Cord Bauer: Höhepunkt war Pokalschlager gegen 1. FC Köln

Cord Bauer heute Foto: schö
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05. August 2010, 03:59 Uhr

Itzehoe | "Als der Itzehoer SV mich 1970 zum Lehmwohld holte, wusste ich erst gar nicht, was der damalige Regionalligist mit zahlreichen gestandenen Fußballern mit mir wollte", blickt der heute 61-jährige Cord Bauer auf die Anfänge einer rund zehnjährigen Karriere beim ISV zurück, die dann mit zu den erfolgreichsten und schönsten Jahren im Fußballerleben des gebürtigen Lägerdorfers zählten. Unter anderem in den Serien 1970/71 bis 1973/74 spielte Itzehoe in der Regionalliga Nord, was in diesen Jahren die Zweitklassigkeit hinter der Bundesliga bedeutete, und danach (durch Einführung der Zweiten Bundesliga bedingt) in der drittklassigen Oberliga Nord bis zur Saison 1980/81.

Mit 22 Jahren wechselte der Mittelfeldspieler auf der "Sechser-Position" vom damaligen Regionalliga-Absteiger VfR Neumünster nach Itzehoe. Bauer, der seine ersten fußballerischen Gehversuche als Knabenspieler siebenjährig beim TSV Lägerdorf unternahm, zog dann aber sehr bald mit den Eltern nach Neumünster und durchlief beim VfR sämtliche Jugendmannschaften. Als A-Jugendlicher wurde Cord Bauer mehrfach in die Schleswig-Holstein-Auswahl berufen und spielte mit bekannten Größen wie Alfred Hußner und Horst Wohlers zusammen. Für die Liga-Mannschaft des VfR wurde Bauer vorzeitig frei geholt.

Mit Beginn der Saison 1970/71 unterschrieb Bauer zunächst einen Zwei-Jahres-Vertrag beim Itzehoer SV. Drei Serien in der damals zweitklassigen Regionalliga Nord und danach in der drittklassigen Amateur-Oberliga-Nord schlossen sich für Bauer beim ISV an. Hauptberuflich war der Wechsel nach Itzehoe für den gelernten Schriftsetzer kein Problem. "Im Itzehoer Druckhaus Gruner + Jahr (heute Prinovis) bekam ich wie so viele meiner Mitspieler aus der damaligen Zeit eine gut bezahlte Arbeit", erzählt Cord Bauer, der bis zum Eintritt in die Altersteilzeit fast 40 Jahre im Schichtdienst für die Großdruckerei tätig war.

Auf dem Itzehoer Lehmwohld dauerte es unterdessen eine Weile, bis Cord Bauer seinen Stammplatz sicher hatte. Zunächst sprang er für einen ausgefallenen Verteidiger ein, doch im Verlaufe der Saison 1970/71 hatte Bauer im mit 1:0 gewonnenen Auswärtsspiel bei Leu Braunschweig schließlich seinen Durchbruch. Fortan mit der Nummer sechs auf dem Rücken war er aus dem damaligen ISV-Team nicht mehr weg zu denken. In der Serie 1971/72 zeichnete sich Bauer sogar zwei Mal als dreifacher Torschütze aus. Im Januar 1972 beim 4:0-Auswärtssieg bei Phönix Lübeck und im Mai des gleichen Jahres beim 5:0 in Hamburg gegen Sperber. Mit diesem seinerzeit sensationellen Erfolg rettete sich der ISV vor dem drohenden Abstieg.

Nicht vergessen wird Cord Bauer die legendären Derbys gegen den Heider SV und VfB Lübeck vor mehreren tausend Zuschauern. "Unter tausend Zuschauer habe ich nie gespielt". Highlights waren Begegnungen gegen den VfL Osnabrück, VfL Wolfsburg, Arminia Hannover und FC St. Pauli. Seine Trainer hießen Kuno Böge, Karl-Heinz Baureis und Hans Klinger.

Der absolute Höhepunkt kam für Bauer im Jahre 1976. Nach dem Landespokalsieg (Saison 1974/75 - 1:0-Sieg gegen Holstein Kiel im Finale) wurde dem ISV in der ersten DFB-Pokalhauptrunde des folgenden Jahres Bundesligist 1. FC Köln zugelost. Cord Bauer: "Ein Traum. Die Nachricht erfuhr ich im Sommerurlaub am Strand auf der Insel Sylt aus dem Radio".

Bauer war damals Mannschaftskapitän des ISV und tauschte im August 1976 mit Nationalspieler und FC-Kapitän Wolfgang Overath die Wimpel. Vor der sagenhaften Kulisse von 7.200 Besuchern am Itzehoer Lehmwohld waren die Kölner mit allen Stars wie Schumacher, Weber, Cullmann, Flohe, van Gool, Müller und Löhr angetreten. Bauer spielte damals gegen Heinz Simmet. Der Bundesligist gewann standesgemäß mit 7:0 und holte in dieser Runde später den DFB-Pokal.

Anfang der 80er Jahre verließ Cord Bauer den ISV in Richtung TSV Heiligenstedten, fand dort eine neue fußballerische Heimat, wenn auch lange nicht mehr so glorreich und anspruchsvoll wie in den Jahren davor. Dennoch wertet Bauer die insgesamt 23 Jahre, die er am Juliankadamm verbrachte ("Es haben sich in dieser Zeit viele Freundschaften entwickelt".), als unvergessen. In der Saison 2003/04 zog es ihn zum ISV in die Altliga zurück.

Heute widmet sich der 61-Jährige zu aller erst um den "kleinen Sonnenschein" Enkeltochter Yella (4), die Opa Cord zwei, drei Mal in der Woche aus dem Kindergarten abholt und mit der er dann viel Zeit verbringt. "Außerdem kann ich mich stundenlang in skandinavische Krimis vergraben", berichtet Bauer über eine weitere Leidenschaft, das Lesen spannender Bücher. Schließlich ist der ehemalige Kicker ein Freund der Jazz-Musik. "Früher hätte ich gerne mal ein Instrument gespielt und aktiv Musik gemacht, doch dazu ist es dann nicht gekommen". Sportlich hält sich Cord Bauer mit Joggen fit.

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