Ein Wiedersehen nach 45 Jahren

<dick>Trafen sich</dick> nach 45 Jahren wieder: Die ehemaligen Oberliga-Handballer des MTV Itzehoe. Foto: rst
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Trafen sich nach 45 Jahren wieder: Die ehemaligen Oberliga-Handballer des MTV Itzehoe. Foto: rst

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11. August 2010, 03:59 Uhr

Itzehoe | Das waren noch Zeiten. Vor 54 Jahren entwickelte sich Itzehoe zur Handball-Hochburg in Schleswig-Holstein. Die Erfolgsgeschichte hätte noch weiter geschrieben werden können, doch neun Jahre später endete sie wieder. 1965 spielte das Itzehoer "Dream-Team" zum letzten Mal zusammen. Unter anderem weil es keine für die Bundesliga geeignete Sporthalle in der Störstadt gab, fiel die Mannschaft auseinander. Nach 45 Jahren gab es jetzt ein Wiedersehen in Itzehoe. Herward Wieck hatte geladen und neun der damaligen Mitstreiter waren der Einladung mit ihren Ehefrauen gefolgt.

Viel zu erzählen gab es bei strahlendem Sonnenschein im Garten von Herward Wieck. So manche Geschichte aus den alten Zeiten machte die Runde. Jede Einzelheit ist den alten Recken scheinbar im Gedächtnis festgebrannt. Auf das Stichwort Lübeck folgt beispielsweise wie auf Kommando vom anderen Ende der Runde: "Oh ja, die Schlammschlacht". Aber auch das Wichtigste kam noch einmal zu Tage: 1964 hatte der MTV gleich fünf Nationalspieler in seinen Reihen. Mit Gerd Unterburg und Rüdiger Menssen zwei aus dem B-, sowie Klaus Lange, Uwe Rathjen und Erich Kolb drei aus dem A-Kader. Beinahe wären sogar drei Itzehoer mit zur Weltmeisterschaft in die CSSR gefahren. Der damals noch blutjunge Uwe Rathjen wurde aber noch kurzfristig aussortiert, so dass "nur" Klaus Lange und Erich Kolb übrig geblieben waren, als die deutsche Mannschaft auf Rang vier landete. Damals wurde noch Feldhandball gespielt. Nur im Winter wich man in die Halle aus. Im Hallenhandball waren Erich Kolb und Co eine große Nummer, wurden 1964 Landesmeister vor dem THW Kiel und schrammten nur knapp am Finale der Norddeutschen Meisterschaften vorbei.

Aus der damaligen Mannschaft hatten sich jetzt Klaus Lange, Erich Kolb, Gerd Unterburg, Günter Bielenberg, Kurt Gerhard, Matthias Dürwald, Horst Birkhahn, Helmut Mangelsen und Kurt Albers bei Herward Wieck getroffen. 1965 hatten sie zum letzten Mal zusammen gespielt. Studium oder berufliche Ziele rissen das Team damals auseinander. Dabei wäre in diesem Jahr sogar der Aufstieg in die neu eingeführte Hallenhandball-Bundesliga möglich gewesen. "Wir hatten in Itzehoe aber keine bundesligataugliche Halle, was letztlich auch ein Grund dafür war, dass uns die besten Spieler verließen", erzählt der damalige Mannschaftsführer Kurt Gerhard.

Erich Kolb, der 1966 mit der deutschen Mannschaft den Titel bei der letzten Feldhandball-Weltmeisterschaft holte, ging nach Birkenau und später nach Großwallstadt; Klaus Lange, der sogar Mannschaftskapitän im Nationalteam war, wechselte zum HSV und später nach Bad Schwartau - natürlich als Bundesliga-Spieler mittlerweile in der Halle. Die Zeit des Feldhandball näherte sich dem Ende, weil der Sport in der Halle wesentlich attraktiver war.

Doch nicht nur sportlich waren die MTVer erfolgreich, auch beruflich machten die meisten Karriere. Kapitän Kurt Gerhards Führungsqualitäten waren zum Beispiel später nicht nur als MTV-Vereins-Vorsitzender gefragt, sondern auch als Präsident des Landgerichts in Itzehoe. Gerhard hatte es in der Heimatstadt gehalten. Andres dagegen Horst Birkhahn, den es als leitendender Ingenieur nach Lübeck verschlug. Günter Bielenberg ging als Schulleiter nach Dithmarschen, während der mit ihm aus Herzhorn zum MTV gewechselte Klaus Lange später als Schulleiter der KKS sogar beruflich nach Itzehoe zurückkehrte. Erich Kolb war durch seinen Beruf nach Itzehoe gekommen. Er arbeitete damals bei Gruner in der Großdruckerei. Kolb, der jetzt in Aschaffenburg lebt hatte aber nicht die weiteste Anreise zu diesem Ehemaligentreffen. Aus Wien kam Gerd Unterburg nach Itzehoe, der dort im Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft sitzt.

Nach ihrer Spielerlaufbahn machten Günter Bielenberg und Gastgeber Herward Wieck auch als Trainer auf sich aufmerksam. Als "Handball-Professor" hat Bielenberg im Nachbarkreis Dithmarschen noch immer einen Namen. Er baute in Meldorf die Handballabteilung auf, die zeitweilig die größte in Schleswig-Holstein war und führte die Mannschaft in die Oberliga. Herward Wieck musste sich 1982 zwischen Trainertätigkeit und Beruf entscheiden. Wieck hatte 81 einen Dreijahresvertrag beim THW Kiel unterschrieben, stieg dann ein Jahr später aber wieder aus, weil ihm seine Stellung bei Gruner wichtiger war. Herward Wieck blieb jedoch lange Lehrwart im Schleswig-Holsteinischen Handballverband. Die Liebe zum THW Kiel ist geblieben - Wieck ist mittlerweile "Edelfan". Als Überraschung hatten seine alten Handballkumpels ihm das THW-Maskottchen, ein Spielzeug-Zebra, als Geschenk mitgebracht.

Die "Sternstunden" im Handball beim MTV Itzehoe begannen 1956, als der MTV Itzehoe zum ersten Mal in die Hallenhandball-Oberliga aufstieg. Allerdings musste die Mannschaft die Klasse gleich wieder verlassen. Schon damals gab es den Makel, keine geeignete Halle zu haben, weshalb man die Heimspiele in Ratzeburg austragen musste. 1961 wurden die MTV-Junioren Norddeutscher Meister in der Halle und auf dem Großfeld. Mit Spielern aus dieser Mannschaft verstärkt, stiegen die MTV-Herren 1962 in die Feldoberliga Nord, damals die höchste Spielklasse, auf. 1964 wurde der MTV Landesmeister und war dann auch in der Hallensaison ganz oben. Ein Höhepunkt war Weihnachten 64 ein internationales Turnier in der Kieler Ostseehalle, wo zunächst im Halbfinale der THW mit 11:7 in die Schranken gewiesen und im Endspiel auch der schwedische Vizemeister Jönköping mit 13:9 geschlagen wurde. 1965 verließen mehrere Leistungsträger den MTV, womit das Ende dieser Handball-Ära in der Störstadt eingeleitet war.

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