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Mit 25 Jahren der erste Ironman : „Der längste Tag in meinem Leben“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Itzehoer Kristof Jörgensen finisht in Kopenhagen nach knapp elfeinhalb Stunden im Mittelfeld

von
erstellt am 10.Sep.2015 | 05:00 Uhr

Durchgehangelt – der Itzehoer Triathlet Kristof Jörgensen hat in Kopenhagen seinen ersten Ironman absolviert. Nach knapp elfeinhalb Stunden war der 25-Jährige im Ziel. Kaputt aber mit „Wahnsinnsgefühlen, die die Strapazen schnell vergessen lassen“, wie er sagt. Für Jörgensen ist klar: „Der erste war nicht mein letzter Ironman.“

3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und noch ein Marathonlauf (42,2 Kilometer) hintendran: Das sind die Disziplinen, die ein Triathlet beim Ironman zu absolvieren hat. Mit 25 Jahren hat sich Kristof Jörgensen zum ersten Mal entschlossen, diese Herausforderung anzunehmen. Über den Störlauf, bei dem er alle Distanzen gerannt habe, sei er zum Triathlon gekommen, berichtet er. Schon acht Jahre ist Jörgensen beim SC Itzehoe in dieser Sportart dabei, wobei er es, was die Intensität angeht, eher locker angehen ließ. Das war diesmal anders, denn auf das Event in Kopenhagen hat er sich seit Januar ganz intensiv vorbereitet. Anfangs sieben bis zehn Stunden bis zuletzt maximal 16 Stunden Training in der Woche zollten schnell ihren Tribut. „Zuerst hatte ich Probleme in Schulter, Oberschenkel und Hintern. Da musste ich mich erst einmal durchbeißen.“ Aber das habe auch geholfen die richtige Wettkampfhärte für den Ironman zu bekommen. „Wenn die nicht gewesen wäre, hätte ich in Kopenhagen wahrscheinlich unterwegs aufgegeben. Kurz davor war ich jedenfalls“, sagt er.

Für Jörgensen war es gefühlt der längste Tag in seinem Leben. Der Adrenalinspiegel sei vor dem Start schon so hoch gewesen, dass er nur drei Stunden geschlafen habe, bevor er um vier Uhr aufstehen musste. Kleines Frühstück, Rennrad mit fertig gepackten Nahrungsbeutel zum Start bringen und dann um 7.30 Uhr Schwimmstart. Bei 21 Grad Wassertemeratur in der Ostsee lief es zunächst ganz gut für den Itzehoer. Nach überstandenen Positionskämpfen an der ersten Boje nach etwa 300 Metern fand Jörgensen seinen Rhythmus und beendete die erste Disziplin nach für ihn guten 71 Minuten.

„Das Wechseltraining beim SCI mit Andre Beltz kam mir zugute, so dass ich schnell auf die Radstrecke wechseln konnte.“ Zwei Runden a 90 Kilometer waren dabei zu absolvieren. „Die erste Runde bin ich gut gefahren, ab Kilometer 50 war ich sogar etwas zu schnell. Das war im Plan zwar so nicht vorgesehen, aber noch fühlte ich mich gut.“ Das änderte sich allerdings nach etwa 100 Kilometern schlagartig. Jedoch nicht weil sich Jörgensen zu viel zugemutet hatte, sondern weil ihn eine Biene gestochen hatte und der Gegenwind immer stärker wurde. „Die letzten 60 Kilometer auf dem Rad war mein Akku ziemlich leer. Ich musste langsamer fahren und bin nach 145 Kilometern abgestiegen, um noch einmal den Bienenstich zu kühlen.‘‘ Aber auch dank der guten Vorbereitung mit Trainingspartner Jakob Ohlsen überstand Jörgensen diese Schwächephase und hielt weiter durch. „Die letzten zwei Stunden auf dem Rad waren nicht zufriedenstellend. Als ich nach 5:42:23 Std. abgestiegen bin, war ich jedenfalls ziemlich kaputt und es kamen Zweifel auf, ob ich den Marathonlauf überhaupt noch schaffen könnte.“

Die ersten zwei Kilometer seien die Beine noch etwas wackelig gewesen, doch die erste Runde habe er locker in 55 Minuten geschafft. Dann kam es jedoch ganz dick. „Ab Kilometer 13 haben sich die ersten Krämpfe angekündigt. In den Verpflegungsstellen bin ich dann nur noch gegangen, um genügend Nahrung, Salz und Flüssigkeit aufnehmen zu können, damit die Krämpfe nicht aufkamen. Diese Phase war vor allem vom Kopf her schwer, weil das Ziel noch sehr weit entfernt war.“ Aber Eltern, Schwester und Freunde, die an verschiedenen Stellen der Strecke positioniert waren, hätten ihn immer wieder nach vorn gepusht. Deshalb sei es für ihn besonders gut gewesen, dass die Marathonstrecke in vier Runden gelaufen werden musste. „Immer wenn ich am Tiefpunkt angelangt war, hörte ich eine vertraute Stimme, die mich aufgerichtet hat, so dass ich mich weiter durchhangeln konnte.“ Er habe sich immer kleine Ziele gesetzt, von einer Verpflegungsstelle zur nächsten oder von einem Unterstützer zum anderen. Als nach 28 Kilometern das letzte Gegenwindstück der Runde vorbei war und abermals die vertrauten Gesichter der Freunde am Straßenrand auftauchten, habe er dann gewusst, dass er auch noch die letzten Kilometer sicher zu Ende bringen kann. ,,Die letzten eineinhalb Runden konnte ich dann sogar die tolle Atmosphäre genießen und freute mich schon auf den Zieleinlauf.‘‘ Für die gute Atmosphäre habe auch das dänische Publikum an der Strecke gesorgt, das alle Teilnehmer großartig angefeuert hätte. Nach knapp viereinhalb Stunden (4:27:04 Std) habe er von den Strapazen kaum noch etwas gemerkt. „Nach einem kleinem Endspurt war ich im Ziel total happy, durchgehalten zu haben. Es war ein Wahnsinsgefühl, irgendwie unbeschreiblich, aber so gewaltig, dass man es gern noch öfter haben möchte.“

Nach mindestens einen Jahr Ironman-Pause könnte es wieder soweit sein, plant Jörgensen. Mit der Erfahrung seines ersten Ironman wolle er dann seine Leistung verbessern. Mit dem Ergebnis von insgesamt 11:28:01 Stunden war er jedenfalls zufrieden. Als 1016. von knapp 3000 Startern und 108. in der Altersklasse lag er im Mittelfeld. Beim nächsten Mal soll das Ergebnis dann im Gesamtklassement drei- und in der Altersklasse zweistellig werden. „Da ist noch Luft nach oben“, sagt er.

 

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