Interview mit FN-Präsident : Breido Graf zu Rantzau: „Ich kann den Ruhestand gut verkraften“

Kandidiert nicht mehr als FN-Präsident: Breido Graf zu Rantzau
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Kandidiert nicht mehr als FN-Präsident: Breido Graf zu Rantzau

Der Breitenburger Schlossherr gibt sein Amt beim Verbandstag in Fulda auf.

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02. Juli 2021, 14:17 Uhr

Am kommenden Dienstag wird in Fulda ein neuer Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, kurz FN (Federation Equestre Nationale), gewählt. Amtsinhaber Breido Graf zu Rantzau wird sich nicht mehr zur Wahl stellen. Der Breitenburger ist seit 2001 Spitzenfunktionär der FN, zunächst vier Jahre als Vizepräsident mit Zuständigkeit für den Bereich Sport und seit 2005 als Präsident des Verbandes, der Interessenvertreter von mehr als 7000 Reit- und Fahrvereinen mit mehr als 680.000 Mitgliedern, sowie rund 80.000 Pferdezüchtern ist.

Zu den Aufgaben der FN gehören aber nicht nur die Förderung des Breiten- und Spitzensports sondern auch der Zucht, des Tierschutzes, der Landschaftspflege und des Umweltschutzes. Eine breite Palette also, für die der 71-Jährige 16 Jahre die Verantwortung trug. Sportredakteur Reiner Stöter sprach mit dem Breitenburger Schlossherrn über diese Zeit und mehr.

„Ich bin in einem Alter, in dem man nicht mehr unbedingt an der Spitze eines solchen Verbandes stehen muss. Es wird Zeit, dass ein frischer Wind weht.“ Breido Graf zu Rantzau, Noch-Präsident der FN
 

Eine Ära geht zu Ende. Seit 2005 sind Sie FN-Präsident. Beim bevorstehenden Verbandstag werden Sie sich nächste Woche nicht mehr zur Wiederwahl stellen. Seit wann ist diese Entscheidung gereift?

Nach so langer Zeit war es einfach notwendig, dass der Verband eine neue Leitung bekommt. Ich hatte schon vor fünf Jahren angekündigt, dass ich nach Ende dieser Amtsperiode nicht mehr zur Verfügung stehen werde und die Verantwortung in jüngere Hände übergeben möchte. Ich bin in einem Alter, in dem man nicht mehr unbedingt an der Spitze eines solchen Verbandes stehen muss. Es wird Zeit, dass ein frischer Wind weht.

War es schwer, einen Nachfolger zu finden?

So intensiv für einen Verband zu arbeiten, kostet viel Zeit. Das kann nicht jeder leisten und deshalb war die Suche nicht einfach. Ich hatte vor zwei Jahren mit Ursula von der Leyen zwar schon eine Nachfolgerin gefunden, doch die musste ihre Zusage wieder zurücknehmen, als sie nach Brüssel abgewandert ist. Ich habe mit vier anderen Persönlichkeiten gesprochen, die es gerne gemacht hätten, aber aus zeitlichen Gründen passen mussten. Es war schon so weit, dass ich überredet wurde, doch noch einmal zu kandidieren. Aber dann kam meine doch sehr ernste Krankheit dazwischen und da habe ich dann endgültig entschieden, dass nun Schluss ist. Wir hatten dann auch Glück, dass im vergangenen Herbst mit Hans-Joachim Erbel, der mit der Equitana in Essen die größte Pferdemesse der Welt geleitet hat, ein geeigneter Nachfolger frei wurde, der Lust hatte, den Job zu übernehmen. Darüber freue ich mich besonders.

„Ich war von Haus aus aktiver Reiter und habe mein erstes Turnier mit sieben Jahren und mein letztes mit 58 geritten.“ Breido Graf zu Rantzau, Noch-Präsident der FN
 

Man kann durchaus behaupten, dass Sie Ihr Leben dem Pferdesport verschrieben haben. Egal ob als aktiver Reiter, Züchter oder Funktionär: Sie waren immer in einer Spitzenposition. Fällt es da nicht schwer, in den Ruhestand zu wechseln?

Ich war von Haus aus aktiver Reiter und habe mein erstes Turnier mit sieben Jahren und mein letztes mit 58 geritten. Ich war also sehr lange diesem Sport verschrieben. Nicht immer in der Spitze, aber so einige Jahre zumindest in der zweiten Reihe. Das hat mir viel Spaß gemacht, auch wenn mal gute Pferde verkauft werden mussten. Als ich Mitte 30 war, wurde ich gebeten, Vorsitzender des Holsteiner Verbandes zu werden, wo ich schwierige Verhältnisse vorgefunden hatte. In 21 Jahren habe ich aber meines Erachtens etwas Gutes daraus gemacht. Seit Ende der 1980er Jahre war ich dann im Vorstand der Zucht für ganz Deutschland, wo ich die FN in Warendorf kennengelernt hatte. Als ich dort als Präsident vorgeschlagen wurde, meinte mein Vorgänger Dieter Graf von Landsberg-Velen: „Den können wir nicht nehmen, der macht zu unanständige Witze.“ Ein paar Jahre später hat er mich dann doch gefragt. Ich hatte immer sehr schnell eine vordere Position in den Verbänden, in denen ich gearbeitet habe. Das lag daran, dass ich mich immer deutlich geäußert und genau erklärt habe, wo der Hammer hängt. Es genügt aber nicht, nur laut zu werden. Man muss dann auch Verantwortung übernehmen, was ich gerne getan habe. Wenn ich jetzt in den Ruhestand wechsele, glaube ich, das gut verkraften zu können. Ich habe alles lange genug gemacht und merke mittlerweile, dass ich nicht mehr so scharf darauf bin, die entscheidende Rolle zu spielen.

