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Handball : Abschied nach fünf Jahrzehnten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Als Spieler, Funktionär und Trainer durchlebt Lüder Meyn unzählige Spielzeiten beim MTV Herzhorn – aber nun soll Schluss sein.

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erstellt am 28.Mär.2016 | 12:00 Uhr

Eine Handball-Saison ohne Lüder Meyn? Beim MTV Herzhorn mochte man sich das lange kaum vorstellen, denn seit fast 50 Jahren ist der rührige Dorfverein seine sportliche Heimat – sowohl als aktiver Sportler wie auch als Trainer. Und doch steht fest: Mit Ende der Saison hört der fast 60-Jährige Itzehoer auf. „Er vollzieht das, was er schon länger vor hatte“, sagt Antje Harken, mit der er in den vergangenen sechs Jahren als Trainer zusammengearbeitet hat. „Kürzer treten, Pause machen und mal anderen den Vortritt lassen.“ Vor dem letzten Oberliga-Heimspiel seiner weiblichen Jugend B (30:22 gegen den Buxtehuder SV) am vergangenen Sonnabend überreichte MTV-Chef Sönke Reimers Blumen zum Abschied, am 9. April ist nach der Partie in Esingen dann endgültig Schluss.

Einmal Herzhorn, immer Herzhorn: Unter diesem einprägsamen Motto könnte die sportliche Laufbahn von Lüder Meyn stehen. Er wächst auf dem Bauernhof seiner Eltern in Gehlensiel auf, einem einige Kilometer außerhalb gelegenen Ortsteil von Herzhorn. Mit zehn Jahren beginnt er mit dem Handballspielen beim MTV. Weil seine Eltern wegen des Hofes nicht viel Zeit haben, um ihn zum Training zu bringen, helfen andere aus. Wie Hubert Meyer, der Vater seines damaligen Mitspielers Thomas Meyer, der ihn unter anderem auch zum Auswahltraining fährt. „Lüder hat sich später immer sehr auf die Trainingsarbeit im Jugendbereich fokussiert, da er selbst nur durch die Unterstützung seiner Trainer und anderer Bezugspersonen eine hervorragende Ausbildung zu seiner Jugendzeit erhalten hat“, berichtet Ehefrau Telse von Lüders sportlichen Anfängen. „Er wollte immer etwas zurückgeben und hat daher auch Trainerangebote von Leistungs-Teams aus dem Erwachsenenbereich wie Hochdonn oder Hennstedt-Ulzburg stets abgelehnt.“

Er entwickelt auch viel Eigeninitiative und Kreativität, um auf dem elterlichen Hof Trainings-Einheiten zu gestalten. So sind täglich 100 Würfe mit dem Handball gegen die Hauswand Grundlage für eine sehr gute Ballbeherrschung  .  .  .

Hat er keine Mitfahrgelegenheit, radelt er die sechs bis sieben Kilometer zum Training nach Herzhorn. Trotzdem versäumt er nur selten eine Einheit und wird schnell zur überragenden Figur. Zudem gilt er als besonders willensstark: „Er hatte schon ganz früh einen unglaublichen Ehrgeiz“, erinnert sich der spätere Mitspieler Klaus Lange, der auch als Trainer stets einen sehr prägenden Einfluss auf Lüder Meyn hatte. „Er agierte stets mit maximalem Engagement. Außerdem warf er in der Jugend wohl etwa 90 Prozent aller Tore seiner jeweiligen Teams.“ Was den Linkshänder in besonderer Weise auszeichnet, ist sein besonders kurzer Armzug, mit dem er zum Schrecken aller Torhüter wird. Zudem bringt er eine hohe Grundschnelligkeit mit und wirft besonders viele Tore im Tempogegenstoß. Als Klaus Lange und andere 1975 von diversen höherklassigen Klubs zum MTV Herzhorn zurückkehren, hat es der 19-jährige Lüder Meyn zunächst schwer, einen Platz in der ersten Sieben zu finden. Trotzdem arbeitet er weiter mit großem Ehrgeiz an sich und gehört zum Herzhorner Team, das 1977 bis ins DHB-Pokalhalbfinale vorstößt und 1978 den Aufstieg in die erste Liga schafft. Aus wirtschaftlicher Vernunft verzichtet der MTV jedoch auf den Start in der deutschen Eliteliga.

Als später die Älteren ihren Rücktritt erklären, gehört Lüder Meyn auf Anhieb und für viele weitere Jahre zu den tragenden Säulen im Team. 1984 schafft das Herzhorner Männerteam erneut den Aufstieg in die zweite Liga, doch das Bundesliga-Intermezzo dauert dann nur ein Jahr.

Zuvor lehnt Meyn nach reiflicher Überlegung ein Angebot des damaligen Europapokal-Teilnehmers Grün-Weiß Dankersen ebenso ab wie eine spätere Offerte des THW Kiel. 1989 beendet er seine aktive Laufbahn.

Doch ein sportlicher Ruhestand wird daraus nicht. Er macht seine B-Lizenz, bildet sich als Trainer weiter fort und arbeitet von 1992 bis 1995 mit der Landesauswahl. Als die eigenen Söhne Hendrik und Jonas ebenfalls zum Handball tendieren, steigt er beim MTV Itzehoe als Nachwuchs-Trainer ein – schließlich lebt die Familie ja schon seit einiger Zeit in der Kreisstadt und auch beruflich ist Lüder Meyn als Gerichtsvollzieher am Amtsgericht Itzehoe beschäftigt.

Doch die Verbindung zum MTV Herzhorn reißt nie ab: Dort übernimmt er dann die C- und B-Junioren. Zu seinen talentierten Schützlingen zählt in dieser Zeit auch ein gewisser Hendrik Pekeler. Den späteren Europameister hat er dann auch als Coach der Bezirksauswahl bis 2007 unter seinen Fittichen. Zwischenzeitlich engagiert er sich fünf Jahre lang zudem noch als zweiter Vorsitzender der Herzhorner Handball-Abteilung.

Dann führt ihn sein Weg zum Mädchen-Handball. „Eigentlich wollte er das nie machen“, sagt Antje Harken, die seit sechs Jahren mit Lüder Meyn sehr erfolgreich im Trainer-Gespann arbeitet. „Er hat mich bequatscht, weil ich aufhören wollte. Sein Angebot, mich zu unterstützen, habe ich dann doch gern angenommen.“

Eine gute Entscheidung, denn in den nächsten Jahren bauen Harken und Meyn aus Eigengewächsen von der D- bis zur B-Jugend eine Mannschaft auf, die früh zur Spitze auf Landesebene gehört und jeweils in den höchsten Spielklassen (SH-Liga und Oberliga) vordere Ränge belegt. Antje Harken: „Ich habe sehr viel von ihm gelernt: Er bereitet sich immer akribisch auf jedes Training und jedes Spiel vor.“ Mit Aimée von Pereira schafft sogar eine Spielerin aus diesem Team den Sprung in die Nationalmannschaft. „Natürlich war Lüder sehr stolz über ihren Erfolg. Aber es war ihm mindestens genau so wichtig, auch die anderen weiter voranzubringen“, berichtet Antje Harken.

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