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Portrait : Ex-Torjäger in den Garten gewechselt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Hobbygärtner Claus Haack steht vor allem dem Profifußball mittlerweile kritisch gegenüber

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2013 | 18:20 Uhr

Wer sich vor den Toren Itzehoes in der zu einem der dortigen Eigenheime gehörenden Gartenanlage umsieht, taucht in eine grüne Oase ein, die jeder Pflanzenfibel zur Ehre gereichte. Kein Zweifel, hier ist ein Perfektionist am Werk. Nur wenige wissen, dass mit Claus Haack (65) der langjährige Torjäger des Itzehoer SV aus den 1970er Jahren seiner Kreativität in diesem schönen Biotop freien Lauf lässt.

Seit kurzem kann der Hobbygärtner seine Passion noch intensiver pflegen, weil für ihn der Ruhestand begann. Aber dieses Alter sieht man dem jahrzehntelang als Servicetechniker tätig gewesenen Außendienstler wahrlich nicht an. Er wirkt noch schlanker und fitter als zu aktiven Zeiten. „Meine Eltern waren auch nicht dick, also liegt das wahrscheinlich an meinen Genen. Ich bin zwar viel mit dem Rad unterwegs und spiele noch ein wenig Tennis, aber das hat mit meiner Konstitution bestimmt nichts zu tun“, meint der Ruheständler. Ihr Mann könne ohne weiteres dreimal am Tag warm essen, das würde nichts an seinem Idealgewicht ändern, ergänzt Ehefrau Hilke nicht ganz ohne Neid. Über seinen Ruhestand freue er sich, bekennt Haack. Er werde sich mehr der Familie (zwei Söhne, eine Enkelin), dem Haus sowie seinem Garten widmen und mit seiner Frau öfter als sonst in die geliebten Berge fahren.

Als Fußballer kann Claus Haack auf eine bemerkenswerte Karriere zurückblicken. Rund ein Dutzend Jahre lang war er praktisch ein „Kind der dritten Liga“. 1948 in Neufeld bei Marne geboren, verdiente er sich seine ersten Sporen als Fußballer beim Marner TV, zusammen mit dem gleichaltrigen Torsteher Michael Maaß, der danach auch als Profi beim HSV und VfL Wolfsburg spielte, um dann später beim Itzehoer SV einige Jahre wieder gemeinsam mit seinem Jugendfreund Claus Haack auf Punktejagd zu gehen. Seine Jugendzeit an der Westküste verbindet der Ex-Marner mit lebhaften Erinnerungen an jahrelange Fernduelle mit den gleichaltrigen späteren Profis Horst Wohlers (Brunsbüttel) und Alfred Hußner (Heide). Beim Toreschießen habe damals meistens er die Nase vorn gehabt, schmunzelt Haack.

Bereits zu Jugendzeiten wurden andere Vereine auf den großen, wuchtigen, torgefährlichen und als „Kopfball-Ungeheuer“ gefürchteten Mittelstürmer aufmerksam, und so stand unter anderem ein Wechsel zum damals in der zweithöchsten Spielklasse (Regionalliga Nord) angesiedelten Heider SV immer wieder mal zur Debatte. „Mit Wechseln habe ich mich aber immer schwer getan. Dafür war ich einfach zu bodenständig“, gesteht Haack. Schließlich wagte er den Sprung in die dritte Spielklasse erst mit über 20 Jahren zum benachbarten BSC Brunsbüttel, der seinerzeit in der Landesliga Schleswig-Holstein (dritte Spieklasse hinter der Bundes- und Regionalliga) eine gute Rolle spielte. Unter Trainern wie Hansi Pacholke (Heide, Rendsburg) und dem späteren Proficoach Kuno Böge (Itzehoer SV, Holstein Kiel, FC St. Pauli) schlug Haack in der Schleusenstadt als Torjäger schnell ein.

