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In 37 Ländern am Start : 260 Marathonläufe in den Beinen

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Brunsbütteler Jürgen Ranta hängt seine Laufschuhe für offizielle Wettbewerbe an den Nagel

Laufen und Reisen – fast drei Jahrzehnte hat Jürgen Ranta seine größten Hobbys intensiv ausgelebt. Genau 260 Marathon-Läufe stecken in seinen Beinen. 36 Länder von A wie Ägypten bis Z wie Zypern hat er für die Teilnahme an Sportevents bereist, Deutschland nicht mitgerechnet. Und trotzdem weist sein „Marathon-ABC“ noch kleine Lücken auf. „Es gibt leider keine Länder mit den Anfangsbuchstaben Q, X oder Y“, erzählt der laufbegeisterte Brunsbütteler, der am 3. Oktober seinen 75. Geburtstag feierte. Auch wenn Jürgen Ranta aus gesundheitlichen Gründen künftig nicht mehr bei offiziellen Wettbewerben an den Start gehen will, zum Trainieren schlüpft er weiterhin zwei Mal wöchentlich in seine Laufschuhe. „Das Herz hat sich im Laufe der Jahre vergrößert. Aufhören darf man nie.“

Urkunden zieren die Wände, glänzende Pokale stehen in den Regalen, unzählige Medaillen hängen an farbigen Bändern – das Gästezimmer im Haus von Jürgen Ranta und seiner Frau Margret steckt voller Erinnerungen an spannende und zum Teil auch skurrile Laufwettbewerbe in aller Welt. Dazu gehören der erste Auslandsmarathon auf Hawaii oder die Marathon-Wettbewerbe auf Kuba, im Libanon und Kasachstan ebenso wie der Untertage-Marathon bei 31 Grad Celsius und null Prozent Luftfeuchtigkeit im 700 Meter tief liegenden Brügman-Schacht des Erlebnisbergwerks „Glückauf“ im thüringischen Sondershausen.

Seine Leidenschaft für das Laufen hat der gebürtige Ostpreuße im Alter von 48 Jahren für sich entdeckt. Nicht ganz freiwillig. „Mein Arzt hat mir angesichts schlechter Blutwerte dazu geraten, mich körperlich zu betätigen“, sagt Jürgen Ranta, der als Schweißer auf Großbaustellen im In- und Ausland tätig war. „Er meinte, mit Schach spielen und Skat wird das wohl nichts werden.“ Die Zehn-Kilometer-Strecke wurde dem Brunsbütteler schnell zu eintönig. Und so steigerte Jürgen Ranta die Laufstrecke über den Halbmarathon zum Marathon über 42,195 Kilometer. Doch auch diese Distanz reichte nicht aus. „Mein Ehrgeiz für Läufe oberhalb der Marathon-Strecke war geweckt.“ Insgesamt vier Mal wagte sich der Extremsportler auf den 100-Kilometer-Parcours, nahm zwei Mal an 24-Stunden-Läufen teil – und überzeugte dabei mit einem zweiten Platz in seiner Altersklasse über 177 Kilometer und wurde Deutscher Vizemeister.

„Dabei sein ist alles“ – das olympische Motto hat Jürgen Ranta für sich nie gelten lassen. „Wenn ich bei einem Wettkampf an den Start gegangen bin, wollte ich auch gewinnen oder zumindest vorne mit dabei sein“, erklärt er. Das belegen auch seine Bestzeiten: Beim Halbmarathon in Neustadt kam er als 57-Jähriger in einer Zeit von 1 Stunde und 24 Minuten ins Ziel, für den Marathon in Hamburg brauchte er ein Jahr später 3 Stunden und 4 Minuten. Und die 100-Kilometer-Distanz im schweizerischen Biel lief er im Alter von 59 Jahren in 9 Stunden und 22 Minuten.

Auf seinen Reisen rund um den Globus hat Jürgen Ranta, der zumeist mit seinem Berliner Laufkollegen Edwin Göhing unterwegs war, viel erlebt. Beim Marathon in Kasachstan standen im Naturschutzgebiet plötzlich drei „zottelige Yaks“ auf der Straße. „Ich habe mich an der Seite vorbei geschlichen.“ Oder der Marathon 2004 im Libanon. Obwohl er angemeldet war, war sein Name auf der Wettkampfliste nicht zu finden. Mit der Startnummer 920 durfte er trotzdem teilnehmen – unter dem Namen Fadi Hbeiche. Ein Läufer, der offensichtlich abgesagt hatte. Oder die Aufregung in Dubai, als das gesamte Gepäck samt Laufschuhen und T-Shirts auf dem Flug abhanden gekommen war. „Wir haben uns von der Fluggesellschaft einen Scheck ausstellen lassen, um Laufkleidung zu kaufen. Und nächsten Tag sind wir wieder hin. Wir brauchten ja auch etwas Geld für Essen. Das war richtig klasse.“ Jürgen Ranta könnte viele solcher Geschichten erzählen.

Die Teilnahme an den Sportevents hat der Brunsbütteler in all den Jahren mit Urlaub verbunden. „Reisen zu planen, ist ein weiteres Hobby von mir“, erklärt der 75-Jährige. „Ein bisschen Abenteuer muss dabei sein.“ Seinen letzten 42,195-Kilometer-Lauf hat Jürgen Ranta im April 2014 bestritten – in Wales. Das W fehlte seinerzeit noch in seinem Marathon-ABC. „Nach mehreren Knieoperationen war das eine Strapaze“, blickt er zurück. Bei diesem Lauf fiel auch der Entschluss, sich langsam aus dem Wettkampfgeschehen zurückzuziehen. Zum Abschied über zehn Kilometer ging Jürgen Ranta im September noch einmal beim VfB-Südseitenlauf an den Start. Deutschland-Hut und Hawaii-Kette steuerten seine Trainingskollegen Hobe Hein, Eckhard Wolter, Sönke Böttger, Martin Nicola, Axel Suck, Jochen Wollesen und Gerd Stahnke dazu. Gemeinsam begleiten sie den Marathon-Mann vom Start ins Ziel. So ganz mag Jürgen Ranta aber immer noch nicht aufhören: „Ein paar ‚just-for-fun‘-Läufe werde ich sicher noch absolvieren.“

 

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erstellt am 22.Okt.2015 | 05:00 Uhr

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