieß es the Race is on. Danach gab es kein Zurück mehr.“ Schmidt hatte sich bei dem rolling-start (die Athleten reihen sich entsprechend ihrer selbst geschätzten Schwimmzeit auf) bei 1:20 Stunden einsortiert und konnte das Schwimmen über zwei Runden mit zwischenzeitlichem Strandgang bei relativ guten Wasserbedingungen in 1:17 absolvieren; das reichte im Gesamtfeld zu Platz 859. „Das war nicht schlecht“, meinte Schmidt.


Die Schwimmzeit war nicht schlecht

Nach dem Durchlaufen der langen Wechselzone nahm der 59-jährige die 180 km lange Radstrecke zwölf Minuten später in Angriff. Hier hatte sich Schmidt ebenfalls ein gleichmäßiges und seiner Form angepasstes ruhigeres Rennen vorgenommen. „Das ist mir auf den breiten, teils über 20 Kilometer schnurgerade verlaufenen Straßen der one-loop-Radrunde auch recht gut gelungen“, berichtet der Itzehoer. Der zunehmenden Hitze begegnete Schmidt mit ständiger Kühlung an den Verpflegungsstationen, wo er stets zwei Trinkflaschen kaltes Wasser mitnahm und damit Kopf und Körper kühlte. Für den Radsplit standen schlussendlich 6:31 Stunden zu Buche, die ein deutliches Abrutschen im Ranking zur Folge hatten, da die Radzeit nur Platz 1.413 bedeutete. „Das war für mich an diesem Tag allerdings ohne Belang, da ich nur ein Ziel vor Augen hatte: das Erreichen der Finishline in der zulässigen Zeit von 17 Stunden.“

Das Pulver war beim Laufen verschossen

In der Transition-Zone zog sich Schmidt in Ruhe um, kühlte den Körper nochmals ausgiebig mit Wasser und ging dann 16 Minuten später auf die Marathonstrecke. Der 59-jährige versuchte einigermaßen ins Laufen zu kommen, musste aber schon nach fünf Kilometern selbst das sehr langsame Traben einstellen und zum Gehen überwechseln. „Das Pulver war einfach verschossen und selbst das Gehen nötigte mir noch einen Puls deutlich jenseits der Hundert ab“, so Schmidt. Mit dem krankheitsbedingten Trainingsrückstand sei einfach nicht mehr drin gewesen. Bei Eintritt in die zweite Runde überfielen den Itzehoer bei einer kurzen Schwächephase Ausstiegsgedanken, aber einfach so aufzugeben war noch nie Schmidts Ding. „Das hätte im Nachhinein nicht gerade zur inneren Zufriedenheit beigetragen.“

Nach 16:21 Stunden endlich im Ziel

Nach 16:21 Stunden erreichte der Itzehoer schließlich die Finishline und belegte insgesamt Platz 2.071. Von den 2361 gestarteten Triathleten gaben 178 das Rennen vorzeitig auf. Schmidt hatte also immerhin noch 183 Starter hinter sich gelassen. „Es war zwar ein ziemlich langer Tag“, so Schmidt. Aber der Motivation für weitere Teilnahmen habe das keinen Abbruch getan, zumal er am Ende wenigstens den Satz „You are an Ironman“ zu hören bekommen habe.

Kurt Lünnemann, einer von Schmidts ehemaligen Schwimmzöglingen, empfahl seinem alten Trainer im Anschluss mit einem Augenzwinkern die Integration von Marscheinheiten in das zukünftige Trainingsprogramm, um hier noch das ein oder andere Optimierungspotenzial zu heben. Für ihn wäre das kein Thema, solange Lünnemann selbst mit dabei von der Partie sei, konterte Schmidt, der mit seiner Frau Irina nach dem Wettkampf immerhin noch zwei Wochen Zeit zum Ausspannen hatte, bevor es zurück in die kalte, verregnete Heimat ging. Zuhause hat Schmidt jetzt die Planungen für das nächste Event in Florida schon vor Augen. „Auch mit 60 geht noch was“, lacht er. Und dann soll der Tag auf der Strecke auf jeden Fall kürzer werden.

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