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"Es geht nur noch übers Geld"

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Fußball: Aufgrund zu weniger Schiedsrichter im Verein muss der FC Fockbek die neue Saison nun mit drei Minuspunkten beginnen

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2013 | 04:59 Uhr

Fockbek | Zwei Mal schrammten die Fußballer des FC Fockbek knapp am Aufstieg in die Kreisliga Rendsburg-Eckernförde vorbei. In den beiden letzten Spielzeiten war es jeweils der undankbare vierte Tabellenplatz, der den lang ersehnten Traum verhinderte. In der anstehenden Saison soll der große Coup endlich gelingen, allerdings wird die Mission Aufstieg für Spielertrainer Özkan Altin und seine Mannschaft ungleich schwerer. Der FC nämlich ist einer von 13 Vereinen im Kreisgebiet, die zu wenige Schiedsrichter gemeldet haben. Während elf Clubs "nur" zur Kasse gebeten werden, beginnen die Fockbeker neben einer Strafzahlung von 750 Euro die Saison in der Kreisklasse A mit der Hypothek von drei Minuspunkten. Neben den Fockbekern gilt das auch für den A-Klassen-Neuling FSV Friedrichsholm.

Seit diesem Jahr hat der Schleswig-Holsteinische Fußballverband die Zügel angezogen und verdonnert die Vereine aufgrund mangelnder Schiedsrichter nicht nur zu Geldstrafen, sondern verhängt Punktabzüge. Drei sind es ab dieser Spielzeit. Über sechs und neun Zähler Abzug kann der Schiri-Mangel bis hin zu der Streichung der am niedrigsten spielenden Mannschaft führen. "Das ist natürlich bitter für uns und unsere Liga-Mannschaft", sagt Fockbeks Fußball-Obmann Steffen Sievers. Zwar hat er sich auch in den letzten Wochen noch einmal intensiv um einen weiteren Schiedsrichter bemüht, der zumindest den Punktabzug verhindert hätte, aber nach einem Gespräch mit dem 1. Vorsitzenden des Kreisfußballverbandes Rendsburg-Eckernförde, Robert Lohmann, muss Sievers nun konstatieren: "Das letzte Wort ist gesprochen. Wir starten mit drei Minuspunkten."

Bei landesweit bis zu 100 Vereinen, denen dasselbe Schicksal droht, liest sich die Bilanz für den Kreis Rendsburg-Eckernförde mit nur zwei Betroffenen zwar noch recht ordentlich, aber für den FC Fockbek macht diese Statistik die Aussicht auch nicht besser. Dabei ist es beileibe nicht so, dass die Funktionsträger im Club sehenden Auges in ihr Schicksal gelaufen wären. "Ich habe mir die Finger wund telefoniert und auch mit Geld gelockt, aber das machen inzwischen alle Vereine", beschreibt Sievers die Situation auf dem Transfermarkt für Unparteiische. "Es geht nur noch übers Geld", so der Obmann weiter. Dabei schwingt allerdings auch ein wenig Selbstkritik mit. "Wir müssen unsere Schiedsrichter-Betreuung im Verein verbessern. Das ist nicht optimal", sagt Sievers. Ob eine Bestrafung in dieser Form angemessen ist, bezweifelt er allerdings. "Da müssen andere Lösungen gefunden werden. Ich würde mir beispielsweise wünschen, dass man den Punktabzug, wenn er denn sein muss, bei der Mannschaft vollzieht, die in der tiefsten Klasse spielt." Zudem fordert er mehr Sensibilität beim Umgang mit Jungschiedsrichtern. "Wir hatten im letzten Jahr zwei Nachwuchsschiris. Aber der eine musste dann in seiner ersten Partie das B-Jugend-Derby zwischen Rotenhof und Büdelsdorf leiten. Da ging es hitzig zu, und das Spiel war alles andere als einfach zu pfeifen. Der Junge war anschließend den Tränen nahe und hat dann sofort wieder aufgehört."

Bis zum 31. Dezember dieses Jahres haben Sievers und der FC Fockbek nun Zeit, um die geforderten sieben Referees zu melden. Aktuell verfügt der Club über drei aktive Schiedsrichter. Ansonsten drohen eine weitere Geldstrafe und satte sechs Punkte Abzug für die Saison 2014/15.

Mit solchen Problemen hat man beim Osterrönfelder TSV (noch) nicht zu kämpfen. Im Gegenteil, der Verein stellt mehr Schiedsrichter als er müsste. "Wir haben einfach Glück gehabt, dass wir im letzten Jahr gleich vier junge Leute gefunden haben, die Lust haben zu pfeifen. Zwei davon waren sogar Mädchen." Das sei auch ein großer Verdienst von Schiedsrichterobmann Fiete Wichmann. "Er kümmert sich sehr um den Schiedsrichter-Nachwuchs. So ist er eigens aus Kiel angereist, um vor der Prüfung mit den Vieren zu üben." Überhaupt sind sie beim OTSV bemüht um den "23. Mann". So werden die Unparteiischen komplett eingekleidet, zudem lädt der Verein alle zu Jahresbeginn zu einem gemeinsamen Essen ein, "um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken", so Weihmann. Doch auch Weihmann befürchtet, dass solche Maßnahmen auf Dauer nicht reichen könnten, um die im Verein ausgebildeten Schiedsrichter zu halten. "Das Geld wird eine immer entscheidendere Rolle spielen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann Vereine Schiedsrichter von anderen Vereinen abwerben."

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