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Reitsport : Die Familie als Erfolgs-Team

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Er hat viele Siege errungen und war im vergangenen Jahr Landesmeister der Amateure – Steffen Dehmelt zählt zu den besten Springreitern im Lande.

„Und jetzt freuen wir uns auf das nächste Paar, Steffen Dehmelt auf Clain“ – so oder ähnlich tönte es im Laufe der Grünen Saison 2014 auf Reitplätzen in Schleswig-Holstein und Hamburg aus Lautsprechern, bevor der Reiter vom Reit- und Fahrverein Nutteln zusammen mit seinem 18-jährigen Holsteiner-Wallach über die Startlinie ritt. Sich bei Prüfungen bis hoch zur Klasse S** präsentiert hat der 41-jährige passionierte Springreiter schon unzählige Male, und nicht selten standen sein und die Namen seiner Pferde ganz oben auf der Ergebnisliste. Seit 1990, seit diesem Jahr betreibt Steffen Dehmelt den Springsport als reiner Amateur ganz gezielt, hat er auf drei verschiedenen Pferden – La Diva, Whoopi und Clain – die Kreismeisterschaften in Herfart für sich entschieden und war darüber hinaus auch auf den Rängen zwei und drei platziert.

Unter allen Erfolgen von Steffen Dehmelt, der seinen Turniersport mit der Arbeit als selbstständiger Hufschmied (seit 1996) finanziert, ragt ein Sieg besonders hervor: Im vergangenen Jahr holte er sich beim Turnier in Marne den Titel des Landesmeisters der Amateure. Nach drei Prüfungsrunden standen er und Clain als Sieger fest. „Für mich kam der Sieg auf diesem Pferd überraschend.“ Zwar hatte er auf den ersten Platz gehofft, doch auf einem anderen Pferd. „Auf ‚Coximo‘, der zehn Jahre jünger ist.“ Mit Blick auf den älteren, aber immer wieder verlässlichen Schimmel Clain sagte Steffen Dehmelt: „Der Alte ist noch ganz schön gut.“

Die Frage, wie ein Reiter Landesmeister der Amateure werden kann, ist für den Nuttelner schnell beantwortet: „Das funktioniert nur mit einer Familie im Hintergrund, die den Sport unterstützt, und mit einem Profi als Trainer an der Seite.“ Von beidem hat Steffen Dehmelt zur Genüge.

Da sind zum einen seine Frau Meike, als Springreiterin wohl noch besser unter dem Namen Rathjen bekannt, und seine Mutter Anne Dehmelt. Beide sind gern dabei sind, wenn es auf Turniere wie die Baltic Horse Show in Kiel, das Holstenhallen-Turnier in Neumünster oder das Amateur-Derby Klein Flottbek in Hamburg geht. Doch nicht nur mit in die Ferne zieht es sie – sie sind ebenfalls zur Stelle und unterstützen die Turniervorbereitungen, wenn Steffen Dehmelt für das M*-Springen beim „Großen Turnier“ in Nutteln genannt hat. Zum „Erfolgsteam Dehmelt“ gehört aber auch Dirk Ahlmann aus Reher, bei dem der aktuelle Landesmeister der Amateure nun schon seit gut acht Jahren mehrmals im Monat trainiert. Über den Anteil, den Dirk Ahlmann an seinen Turnierergebnissen hat, sagt Steffen Dehmelt: „Er hat mich weiterentwickelt.“ Ohne das Zutun dieses erfahrenen Trainers hätte er sich auf Clain bei einem Zwei-Sterne S-Springen mit Sicherheit niemals platzieren können: „Ohne Trainer geht so etwas nicht.“

Zum Pferdesport gekommen ist Steffen Dehmelt nach einem tragischen Erlebnis: „Mein Vater starb, als ich 17 Jahre alt war. Und da stellte sich mir die Frage, was ich mit den Reitpferden mache, die mein Vater hinterlassen hat.“ Für sich beantwortet er die Frage damals so: „Ich setzte das fort, was mein Vater begonnen hatte. Er war auch Turnierreiter gewesen.“

Unterstützt hatte seine Entscheidung Anne Dehmelt – sowohl ideell als auch materiell, denn die finanziellen Lasten des Hobbys ihres Sohns trug damals die Mutter. Voller Dankbarkeit sagt Steffen Dehmelt: „Sie gehört zum Team einfach mit dazu und ist daraus auch nicht wegzudenken.“ Oft beobachtet man Anne Dehmelt dabei, wie sie die Ritte ihres Sohnes im digitalen Foto festhält oder sich um dessen Pferde kümmert, zu denen neben Clain und Coximo weitere Vierbeiner gehören.

Und die zu bewegen ist während der Woche Aufgabe von Meike Dehmelt. In Gänze bewerkstelligen könnte ihr Ehemann das nämlich nicht – zu oft sei er von morgens fünf bis abends sechs zwischen Rendsburg und Hamburg unterwegs, um den bei Jürgen Franzenburg erlernten Beruf auszuüben.

Was ihn an seinem Hobby fasziniert? „Der Sport an sich und das Pferd gleichermaßen.“ Deshalb fahre er auch immer auf die Turnier, „um zu gewinnen“. Und dennoch: Steffen Dehmelt ist ein guter Verlierer: „Wenn andere besser sind, dann ist das so. Das akzeptiere ich auch.“ Er selber versuche nach der Niederlage, „es am nächsten Tag besser zu machen.“ Denn meistens sei es so, „dass ich den Fehler mache und nicht mein Pferd.“ Von einer Philosophie nach dem Motto, „Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, dann hat die Badehose schuld“, halte er nichts. Deshalb: „Als Sportler muss man sich in erster Linie selbst hinterfragen und nicht etwa zuerst den Fehler beim Pferd suchen.“

Mit Blick auf seine sportliche Zukunft sagt Steffen Dehmelt: „Ich will weiterhin Turniere reiten – auch bei den Kreismeisterschaften und bei unserem großen Turnier in Nutteln. Und wenn es geht, würde ich sie in jedem Jahr auch gerne gewinnen.“ Kreismeister zu werden oder in Nutteln als Erster geehrt zu werden, das sei für ihn erstrebenswert. Zudem hoffe er, den Titel des Landesmeisters der Amateure in diesem Jahr verteidigen zu können – dann hoffentlich in Bad Segeberg. „Nichts gegen Marne, der Veranstalter hat sich alle Mühe gegeben und uns ein tolles Turnier beschert, aber eine Landesmeisterschaft im Reitsport gehört einfach nach Bad Segeberg.“ In der „Hauptstadt des schleswig-holsteinischen Pferdesports“ fänden zahlreiche Landesmeisterschaften statt. „Eine Landesmeisterschaft dort kann die Amateurmeisterschaft nur aufwerten.“ Für die Zukunft fest im Blick hat Steffen Dehmelt aber auch seine Tochter Carlotta (13), die so langsam anfängt, unter der Anleitung ihres Vaters zu trainieren.

Und Clain? Seinen „guten Alten“ möchte Steffen Dehmelt noch lange nicht missen. „Ich möchte ihn solange reiten, bis er keinen Spaß mehr am Turniersport hat. Ich hoffe nur, dass ich das dann auch rechtzeitig merke.“ Dass sich Steffen Dehmelt aber auch auf „Coximo“ verlassen kann, stellte der Reiter zuletzt vor wenigen Tagen bei einem Hallenturnier in Hamburg-Sülldorf fest. Das Paar gewann dort ein Springen der Klasse M**. „Das Jahr läuft gut an“, stellte Steffen Dehmelt danach zufrieden fest.

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