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In zwei Jahren soll es soweit sein : Hewicker will das Globus-Abzeichen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

73-jähriger Itzehoer Wassersportler hat gut 37 000 Kilometer im Paddelboot zurückgelegt ohne auch nur ein einziges Mal zu kentern

„Wenn ich 75 Jahre alt bin, dürfte ich die 40.000 Kilometer voll und damit die Bedingungen für das ‚Globus-Abzeichen‘ unseres Verbandes erfüllt haben“, sagt Harro Hewicker. Der 73-jährige Itzehoer meint damit aber nicht etwa die mit einem Auto zurückgelegten Kilometer, sondern die Strecke seiner Paddeltouren, die er seit 1967 als Mitglied des Itzehoer Kanu-Clubs auf unterschiedlichsten Gewässern in und außerhalb Deutschlands absolviert.

Bis jetzt beziffert sich seine gefahrene Gesamtleistung auf Flüssen, Seen und Großgewässern auf gut 37.000 Kilometer. Der Kanu-Verband verlieh Harro Hewicker in diesem Jahr das Goldene DKV-Wanderfahrerabzeichen, Goldstufe 35 (unsere Zeitung berichtete). Dieses Abzeichen ist bundesweit erst 223 mal verliehen worden.

Der passionierte Paddler blickt auf viele interessante Touren zurück. Sein allererster Törn aus dem Jahre 1960 ist ihm noch in sehr guter Erinnerung: „Das war weit vor meinem Eintritt in den Itzehoer Kanu-Club. Zusammen mit Hermann Bollhardt, Wolfgang Seehafer, Siegfried und Wilhelm Degen und anderen befuhr ich die Stör und den Breitenburger Moorkanal bis zur Moorkate. Gezeltet haben wir bei strömendem Regen, und die schweren Zweierkajaks – damals noch aus Holz - mussten wir wegen ihres Gewichts jeweils mit sechs Personen an der Münsterdorfer Schleuse umtragen.“ Dass das damals bei Kälte und Nässe kein Zuckerschlecken war, lag auch an der für heutige Verhältnisse spartanischen und unpraktischen Ausrüstung: Das „Zelt“ bestand nur aus Dreiecksplanen und hatte keinen Boden, es gab keinen Schlafsack, nur eine Wolldecke, und die Paddlerbekleidung bestand im Wesentlichen aus einem Regencape. Damals, mit Blick auf die widrige Witterung, auf mangelnde Ausrüstung und, im Vergleich zu heute, viel zu schweren Boote, hatte Wilhelm Degen zu den Vereinskameraden gesagt: „Wenn Harro jetzt noch mal wiederkommt und mit uns mitfahren will, dann wird er auch ein echter Paddler.“
Später folgten viele anspruchsvolle Touren, und unter anderem 1978 auf der Weser von Hannoversch-Münden bis Hameln über 135 Kilometer an einem Tag – auch heute noch eine besondere Herausforderung, selbst für geübte Paddler. Harro Hewicker unternahm sie damals mit fünf weiteren Itzehoer Kanuten. Zur Vorbereitung auf diese lange Strecke, die immer Anfang Mai im Rahmen des Weser-Marathon ausgerichtet wird, diente eine „Probefahrt“, die von Itzehoe aus auf Stör und Elbe bis Brunsbüttel und wieder zurück in der Kreisstadt führte. „Wer diese körperliche Prüfung bestand, durfte mit an die Weser“, erinnert sich Harro Hewicker.

Der Fluss, den der Itzehoer wie seine Westentasche kennt, ist die Stör. Bislang hat er diesen Wasserlauf bereits mehr als 1000 mal bepaddelt. Seine Touren führten ihn aber auch auf die Elbe, auf die Ostsee bei Rügen, auf die Binnengewässer in Schweden oder an den Limfjord in Dänemark.

Mit Blick auf seine vielen Ausflüge mit Einer- oder Zweierkajaks – nachweisbar in bisher 14 Fahrtenbüchern - sagt er: „Ich kann von Glück sagen, dass ich in meinem ganzen Paddler-Dasein noch nie gekentert oder in gefährliche Bedrängnis gekommen bin.“ Geholfen haben ihm dabei seine Kenntnisse über Wasser, Wind und Wellen, die er sich auch bei Lehrgängen zum Erwerb des Segel- und Sportbootführerscheins angeeignet hatte.

Was ihm am Paddeln so gefalle? Neben Gesunderhaltung und dem Streben nach Fitness sind es die Ruhe in und die Verbundenheit mit der Natur. Sie seien wichtig für das seelische Gleichgewicht: „Es gibt eigentlich nichts Schöneres, als sich ins Boot zu setzen und dann die Stunden, die auf dem Wasser kommen, zu genießen.“ Kormorane, Austernfischer, Enten, Gänse oder Schwäne – viele Wasservögel können vom Boot aus der Nähe beobachtet werden. „Ich kann mich sogar über einen Bisam freuen, der den Kopf aus dem Wasser steckt, oder über ein Reh, das am Ufer steht und Wasser schöpft“.

Als Harro Hewicker 1960 zum ersten Mal ins Boot stieg, in den Folgejahren Gastpaddler im IKC war und dann 1967 in den Verein eintrat, da ahnte er nichts von den vielen Jahren voller sportlicher Herausforderungen, die vor ihm liegen sollten, und davon, dass er noch mit mehr als 70 Jahren so leistungsfähig bleiben würde. Nachdem er sich 1974 das silberne und 1976 erstmals das goldene DKV-Wanderfahrerabzeichen anstecken durfte, blieb er seinem Sport treu, erfüllte 35 Jahre lang jedes Jahr die Sonderstufe für das Gold-Abzeichen und peilt jetzt mit dem „Globus-Abzeichen“ eine Auszeichnung an, die bisher erst 644 mal verliehen wurde. Eine Leistung, die angesichts von derzeit rund 120.000 organisierten Kanuten im Deutschen Kanu-Verband zu den Ausnahmen zählt.
 

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erstellt am 05.Aug.2015 | 05:00 Uhr

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