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Handball : Hendrik Pekeler träumt von Edelmetall

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der gebürtige Steinburger ist bei der EM in Polen für Bundestrainer Dagur Sigurdsson Stammplatz-Kandidat in Abwehr und Angriff.

Eine Medaille. „Davon träume ich“, sagt Hendrik Pekeler ganz offen. Während die Kollegen sich nach dem letzten Testspiel in Hannover mit kühnen Prognosen zurückgehalten haben, redete der Handballnationalspielerklare klare Kante vor der Europameisterschaft in Polen, die für die DHB-Auswahl heute (18.30 Uhr, live im ZDF) mit dem Spiel gegen Spanien startet. „Warum sollen wir das nicht schaffen?“, fragt der selbstbewusste 24-jährige, der in Itzehoe geboren wurde und in Glückstadt aufwuchs.

Edelmetall beim schwersten Turnier der Welt – das wäre eine Sensation. Würde aber auch irgendwie passen in diesen Lauf, den „Peke“ in den letzten Jahren hinlegte. Mit 24 Jahren hat der 2,03 m große Kreisläufer schon 40 Länderspiele auf dem Konto und zählt zum Stamm der Mannschaft. Und er wird immer wichtiger in den Planungen des Bundestrainers Dagur Sigurdsson. Bei der WM 2015 in Katar (7. Platz) brillierte er bereits in der Abwehrzentrale. In Polen ist er nun, da der Kieler Patrick Wiencek ausfällt, auch in der Offensive erste Wahl. „Das ist genau das, was ich will“, sagt er.

Er kommt damit den ehrgeizigen Ziele, die er sich als Jugendlicher gesetzt hatte, wieder ein gute Stück näher. Schon als Kind war er in der Handballhalle des ETSV Glückstadt kaum zu bremsen. „Er kam um 15 Uhr, wenn das Training für seine Altersstufe begann“, erzählt Jörn Meyer, einer seiner ersten Trainer. „Und wenn abends die Männer ihre Einheit hatten, dann war er immer noch da. Dann hatte er immer noch einen Ball in der Hand. Und es war schnell abzusehen, dass etwas Großes aus ihm werden könnte.“

Als der große THW Kiel ihn rief, war er gerade 17 Jahre alt geworden. Der Wechsel schien nur ein weiterer, logischer Schritt in seinem Karriereplan. „Ich will der beste deutsche Kreisläufer werden“, sagte er mit entschlossener Stimme, als er seinerzeit den Reporter im heimeligen Elternhaus in Glückstadt empfing. Da brach jemand auf, der es unbedingt nach ganz oben schaffen wollte. Er ahnte nicht, welche Hürden sich noch vor ihm auftürmen würden.

Der Wurf ins kalte Wasser bekam ihm nicht. Er wohnte alleine und fühlte sich verlassen, weil die Manipulationsaffäre den Manager Uwe Schwenker und Trainer Noka Serdarusic, die seinen Wechsel forciert hatten, inzwischen weggespült hatte. Pekeler ging viel feiern, er erkundete die Diskotheken in der Kieler Bergstraße. Einmal fiel er beim Krafttraining mit dem Kopf auf eine Langhantel, weil er nach einer sehr langen Nacht bewusstlos wurde, und musste ins Krankenhaus.

Dass er einmal den Bus verschlief, der die Mannschaft für das Champions League-Spiel in Skopje zum Flughafen bringen sollte, brachte das Fass zum Überlaufen. Danach kratzten die THW-Kapitäne Stefan Lövgren und Marcus Ahlm seinen Namen vom Mannschaftsbus. Weil der junge Mann, wie sie meinten, sich nicht als würdig erwiesen hatte, das THW-Trikot zu tragen. Kurzum: Pekeler scheiterte grandios an diesem ersten Leben als Handballprofi, in dem bedingungslose Disziplin erforderlich ist. Er war gerade 19 Jahre alt geworden.

Er wechselte zum Bergischen HC. Und dort kämpfte er sich, begleitet von Coach HaDe Schmitz, selbst aus dem Sumpf. Pekeler arbeitete in Essen mit einem geschulten Sportspsychologen die Erlebnisse auf und redet seither offen über die Abgründe, die er in Kiel erlebt hatte. Es war, als er habe er die Festplatte gelöscht und den Computer einfach neu gestartet.

In Wuppertal jedenfalls wendete sich die Karriere zum Guten. Fortan ging es steil nach oben. Er stieg auf mit dem Bergischen HC in die Bundesliga auf, wechselte 2012 zum TBV Lemgo und wurde dort zum Nationalspieler. Seit dem Sommer 2015 hat er einen Vertrag bei den Rhein-Neckar-Löwen, er kämpft in der Bundesliga um die Meisterschaft und in der Champions League gegen die europäischen Topklubs. „Ich habe bewiesen, dass ich mich auf den Job fokussieren kann“, sagt er.

Er hatte zwar im Sommer und Herbst mit Verletzungen zu kämpfen. Aber vor Weihnachten fügte sich wieder alles. Pekeler lief wieder für die Löwen auf. Vor allem aber wurde er am 15. Dezember das erste Mal Vater einer Tochter, sie heißt Fine Sophia. „Ich kann trotzdem gut schlafen“, sagt Pekeler. „Ich habe einen sehr tiefen Schlaf.“

Im Hotel in Breslau, das die Mannschaft seit Donnerstagabend bezogen hat, kann er ohnehin ungestört von der Medaille träumen. Und wenn es damit nichts wird in Polen, kann Hendrik Pekeler ja schon bald einen neuen Anlauf nehmen. Beim olympischen Handballturnier in Rio de Janeiro.

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