zur Navigation springen

Toben macht schlau : „Kinder brauchen tägliche Sportstunde“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Aktion des SCI ermöglicht 400 Erstklässlern aus dem Großraum Itzehoe Teilnahme am Motorik-Test

von
erstellt am 08.Okt.2015 | 05:00 Uhr

„Toben macht schlau“: Unter diesem Motto bietet die gleichnamige Initiative des SC Itzehoe seit 2008 alljährlich Grundschülern nach dem Beginn des Schuljahres die Chance, an einem Fitness-Test teilzunehmen. Denn schließlich ist nicht nur die positive Wirkung auf die Gesundheit, sondern auch auf die geistig-emotionale Entwicklung von Heranwachsenden unter Fachleuten unstrittig. Auch diesmal nutzten diese Möglichkeit an vier Tagen in und an der Münsterdorfer Sporthalle etwa 400 Grundschüler aus allen fünf Itzehoer Primarschulen sowie aus Heiligenstedten, Oelixdorf und Münsterdorf.

Etwa 50 Helfer (fast komplett aus den Reihen des SC Itzehoe sowie in jedem Jahr auch aus dem Sportprofil der AVS) sorgten wie stets für einen reibungslosen Ablauf. Zu den Hauptförderern der Initiative gehören die Volksbank Raiffeisenbank Itzehoe, die Stadtwerke Itzehoe sowie die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK). „Ohne Sponsoren geht es einfach nicht“, sagt für das Orga-Team Volker Buhmann.

Zum Test gehören insgesamt sehr unterschiedliche Test-Module wie Sprint, Rückwärts-Balancieren, Seitlicher Sprung, Rumpfbeugen, Liegestütze, Sit-Ups, Standweitsprung und Sechs-Minuten-Lauf. Entworfen hat ihn als „deutschen Motoriktest“ Professor Klaus Bös, ein Sportwissenschaftler der Uni Karlsruhe. Nach der Auswertung bekommen die Kinder, deren Ergebnisse in fünf der acht Einzeltests unter dem Durchschnitt gelegen hatten, eine Einladung zu einer Sport-und Spiel-Stunde an fünf unterschiedlichen Standorten, die einmal wöchentlich bis zum Ende des Schuljahres durchläuft. „Das betrifft ein Viertel aller Erstklässler, die wir hier testen“, unterstreicht Buhmann. „Aber nur die Hälfte von denen, die es eigentlich bräuchten, nehmen das Angebot auch tatsächlich wahr.“

Zwingend notwendig wäre nach Ansicht der Initiatoren insgesamt eine Änderung am Tagesablauf der Schüler. „Um die Nachhaltigkeit zu erhöhen, brauchen die Kinder eine tägliche Bewegungsstunde in den Schulen“, unterstreicht Volker Buhmann. „Kinder bewegen sich nämlich immer weniger. Eine internationale Studie mit dem Titel `The world had stopped moving´ hat ergeben, dass die Kinder im Durchschnitt wohl eine geringere Lebenserwartung haben werden als ihre Eltern. Als Grund wird Bewegungsmangel angeführt.“

In die gleiche Kerbe schlägt auch die Studie „Wie gesund lebt Deutschland?“ des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung der Deutschen Sporthochschule Köln aus diesem Jahr. Dort hat man auch das Bewegungsverhalten der sechs- bis zwölfährigen Kinder in Deutschland analysiert. Das Ergebnis war ernüchternd: Gerade einmal 43 Prozent der Kinder erfüllten die Trainingsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 60 Minuten moderater bis intensiver körperlicher Aktivität pro Tag.

Ein wesentlicher Grund dafür scheint das Mediennutzungsverhalten der Heranwachsenden zu sein. Denn gleichzeitig zur sinkenden Bewegungsbereitschaft, zeigte sich ein Anstieg der Nutzung elektronischer Medien. Nach Angaben der Eltern sitzen 60 Prozent der Kinder länger als eine Stunde täglich vor dem Tablet, PC oder der Spielekonsole.

Zu gern würde Buhmann deshalb auch in Itzehoe die Aktion „KiSS“ (Kinder-Sportschule) einführen. Erfolgreich läuft dies bereits in Hamburg beim Großverein Eimsbütteler TV. Diese Form der motorischen, sportartübergreifenden Grundausbildung würde im Kita-Alter von drei oder vier Jahren bereits einsetzen. Von da an lernen die Kinder bis zur fünften Klasse (mit zehn Jahren) verschiedene Sport- und Bewegungsarten kennen – von Ballspielen, über Schwimmen, bis hin zu Judo und Karate. Erst nach der fünften Klasse entscheiden sich die Kinder für die Sportart, die ihnen am besten gefällt.

Allerdings gibt es dafür bisher noch keine Förderung und auf externe Unterstützung sehen sich die Initiatoren angewiesen. „Schließlich wollen wir nicht wie in Eimsbüttel einen Extra-Beitrag dafür erheben“, sagt Volker Buhmann. „Dann wären wieder die Kinder ausgeschlossen, deren Eltern sich das finanziell nicht erlauben können.“

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen