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Radrennen : Harter Einsatz für Kopf und Beine

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Für Furore sorgte Stefanie Wasmundt bei den World Police & Fire Games in Belfast: Gleich vier Goldmedaillen gewann die Radsportlerin des SC Itzehoe in den Disziplinen Bergzeitfahren, im Straßenrennen, im Zeitfahren und beim Kriterium.

Das nordirische Belfast war in diesem Jahr Schauplatz der „World Police & Fire Games“ (WPFG). Mitbeteiligt bei den Weltfestspielen für Mitarbeiter der Polizei und Feuerwehr war auch Stefanie Wasmundt. Die 34 Jahre alte Radsportlerin vom SC Itzehoe und Polizeioberkommissarin bei der Polizeidirektion Itzehoe beteiligte sich in Nordirland erfolgreich an vier Radsportwettbewerben. In der Offenen Klasse holte sie viermal Gold – beim Bergzeitfahren, im Straßenrennen, im Zeitfahren und beim Kriterium.

Sehen lassen können sich auch die Gesamtplatzierungen: Beim Bergzeitfahren wurde Stefanie Wasmundt Dritte, holte sich beim Straßenrennen Platz vier, belegte beim Zeitfahren Rang drei und fuhr beim Kriterium als Zweite über den Zielstrich. Beugen musste sie sich nur der Spitzenkonkurrenz aus Nordirland beziehungsweise Belgien. Daneben waren auch Aktive aus anderen klassischen Radsportländern am Start: Spanier, Franzosen, Engländer, Iren und Italiener. Ebenfalls am Start: Konkurrenz aus Übersee, die die zum Teil vor großer Zuschauerkulisse ausgetragenen Wettbewerbe sportlich bereicherte.

Passend zur Bedeutung der Wettbewerbe war auch der äußere Rahmen: Zwei Rennen wurden direkt vor dem nordirischen Regierungsgebäude in Belfast entschieden, eins vor der malerischen Kulisse von Carrickfergus und eins im Bereich von Cerrickfergus Castle, eine Burg aus dem neunten Jahrhundert. Die große Zuschauerresonanz bei den Rennen führt Stefanie Wasmundt darauf zurück, dass das Radfahren in Nordirland „Volkssport“ ist: „Das erklärt auch, warum so viele Freiwillige in der Organisation der Rennen mitgeholfen haben.“

Über die Streckenführungen selbst hatte sich Stefanie Wasmundt erst vor Ort informieren können. Deshalb hatte sie Platzierungen bei den WPFG für sich auch gar nicht prognostiziert: „Mein Ziel war, alle Rennen zu bestreiten und jedes Mal heil anzukommen. Das hat dann ja auch geklappt.“

Vorbereitet auf die WPFG hatte sich die Itzehoerin in den vergangenen Monaten bei zahlreichen Trainingsfahrten und Wettkämpfen – so trainierte sie zusammen mit Radsportpartner Steffen de Vries auf profilierter Strecke vor Grauel bei Hohenwestedt und absolvierte etliche Kilometer am Bodensee sowie im Allgäu im Rahmen der Deutschen Meisterschaften des Bundes deutscher Radfahrer.

Dass das die richtige Mischung gewesen ist, zeigte sich bereits beim Bergzeitfahren: „Nach 400 flachen Metern ging es dann steil nach oben zum Regierungsgebäude. Konnte ich unten noch mit höchster Übersetzung fahren, ging es zum Schluss nur noch im kleinsten Gang weiter“, berichtet Stefanie Wasmundt. Ungewöhnlich für sie – der kurze Moment der Höchstbelastung. „Deshalb durfte man sich auch keinen Fehler erlauben. Wer sich zum Beispiel verschaltete, war aus dem Rennen.“

Nichts für zartbesaitete war auch das Straßenrennen, das Frauen und Männer gemeinsam fuhren. Weil die Itzehoerin nicht stürzen wollte, hielt sie sich bis zum Berg nach 16 Kilometern von direkter Konkurrenz fern und fuhr auf Abstand zu den anderen. An der Steigung zerfiel das Feld dann in mehrere Gruppen. Stafanie Wasmundt fuhr nach dem Anstieg in der zweiten Gruppe weiter und ließ sich auch von der zweiten Steigung nicht von ihrem Kurs abbringen. „Ich konnte dass Renntempo gut halten. Es passte für mich, und ich hatte die richtige Form.“ Frauen, die in direkter Konkurrenz zu ihr standen, lagen bis zu sieben Minuten zurück.

