Leichtathletik : Hitzeschlacht beim Scanafeldlauf

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11. Juni 2018, 04:22 Uhr

Spannende Rennen kennzeichneten den 6. Scanafeldlauf. Dabei machten es die Verfolger den späteren Siegern meist schwer. Über fünf Kilometer siegten Iris Koch und Johann Makoschey, und über die doppelt so lange Distanz waren Carolin Johannsen und Kai Fischer nicht zu schlagen.

Nach seinem Sieg in der Vorwoche in Glückstadt waren die Augen der Konkurrenz auf der langen Strecke insbesondere auf Kai Fischer gerichtet. Wie an der Elbe suchte der Herzhorner auch in Schenefeld sein Heil in der Flucht nach vorn und hatte dabei in Marvin Salto lange Zeit einen Weggefährten, der ihm zudem noch Windschatten spendete.

Die Entscheidung um Platz eins und zwei wurde drei Kilometer vor Schluss eingeleitet, als der Spätere Sieger das Tempo verschärfte und so Distanz zu Marvin Salto schuf. Nach der Tempoverschärfung, die einen Kilometer lang anhielt, waren dann aber auch die Kräfte von Kai Fischer verbraucht. Zwar reichte es bei schwülwarmer Witterung am Ende zu einem ungefährdeten Sieg, doch Marvin Salto kam zusehends näher. Allerdings besaß er nicht mehr die Kraft, um ein anfangs rund 150 Meter großes Loch ganz zuzulaufen. Dass sich beide bei ihrem Tempospiel total verausgabt hatten, erlebten die Zuschauer zum Schluss: Beide lagen nach dem Zieleinlauf am Boden und rangen nach Luft. „Mir hat es sehr geholfen, dass Marvin mitgelaufen ist. Zwar habe ich in Glückstadt gewonnen, aber da waren die Gegner auch nicht so stark. Marvin war verdammt gut“, betonte Kai Fischer nach der verdienten Verschnaufpause.

Dass Marvin Salto lange Zeit die Rolle des Hasen übernommen hatte, störte ihn nicht: „Ich hatte von Anfang an damit gerechnet, dass wir zusammenlaufen würden und dass ich dann das Tempo vorgebe.“ Wie kräftezehrend der Einsatz des Siegers letztlich war, machten seine Schilderungen aus der letzten Phase des Rennens deutlich: „Es kamen noch ein paar Steigungen, aber da bin ich auch nicht mehr richtig reingegangen. Ich war am Limit.“

Ein beherztes Rennen lief auch Dirk Fock, der sich fünf Kilometer lang an Helge Holm hielt, ehe der Wackener den stärker eingeschätzten Dithmarscher stehen ließ und sich ungefährdet Rang drei erlief.

Boden gut machen konnte im zweiten Rennabschnitt auch Robin Muxfeldt, der vier Kilometer vor dem Ende Uwe Fleischer und Helge Holm passierte und so Rang vier sicherte. Anerkennung für die Leistung des 53-jährigen Dirk Fock kam von Robin Muxfeldt: „Erstaunlich, er hat das Tempo bis zum Ende durchgezogen.“ Und Dirk Fock? Der sprach im Ziel über die richtige Entscheidung, das Führungsduo Salto/Fischer ziehen zu lassen und sich an Helge Holm zu orientieren. Grund: „Ich wollte meine stark vertretene Altersklasse gewinnen.“ Und da wäre „falsches Tempo“ einfach unangebracht gewesen.

