Finanzieller Mehraufwand ist nicht die größte Problematik : Die Dokumentation ist das Schwierigste

Geschäftsführer beim SC Itzehoe: Jan Schamerowski
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Geschäftsführer beim SC Itzehoe: Jan Schamerowski

Seit Jahresbeginn haben sich auch die Steinburger Sportvereine auf den Mindestlohn einstellen müssen

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24. Juli 2015, 05:00 Uhr

Seit Anfang des Jahres gilt der gesetzliche Mindestlohn: Mindestens 8,50 Euro muss jeder Arbeitnehmer pro Stunde erhalten. Er soll so vor Hungerlöhnen und die Unternehmen vor unfairem Wettbewerb geschützt werden. Das betrifft auch die Sportvereine im Kreis Steinburg – je nach Größe in unterschiedlicher Intensität. Sie haben die Herausforderung für sich gemeistert, wie eine kleine Umfrage der Sportredaktion ergab. Die größte Problematik sehen die Verantwortlichen dabei weniger in einem finanziellen Mehraufwand als vielmehr in der Pflicht, die Einhaltung auch entsprechend zu belegen.

Sehr ausgiebig musste sich Jan Schamerowski, Geschäftsführer des Sportclub Itzehoe, mit der Materie beschäftigen. Schließlich gehört der SCI mit seinen rund 5000 Mitgliedern zu den größten Sportvereinen in Schleswig-Holstein und führt auf seiner Gehaltsliste etwa 130 Angestellte – dazu gehören Geschäftsstellen-Mitarbeiter, Übungsleiter, Trainer, Sportlehrer, Servicekräfte oder auch Reinigungshilfen. „Das Thema war im Vorfeld schon sehr aufwändig für uns“, erklärt Schamerowski. „Aber mittlerweile haben wir das Ganze abgearbeitet und es läuft jetzt eigentlich zur Zufriedenheit aller. Recht lästig ist höchstens noch die Dokumentationspflicht.“ Beim Itzehoer Großverein weiß man sich auf der sicheren Seite, denn schließlich sei ein Nichteinhalten ja auch ein Verstoß gegen die Pflicht zum Abführen von Steuern und Sozialbeiträgen.

Aber nur für den kleineren Teil der SCI-Angestellten hat der Mindestlohn eine Relevanz. Viele Übungsleiter erhalten die übliche monatliche Pauschale von 200 Euro als Aufwands-Entschädigung, die ohne Abzug von Steuern und Sozialbeiträgen ausgezahlt werden kann. Das Gleiche gilt auch für geringfügig Beschäftige bis zu einer Grenze von 450 Euro („Mini-Jobber“). Viele hauptamtlich Tätige beim SCI lagen im Verdienst ohnehin schon über dem Mindestlohn und auch für Freiberufler gilt er nicht. „Letztlich betrifft das Ganze bei uns nur 15 Mitarbeiter im Service-Bereich des Fitness-Studios und drei Reinigungskräfte“, sagt der SCI-Geschäftsführer. Es wird sogar der höhere schleswig-holsteinische Landes-Mindestlohn von 9,18 Euro gezahlt. So hat der Sportclub Itzehoe auch weiterhin Anspruch auf einmalige Zuschüsse aus Landesmitteln. Die finanzielle Mehrbelastung für den Verein aufgrund des Mindestlohnes hat man durch eine Erhöhung um einen Euro für den Studio-Zusatzbeitrag wieder ausgeglichen.

Keine großen Veränderungen waren bei Fortuna Glückstadt nötig. Der Klub an der Elbe hat rund 1800 Mitglieder und beschäftigt neben ehrenamtlichen Übungsleitern, freiberuflichen Honorarkräften und hauptamtlichen Sportlehrern auch geringfügig Beschäftigte. „Eigentlich haben wir schon immer den Mindestlohn gezahlt“, sagt Fortunas Kassenwart Peter Krieger, „wenn man das Entgelt in Relation zur Anzahl der Arbeitsstunden setzt. Ich wüsste jetzt nicht, dass Verträge gravierend hätten geändert werden müssen.“ Nicht ganz einfach sei es in der Praxis allerdings, der Pflicht zur Dokumentation nachzukommen.

Eine ähnliche Größe wie die Fortuna weist mit knapp 1900 Mitgliedern auch der VfL Kellinghusen auf. Und auch die Pflicht zur Dokumentation wird dort ähnlich kritisch gesehen: „Der Bürokratismus ist schon schlimm, das Ehrenamt wird immer komplizierter“, sagt der erste Kassierer Jürgen Grelck. Etwas schwierig darzustellen sei der Mindestlohn zum Beispiel bei den Platzwarten. Hier mische sich die entgeltliche Beschäftigung auf Basis einer geringfügigen Beschäftigung mit der ehrenamtlichen Begeisterung für den Verein – will heißen: Hier wird freiwillig mehr gearbeitet als vereinbart.

Aktive Sportler, sofern sie nicht ohnehin Profis sind, sind übrigens ebenfalls nicht betroffen. Zu dieser Klarstellung hatte sich die zuständige Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) nach heftiger Diskussion genötigt gesehen: „Die Vertragsamateure fallen nicht unter das Mindestlohngesetz. Das zeitliche und persönliche Engagement dieser Sportler zeigt eindeutig, dass nicht die finanzielle Gegenleistung, sondern die Förderung des Vereinszwecks und der Spaß am Sport im Vordergrund stehen.“

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