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Leichtathletik-Europameisterschaft der Senioren : Edelmetall für Steinburger Senioren

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Viktor Kirsch Gold im 5000 m-Lauf und Silber über 1500 m – Jan Voigt schleudert Diskus auf Silberplatz

Dreifacher Medaillentriumph für Steinburger Leichtathleten bei den Senioren-Europameisterschaften in Izmir: Der für den LC Oase Hingstheide startberechtigte Viktor Kirsch (M40) gewann über 5000 Meter Gold und über 1500 Meter Silber in 4:12,49 beziehungsweise 15:55,04 Minuten, und Jan Voigt (M60) vom SC Itzehoe holte sich im Diskuswerfen Silber mit der Weite von 46,49 Metern.

Dass Viktor Kirsch in der Türkei doppeltes Edelmetall holte, ist bei genauerer Betrachtung keine Überraschung. Der Hingstheider war über 5000 Meter mit der schnellsten Zeit vorgemeldet und lag im Ranking über 1500 Meter immerhin noch auf Platz drei. Und dennoch: Medaillen holt nur der, der auf den Punkt topfit ist. Und davon war bei Viktor Kirsch auszugehen, hatte er doch im Vorfeld der Kontinentalmeisterschaften bei mehreren Gelegenheiten gezeigt, dass das mit Lutz Preußner (LG Lahn-Aar-Esterau) abgestimmte Training anschlägt. Sicherheit gaben Kirsch die in diesem Jahr erzielten Zeiten über 800 Meter (2:02 min.), 1500 Meter (4:11 min.), 3000 Meter (8:54 min.) und 5000 Meter (15:46 min.). So gestärkt konnte er die Reise nach Izmir relativ zuversichtlich antreten.

Über 1500 Meter sah die von Preußner vorgegebene Taktik einen zunächst verhaltenen Beginn auf den ersten 400 Metern vor. Im Folgenden sollte Viktor Kirsch dann nach vorne gehen und möglichst Distanz zwischen sich und die anderen bringen. Und unter denen waren mit dem Tschechen Martin Aust und dem Franzosen Jerome Besnard zwei Aktive, die die Mittelstreckendistanz bereits schneller als Viktor Kirsch gelaufen waren. Und dennoch: Der Hingstheider hatte derart aufs Tempo gedrückt, dass nur noch Martin Aust folgen konnte – und wie, denn dem Tschechen gelang es nach 1495 Metern, die Führung im Wettbewerb zu übernehmen und mit knappem Vorsprung (4:11,87 min.) die Ziellinie zu überqueren. Enttäuschung bei Viktor Kirsch? Mitnichten: „Ich war unglaublich zufrieden, denn mit Silber hatte ich nicht gerechnet – allenfalls mit Platz 3, wenn es gut läuft.“

Mit der Silbermedaille gestärkt, nahm Kirsch seinen zweiten Wettkampf auf. Doch es war nicht wie sonst. „Ich war sehr nervös, und das merkte ich besonders vor dem Start, als sich alle Augen auf mich richteten.“ Engländer, Iren und Italiener – sie beobachteten ihn schon beim Einlaufen. Und plötzlich kamen Zweifel beim Favoriten auf: „Ich dachte plötzlich, ich schaffe es nicht. So etwas hatte ich selbst bei Deutschen Meisterschaften noch nicht an mir erfahren. Wenn ich verlieren würde, dann nicht, weil ich physisch unterlegen bin, sondern weil mich die anderen psychisch fertig gemacht haben.“

Zu Beginn des Rennens – es wurde zusammen mit der Altersklasse M35 gestartet – eine kleine Überraschung: „Niemand wollte die Führung übernehmen, so dass wir die ersten 200 Meter in nur 45 Sekunden zurücklegten. Nach 300 Metern opferte sich dann der Pole Robert Celinski (16:11,65), der die Spitze übernahm. Ich selbst blieb bis zum Ende der sechsten Runde an dritter, vierter Stelle, während die Führung mehrmals wechselte.“ Ab der siebten Runde bestimmte dann aber Viktor Kirsch die Pace.