Das Rennen der Frauen wurde in der Spitze von Carolin Johannsen bestimmt. Die Itzehoerin setze sich gleich an die Spitze des Feldes und gab die Führung dann auch nicht mehr ab. Ihre stärkste Konkurrentin hatte die Siegerin in Ute Krause, die aber an der Mühlenteichbrücke alle Hoffnungen aufgeben musste, einen Abstand von 20 Metern doch noch verringern zu können. „Gefühlt bin ich da stehen geblieben und habe fasziniert zugesehen, wie Carolin die Treppen rauf und runter gelaufen ist.“ Sie selbst habe das so nicht gekonnt. Ein Trost für Ute Krause, die wie Carolin Johannsen in zurückliegender Zeit nur wenig trainieren konnte, ist, dass sich der an der Stelle auf rund 100 Meter angewachsene Vorsprung auf den nächsten Kilometern nicht mehr vergrößerte. Ein Grund dafür könnte sein, dass die noch junge Carolin Johannsen in der ersten Hälfte des Rennens „etwas zu schnell angegangen“ ist: „Bis Kilometer fünf hat sich alles super angefühlt, und dann habe ich die Wärme gespürt und konnte mein Anfangstempo nicht mehr halten.“ Ihr Ziel sei dann nur noch gewesen, zu gewinnen und unter 45 Minuten zu bleiben. Beides klappte.

Das Tempo an der Spitze wollte die spätere Dritte, Carolin Vogel, nicht mitgehen. Im Gegenteil: Nach eigenem Bekunden fightete die Hamburgerin von Anfang an „um den vierten Platz“, denn sie glaubte lange Zeit, dass Leonie Jensen ihr überlegen sein würde. Doch bei Kilometer acht hatte die Itzehoerin ihr Pulver verschossen und musste eine Gehpause einlegen. „Da wusste ich, sie kommt nicht mehr ran“, sagte Carolin Vogel nach dem Zieleinlauf. Bei ihrem ersten Lauf in Schenefeld schwärmte die Dritte von der abwechslungsreichen und schönen Strecke, die angesichts der Witterung dann auch noch „sehr anspruchsvoll“ war. „Da läuft man automatisch mit innerer Handbremse.“

Das spannendste Rennen des Tages erlebten die Zuschauer auf der fünf Kilometer Strecke der Frauen mit. Entschieden wurde es erst auf der Zielgeraden, auf der sich Iris Koch knapp vor Sabine Eim behaupten konnte. „Ich hatte mir vorgenommen, an Iris dranzubleiben, und das ist mir auch ganz gut gelungen“, sagte nach dem Zieleinlauf Sabine Eim. Sie lag rund 150 Meter vor Schluss noch knapp vor der späteren Siegerin und kämpfte Mitte der letzten Kurve Schulter an Schulter mit Iris Koch. Über ihre Konkurrentin äußerte sich die total erschöpfte Iris Koch anerkennend: „Ich wollte Sabine vor der letzten Kurve haben, aber das klappte nicht. Sie ist voll mitgelaufen und hat gegengehalten.“

Dass das Rennen so entschieden wurde, war lange Zeit nicht zu vermuten gewesen: Bei Kilometer drei hatte Sabine Eim einen Vorsprung von etwa 40 Metern vor Iris Koch herausgelaufen. Die wiederum war gezwungen, sich des Ansturms der späteren Dritten, Caroline Than, zu erwehren, die danach aber langsamer wurde. Den Sieg ohne Gegenwehr preisgeben wollte Iris Koch aber auch nicht: „Ich habe mich an Sabine herangefressen, und am letzten Anstieg zum Sportplatz hin bin ich an sie herangekommen. Ich glaube, ich habe mehr als ‚alles’ gegeben.“ Über ihre Erschöpfung im Ziel äußerte sich die Siegerin so: „Ich dachte, ich biete den Zuschauern meinen Tod.“

Lange Zeit sah es auch so aus, als würde Tobias Klähn als Sieger des Männer-Rennens von der Bahn gehen können. Bis Ende des dritten Kilometers führte er mit rund 15 Meter Vorsprung vor Johan Makoschey. Dahinter hielt sich Patrick Hintze mit leichtem Abstand unangefochten an dritter Stelle auf. Doch dann wurde Tobias Klähn langsamer, und einen Kilometer vor dem Ende lagen er und der jüngere Johan Makoschey gleich auf. 200 Meter später fiel die Entscheidung zugunsten von Johan Makoschey, der unwiderstehlich beschleunigte und mit klarem Vorsprung gewann. Für ihn scheint Schenefeld ein gutes Pflaster zu sein: Bereits im vergangenen Jahr hieß der Sieger Johan Makoschey.

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