Was waren in den 16 Jahren als oberster Reiter die besonderen Highlights für Sie?

Da ich schon seit 2001 verantwortlich für den Spitzen- und Breitensport in der FN war, rechne ich die Position als oberster Reiter sogar auf 20 Jahre hoch. Bezogen auf die Präsidentschaft gab es sicherlich eine Menge Highlights. Ganz besonders waren aber 2006 die Weltreiterspiele in Aachen mit über 300.000 Zuschauern. Das war schon außergewöhnlich - aber natürlich auch die ganzen Championate und Olympischen Spiele, die man mitgemacht hat. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt, positive wie auch negative. Aber diese Erfahrungen waren wichtig. Ich war immer gefordert und das hat mir Spaß gemacht. Aber auch die vielen Reisen zu den Jahrestagungen der FEI (Internationaler Reitsportverband) waren außergewöhnlich. Ob Japan, Taiwan oder Buenos Aires, dort wäre einer wie ich sonst nie hingekommen. Es war ein Erlebnis für mich, all dies sehen zu dürfen.

„Wir standen vor einer Zerreißprobe. Es gab nicht wenige, die uns absägen wollten. Wir haben die Situation aber sehr gut gelöst, indem wir die Steiner-Kommission eingerichtet haben, die für Klarheit gesorgt hat." Breido Graf zu Rantzau, Noch-Präsident der FN
 

Es gab aber nicht nur erfreuliche Dinge zu regeln. Ich denke da an einige Doping-Skandale, zum Beispiel bei der Olympiade 2008. Sie sind als Züchter und Reiter immer für das Tierwohl eingetreten und waren bei der Überarbeitung der internationalen Medikationsbestimmungen maßgeblich beteiligt. Wie schwer hat Sie damals die Nachricht der positiven Kontrolle von Christian Ahlmanns Pferd Cöster getroffen?

Das war nicht leicht. Der Druck war ziemlich groß und wir standen vor einer Zerreißprobe. Es gab nicht wenige, die uns absägen wollten. Wir haben die Situation aber sehr gut gelöst, indem wir die Steiner-Kommission eingerichtet haben, die für Klarheit gesorgt hat. Dadurch sind die sogenannten ADMR, allgemeine Doping- und Medikationsregeln, entstanden. Vermehrte Kontrollen auf Turnieren und Stallkontrollen bei den Kaderpferden haben dazu geführt, dass es seit zwölf Jahren keinen positiven Test mehr gab. Mich persönlich hat die Geschichte mit Christian Ahlmann im Nachhinein besonders bedrückt, weil er länger gesperrt war, als vier andere ausländische Reiter, die das gleiche getan hatten. Das hat das Vertrauen in uns Funktionäre schon sehr beschädigt. Ich habe lange Zeit gebraucht, um das mit den Reitern wieder in Ordnung zu bringen.

Auch bei der letzten Auflage der Breitenburger Reitertage ließ es sich Breido Graf zu Rantzau (2.v.l.) nicht nehmen, den Arbeitsdienst anzuleiten.
Michael Lemm

Auch bei der letzten Auflage der Breitenburger Reitertage ließ es sich Breido Graf zu Rantzau (2.v.l.) nicht nehmen, den Arbeitsdienst anzuleiten.

 

Natürlich haben Sie auch dem Reitsport in Steinburg viel gegeben. Nicht nur als langjähriger Vorsitzender des Kreisverbandes, sondern auch als Veranstalter. Seit Jahrzehnten sind die Breitenburger Reitertage Anziehungspunkt nicht nur für Reiter aus der Region, sondern auch für Spitzenreiter, nicht nur aus Deutschland. Was macht den Reiz dieses Turniers aus?

In diesem Zusammenhang möchte ich auch einmal meinen Vater Otto Graf zu Rantzau erwähnen, von dem ich auch den Vorsitz in Steinburg übernommen habe. Nach den ersten Turnieren, die nach dem Krieg noch auf dem Sportplatz am Sandberg stattfanden, ging es später auf den Abreiteplatz im Schlossgelände. Als dann meine Frau dazukam, sind wir in den ehemaligen Garten umgezogen, wo wir große Turniere veranstaltet haben. Das größte war mit 17 Nationen, unter anderem mit der amerikanischen Mannschaft, die hinterher zu den Olympischen Spielen fuhr. Damals kamen die Reiter hierher, obwohl die Preisgelder nicht besonders hoch waren. Auch die besten kamen zu einem schönen Turnier, wurden in allen Ecken des Hauses untergebracht. Wir hatten herrliche Abende zusammen und machten uns schöne Tage. Daran ist heute nicht mehr zu denken. Ich freue mich aber, dass trotzdem immer noch viele Reiter zu uns kommen, die in der nationalen Spitze mitreiten. Das liegt daran, dass auf dem Turnierplatz immer zu spüren ist, dass wir hier wirklich eine Gemeinschaft sind, die für das Turnier steht und dass hier alles mit viel Liebe gemacht wird. Den neuartigen Turnierzirkus werde ich auch nicht mitmachen, denn ich will für die Amateure und für die ländlichen Reiter genauso da sein, wie für die schleswig-holsteinische Spitze.

Haben Sie einen besonderen Wunsch für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass der Reitsport in dem Umfang erhalten bleibt, wie wir ihn kennen. Das ist nicht selbstverständlich, denn es gab auch durch die Corona-Pandemie erhebliche Einbußen bei Amateurreitern, die ihre Jahreslizenzen nicht lösen. Der Turniersport trägt unseren ganzen Verband. Deshalb ist es wichtig, dass wir ihn auf gutem Niveau erhalten.

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