Mit 24 Treffern errang der Goalgetter 1975 als „Brecher“ alter Prägung die Krone des Torjägers der Landesliga und schoss sein Team damit hinter Flensburg 08 zur Vizemeisterschaft und damit zur Teilahme an der Regionalliga-Aufstiegsrunde, dem wohl größten Vereinserfolg des BSC Brunsbüttel. In den Spielen um den Aufstieg scheiterte der BSC trotz der sieben Treffer (!) von Haack zwar gegen Pinneberg, Blumenthal und Hameln, verzeichnete aber Zuschauerzahlen, von denen man heute nur träumen kann. Allein beim Match gegen Hameln platzte das kleine Stadion in Brunsbüttel mit an die 4000 Zuschauer aus allen Nähten.

Nachdem auch Meister Flensburg den Aufstieg verpatzt hatte, trafen sich beide Teams zufällig zum ersten Landesliga-Punktspiel der folgenden Serie in Flensburg, und zwar erneut vor sagenhaften 4000 Zuschauern. In diese Zeit fiel auch ein Spiel mit der SHFV-Auswahl gegen Bayern, an das sich Haack trotz eines 1:5 gern erinnert.

1976 folgte Haack trotz diverser Angebote anderer Clubs schließlich seinem Mentor und Trainer Kuno Böge zum Itzehoer SV, der sich nach Einführung der 2. Bundesliga 1974 für die neue Amateuroberliga (dritte Spielklasse) qualifiziert hatte. Vor dem durch die Regionalliga verwöhnten und überaus kritischen Itzehoer Publikum durchlief Haack in der auch in Itzehoe zunächst ungeliebten neuen Spielklasse anfangs vor drastisch einbrechenden, aber immer noch im vierstelligen Bereich liegenden Zuschauerzahlen eine Talsohle, um sich letztlich aber mit Biss, Ehrgeiz und vielen schönen, in Hrubesch-Manier erzielten Kopfballtoren durchzusetzen. In den ersten drei Jahren beim ISV machte er sich mit jeweils mindestens 15 Toren einen Namen. Dabei assistierte ihm oft sein kongenialer Sturmpartner Bernd Reibe, mit dem er als torgefährliches Duo die Amateuroberliga aufmischte.

Höhepunkte in seiner Itzehoer Zeit bildeten aus Sicht Haacks 1977 DFB-Pokalspiele daheim gegen Köln (0:7 vor 8000 Zuschauern) und 1978 gegen die SpVgg Bayreuth sowie Spiele um die Deutsche Amateurmeisterschaft gegen den SV Sandhausen.

Unter Trainern wie Günter Rathje, Claus Eppel, Bernd Brehme und Vinicio Zanforlini wurde Claus Haack im Laufe seiner späteren Jahre beim ISV erst ins Mittelfeld und dann in die Abwehr beordert. Wegen seines nimmermüden Einsatzes, der ihm stets gute Kritiken bescherte, war er für viele das Vorbild schlechthin.

Zugleich galt der Umgang mit ihm speziell wegen seiner Einstellung bisweilen als nicht einfach. „Ich habe den Jungs häufig gesagt, dass man nicht immer gut spielen muss. Rennen und kämpfen kann aber jeder. Mit zunehmendem Alter bin ich noch kritischer geworden, wenn bei einigen die Einstellung nicht stimmte“, erläutert der Wahl-Itzehoer übrigens auch seine Entscheidung, nach Ende der aktiven Zeit auf eine vielfach an ihn heran getragene Tätigkeit als Trainer zu verzichten („Das wollte ich mir nicht antun“). Nachdem der ISV sich 1981 aus der Amateuroberliga in die Viertklassigkeit verabschieden musste, ließ der Dithmarscher seine Karriere langsam ausklingen und half in einer stark verjüngten Itzehoer Truppe nur noch sporadisch aus.

Dass der ISV übrigens mittlerweile ganz von der Bildfläche verschwunden ist, stößt beim Ex-Mittelstürmer auf Enttäuschung: „Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass so ein Traditionsverein nicht mehr existiert. Ich finde das traurig.“

Mit dem Fußball verbindet Claus Haack heute nur noch wenig. Ihn interessieren zwar noch flüchtig Ergebnisse im Amateurbereich, dem heutigen Profifußball steht er folgerichtig aber kritisch gegenüber: „In dem Geschäft sind die Bedingungen völlig unangemessen, und es geht ja auch kaum noch um Fußball. Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Ich schaue nur noch bei wirklich wichtigen Spielen hin.“ Typisch Claus Haack!

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