Doch so einfach wollte sich die Konkurrenz dann doch nicht geschlagen geben, und insbesondere der Italiener Michele Bruzzone (15:57,18) hatte Größeres vor: „Er attackierte plötzlich in der zehnten Runde, doch ich hielt dagegen.“ Der Angriff erfolgte ausgerechnet in der Kurve. Hätte er Erfolg gehabt, wäre der Italiener psychologisch im Vorteil gewesen. Nach der Devise, „Laufe so schnell wie du kannst und bis der Arzt kommt“, kaufte Kirsch seinem hartnäckigen Widersacher den Schneid ab und distanzierte ihn letztlich um 2,14 Sekunden. Einzig der jüngere und in einer anderen Klasse laufende Norweger Kristian Nedregaard (M35/15:52,50 min.) war Viktor Kirsch gewachsen. „Er überholte mich in der zwölften Runde. Doch weil er jünger ist als ich, war er keine Gefahr für mich.“

Am Ende ein überglücklicher Viktor Kirsch: „Jeder Läufer träumt von einem Sieg, auch ich. Für mich war es dann ein unbeschreibliches Gefühl, ganz oben auf dem Siegespodest zu stehen und die deutsche Nationalhymne zu hören. Das hat mich sehr stolz gemacht.“ Im Augenblick seines Triumphes dachte Viktor Kirsch aber auch an den Mann, der seine Erfolge möglich gemacht hatte: „Ohne Lutz Preußner hätte ich die Medaillen nicht gewonnen.“

Für Jan Voigt endete der Ausflug in die Türkei ebenfalls mit einem großen Moment: Vor dem Wettkampf im Diskuswerfen hatte er für sich nicht allzu viele Möglichkeiten gesehen, den Sprung aufs Treppchen zu schaffen. Zwar landeten seine Würfe im Vorfeld der Titelkämpfe bei 47 Meter, und im Training hatte er auch schon mal zwei Meter weiter geworfen, doch in technischer Hinsicht ging er in Izmir nicht wie gewollt an den Start. „Ich warf zum Schluss im Training und beim Einwerfen auf dem Platz in Izmir nur noch bis 44 Meter weit, und das ist ja nicht sehr viel, zumal ich davon ausgegangen bin, dass man 47 Meter bringen muss, um bei der EM Fünfter oder Sechster zu werden.“ Der Grund für die Instabilität: Jan Voigt hatte sich zuvor in Medelby an einem Wurffünfkampf und Halberstadt an einem Wettkampf für Wurfsportarten, die nicht olympisch sind, beteiligt und das konzentrierte Training mit dem Diskus deshalb vernachlässigen müssen.

Beeindruckt hatte ihn vor Ort insbesondere das Einwerfen der Konkurrenz. „Meine Gegner hatten es richtig knallen lassen, und ihre Disken landeten bei 50 Meter.“ Doch Jan Voigt wusste auch: „Um aufs Treppchen zu kommen, muss jeder seine beste Leistung im Wettkampf bringen. Was vorher geworfen wurde, zählt nicht fürs Protokoll.“

Als dann die Stunde der Wahrheit kam, patzte die Konkurrenz. Die vorher noch so beeindruckenden Würfe fehlten plötzlich: „Meine Gegner bauten offenbar Druck auf, dem sie nicht gewachsen waren. Deshalb landeten ihre Geräte dann wohl auch im Netz oder außerhalb des Sektors oder waren einfach zu kurz.“ Anders machte es Jan Voigt, der zu seiner eigenen Überraschung nach dem ersten Durchgang führte: 45,54 Meter wurden für ihn gemessen.

Im zweiten Durchgang konterte dann aber der Finne Rauno Mottonen, dessen 46,67 Meter lange Zeit das non plus ultra war und der offenbar ungefährdet dem Titel entgegensteuerte. Und Jan Voigt? Der sah sich nach dem fünften Durchgang weiterer finnischer Konkurrenz ausgesetzt, denn für Jorma Liikana wurde eine Weite von 45,15 gemessen. Gefährlich für den Itzehoer? Offensichtlich nicht, denn in Durchgang sechs bündelte Jan Voigt nochmals alle Kräfte und brachte die ein Kilogramm schwere Scheibe auf 46,49 Meter. Im nun sicheren Gefühl des Sieges konzentrierte sich auch Rauno Mottonen noch einmal, und sein Diskus landete bei 48,93 Meter. Das war der Titel. „Da kann man mal sehen, was passieren kann, wenn jemand völlig unbelastet und in der Gewissheit des Sieges seinen letzten Wurf absolviert“, anerkannte Jan Voigt die Leistung des Gegners.

Darüber hinaus beteiligte sich der Itzehoer noch an weiteren Wettkämpfen: Im Hammerwerfen langten 42,32 Meter zu Platz sechs, im Gewichtwerfen führten ihn 13,84 Meter auf Platz neun, und im Wurffünfkampf bedeuteten 3553 Punkte Platz sechs, nachdem er in Medelby bereits 3913 Punkte gesammelt hatte, die in Izmir locker zu einer Medaille gereicht hätten.

Vorbereitet hatte sich Jan Voigt in Itzehoe übrigens auf dem alten Sportplatz in der Potthofstraße. „Das Gelände, auf dem der Ring liegt, gehört heute einem französischen Autohaus. Ich bin sehr dankbar, dass mich der Eigentümer dort trainieren lässt.“

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erstellt am 10.Sep.2014 | 05:00 Uhr

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