200 Höhenmeter waren beim Zeitfahren zu überwinden: „Das ist viel“, befand die Rennfahrerin, denn selbst bei Deutschen Meisterschaften wäre der Kurs flacher. Mit einem zweiten Handicap hatten sich ebenfalls alle auseinander zu setzen: „Wir fuhren auf sehr grobkörnigem Asphalt. Da rollte einfach nix.“ Also waren Kopf und Beine gefordert - besonders in dem Moment, als das Tempo nach schnellem Beginn mit bis zu 47 km/h im Bereich der Hügel deutlich langsamer wurde. Kopf und Beine: Beides setzte Stefanie Wasmundt bei ihrer Goldfahrt ein. Wichtig dabei aus ihrer Sicht: „Man darf sich auch bei schwierigem Straßenbelag nicht verrückt machen lassen.“ Geholfen hatten ihr auf jeden Fall die Aufenthalte in Konstanz und im Allgäu: „Das war die richtige Vorbereitung auf das Zeitfahren bei Cerrickfergus Castle.“

Ihr viertes Gold holte sich die Itzehoerin beim Kriterium, ein Rennen über zehn Runden. Weil wieder gemeinsam mit den Männern gefahren wurde, war das Tempo von Anfang an hoch. Folge: Stefanie Wasmundt hing anfangs etwas zurück, arbeitet sich im Laufe der Fahrt aber an die ersten Drei heran. Als es dann zu einem Sturz kam, an dem sie selbst aber nicht beteiligt war, stellte sie sich taktisch um: „Ich fuhr ganz nach vorn, um nicht zu stürzen.“ Vorausschauend war das, denn auf der 1,2 Kilometer langen Runde waren elf Kurven zu durchfahren. „Wichtig ist immer, die Kurven gut anzufahren, und das kann man am besten, wenn man vorausfährt.“ Fünf Runden lang blieb Stefanie Wasmundt vorn und drückte der Konkurrenz ihren Rhythmus auf. Wie gut, das lässt sich an ihrem Endresultat ablesen: Vor ihr lagen letztlich nur noch zwei Männer und die Gesamtsiegerin bei den Frauen, Caroline van Peteghem. Stefanie Wasmundts Fazit nach dem Kriterium: „Das war ein gutes Rennen auf alten Laufrädern.“ Insgesamt sei sie sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Geholfen hätte mit Sicherheit auch die sportliche Unterstützung, die Lebenspartner Nils Sorof und Vater Ronald Wasmundt vor Ort gewährten.

Resultate von Stefanie Wasmundt in Nordirland:

Offene Klasse: 1. im Bergzeitfahren über 1200 Meter nach 2:43 Minuten; 1. im Straßenrennen über 30 Kilometer nach 48:16; 1. im Zeitfahren über 19,3 Kilometer nach 31:55; 1. im Kriterium über 12,2 Kilometer nach 21:19.

Die Platzierungen von Stefanie Wasmundt im Gesamtklassement: Bergzeitfahren: 1. Caroline Ryan (Irland), 2. Sheila Clavin (IRL), 3. Stefanie Wasmundt (D); Straßenrennen: 1. Carolyne Ryan (IRL), 2. Evelyn McCrystal (IRL), 3. Caroline van Peteghem (Belgien), 4. Stefanie Wasmundt (D); Zeitfahren: 1. Caroline Ryan (IRL), 2. Evelyn McCrystal (IRL); 3. Stefanie Wasmundt (D), 4. Sheila Clavin (IRL); Kriterium: 1. Caroline van Peteghem (BEL), 2. Stefanie Wasmundt (D).

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erstellt am 06.Sep.2013 | 05:00 Uhr

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