Leichtathletik : Höchstleistung mit fast 90 Jahren

Freuen sich über die EM-Erfolge: Horst Pfeiffer und Lebenspartnerin Ute Eisermann.
Freuen sich über die EM-Erfolge: Horst Pfeiffer und Lebenspartnerin Ute Eisermann.

International erfolgreich: Horst Pfeiffer (SC Itzehoe) läuft in Aarhus Weltrekord mit der Senioren-Sprintstaffel.

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20. November 2017, 04:44 Uhr

Horst Pfeiffer ist ein Phänomen: Der bald 90-Jährige ist nicht nur ausgesprochen fit, sondern erbringt – gemessen an seinem Alter – immer noch Weltklasseleistungen. Bei den Europameisterschaften der Senioren im dänischen Aarhus holte er sich Gold im Dreisprung sowie Silber im Weitsprung (unsere Zeitung berichtete).

Bei derselben Veranstaltung erfüllte sich Horst Pfeiffer dann noch einen weiteren sportlichen Goldtraum: Über 4 x 100 Meter stellte er zusammen mit Herbert Müller, Karl Steiner und Ernst Zuber einen Weltrekord für die Altersklasse M 85 auf, der jetzt bei 75,50 Sekunden liegt. Mit Blick auf seinen Anteil an der neuen Bestzeit, die um genau zwei Sekunden schneller ist als die alte, sagte der für den Sportclub Itzehoe startberechtigte Seniorensportler im Gespräch mit unserer Zeitung: „Ich lief die zweite Kurve. Meine Zeit von 18 Sekunden sagt mir, dass ich an dem Tag gut aufgelegt war. Innerhalb des Teams war ich deutlich der Älteste.“

Dass sich Horst Pfeiffer in Aarhus zum zweiten Mal Gold umhängen lassen konnte, war von seiner Seite aus ursprünglich gar nicht geplant: „Die Staffelkameraden hatten mich Anfang des Jahres gedrängt. Karl Steiner wäre ohne meine Startzusage erst gar nicht nach Dänemark gereist. Und wenn ich ehrlich bin, dann bin auch ich hauptsächlich zu den Europameisterschaften gefahren, um Weltrekord zu laufen“ Den dort zu brechen, das hatte sich das Senioren-Quartett fest vorgenommen. „Und letztlich hat dann ja auch alles wunderbar geklappt.“

Einziger Schreckmoment innerhalb des Rennens war die Stabübergabe von Horst Pfeiffer auf Herbert Müller: „Der dritte Wechsel war hart an der Grenze. Fast wäre es passiert, und wir hätten die Wechselmarke überschritten.“ Umso größer war danach die Freude im Ziel – Weltrekord, sein wichtigster Sieg. Zu den ersten Gratulanten zählte auch Ute Eisermann, die Lebenspartnerin von Horst Pfeiffer, die ihn, wie so oft in der Vergangenheit, zu wichtigen Sportfesten begleitet hatte. „Sie ist mir immer eine große Stütze gewesen.“

Wer die Karriere von Horst Pfeiffer über die Jahre verfolgt hat, der weiß, dass er sich zeit seines Lebens dem Sport verschrieben hat; doch so richtig heraus kam er erst als Seniorensportler. In der Altersklasse M50 hielt er zum Beispiel alle Sprintlandesrekorde – von 50 Meter bis zu 400 Meter. Infolge seiner Leistungsfähigkeit gewann er mehrere Dutzend Landesmeistertitel und trug sich bei Deutschen Meisterschaften achtmal in die Weitsprungsiegerlisten ein. Zehnmal reichten seine Leistungen in derselben Disziplin, um nationales Silber mit nach Itzehoe nehmen zu können.

Auch international gesehen hat der Name Horst Pfeiffer einen guten Klang. Davon zeugen zwei Goldmedaillen, die er bei Weltmeisterschaften im Weit- und im Dreisprung sammelte, sowie zwei Bronzemedaillen im Weitsprung. Zusammen mit dem Edelmetall von Aarhus und einer weiteren EM-Silbermedaille im Dreisprung verfügt er somit über eine ansehnliche Zahl von goldenen, silbernen und bronzenen Erinnerungsplaketten. Dass seine Sammlung noch wächst, das sei, so Horst Pfeiffer, nicht ausgeschlossen. „Vorausgesetzt, ich bleibe gesund, dann könnte ich bei den nächsten Hallen-Europameisterschaften oder bei den ebenfalls in Spanien stattfindenden Weltmeisterschaften starten.“ Ob er starte, sei aber noch nicht sicher. „Das entscheidet meine körperliche Verfassung. Aber reizen täte mich das schon.“ Dabei hat Horst Pfeifer aber weniger die Gegner im Blick, sondern eher die Rekorde: „In der Altersklasse M90 trifft man ja nicht mehr auf so viele Gegner“, sagt der Athlet, der in Deutschland die Weitsprungrekorde der Altersklasse M90 in der Halle (3,04 Meter) und im Freien (3,05 Meter) hält – und an Verbesserungen denkt.

Auch wenn Horst Pfeiffer im Dezember 90 Jahre alt wird und auf viele Erfolge zurückblicken kann: Lupenreiner Wettkämpfer ist er geblieben: „Ohne Sport würde mir etwas fehlen, ich würde seelisch zugrunde gehen.“

Unzufrieden sei er nur, wenn er seine Leistung im Wettkampf nicht abrufen könne: „Alle Leistungssportler wollen siegen und Rekorde aufstellen. Wenn ich als Favorit gehandelt und lediglich Zweiter werde, bin ich unzufrieden und enttäuscht.“

Für ihn als Sportler sei das aber normal: „Das ist so. Jeder hat das und lässt nach der Niederlage die Ohren hängen. Warum sollte das bei mir anders sein ?“ Mit dem Alter hätte das jedenfalls nichts zu tun.

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