Basketball in Rendsburg : Doppelt hält besser

Mit einer Arm-Spannweite von 2,11 Metern ist Christopher Geist prädestiniert für Basketball. Foto: Stegemann
Mit einer Arm-Spannweite von 2,11 Metern ist Christopher Geist prädestiniert für Basketball. Foto: Stegemann

Christopher Geist gehört zu den hoffnungsvollen Nachwuchstalenten des Rendsburger Basketballs. Für seinen großen Traum vom Profi macht er alles und spielt sogar bei verschiedenen Vereinen in gleich zwei Mannschaften.

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28. März 2013, 12:49 Uhr

Rendsburg | Ein hauseigenes Problem ist er mittlerweile los. Der 2,08 m große Christopher Geist (18) muss in seinen eigenen vier Wänden den Kopf nicht mehr einziehen. Als seine Eltern vor nicht allzu langer Zeit ein neues Haus bauten, ließen sie 2,11m hohe Türen einsetzen.

Was sich im alltäglichen Leben bisweilen als Nachteil erweist, kommt ihm auf dem Basketball-Parkett zu Gute. Mit seiner Körpergröße und einer Arm-Spannweite von 2,11 m ist er prädestiniert für den Sport, der in Deutschland und insbesondere in Rendsburg auf dem Vormarsch ist.

Seit 2006 steht in erster Linie die Trainerin, Team-Mangagerin und 1. Vorsitzende Antje Mevius an vorderster Front und hat den BBC Rendsburg zu dem Topverein in der Stadt am Nord-Ostsee-Kanal entwickelt (siehe Infokasten rechts). Ohne Frage ist der Herrenmannschaft, die spätestens 2014 in der 1. Regionalliga aufsteigen will, das Aushängeschild. Parallel dazu aber war und ist ihr die Förderung des Nachwuchses ebenso wichtig. Die U16-Auswahl spielt bereits in der Jugend-Bundesliga. Aktuell arbeitet Mevius mit dem U19-Team des BBC daran, so schnell wie möglich in die Bundesliga (NBBL) aufzusteigen.

Dieser Talentschmiede entspringt auch der gerade 18 Jahre alt gewordene Christopher Geist. Schon im U16-Bundesliga-Team gehörte er neben Spielern wie Björn Rohwer oder Christian Rinner zu denjenigen, die aktuell auch in der 2. Regionalliga nicht nur die Ersatzbank warm halten, sondern bereits zu tragenden Säulen des Kaders gehören. Für Geist aber soll diese Spielklasse nicht das Ende der Fahnenstange sein. Seit vergangenem Sommer läuft er nicht nur für seinen Stammverein auf, sondern spielt mit einem Zweitspielrecht in der U19-Bundesliga für die Piraten Hamburg. Was zunächst außergewöhnlich klingt, relativiert Geist selbst: "In Hamburg spielen eigentlich alle zusätzlich noch in einer Herrenmannschaft." Ein Exot also ist er nicht. Bemerkenswert hingegen ist, dass der BBC den Center dabei finanziell unterstützt, dass er auch noch für einen anderen Verein aufläuft. Einen Teil der Fahrtkosten übernimmt der Rendsburger Club. Im Sommer gab es deswegen eigens ein Testspiel zwischen den Twisters und den Piraten, dessen Einnahmen Geist zu Gute kamen. "Wir haben den Fokus schon immer auf die Entwicklung unserer Talente gelegt. Und das wird auch so bleiben", sagt Bjarne Homfeldt, der Geist schon als Jugendtrainer unter seine Fittiche genommen hat und seine Entwicklung noch lange nicht am Ende sieht. "Er kann sich noch in vielen Bereichen verbessern. Das Potenzial, um noch die eine oder andere Spielklasse höher mitzuhalten, ist da", findet er. Mindestens in die 1. Regionalliga soll es gehen, "aber es ist durchaus mein Ziel, in den Profibereich zu kommen. Ob das nun für die zweite oder sogar erste Bundesliga reicht, wird man sehen", sagt ein sympathisch bodenständig wirkender 18-Jähriger.

Bei einer Körpergröße von über zwei Metern könnte man meinen, der Weg zum Basketball sei vorgezeichnet gewesen, aber erst im Alter von zwölf Jahren entdeckte er seine Begeisterung für diesen Sport. "Zuerst habe ich Fußball gespielt, aber es hat sich dann herausgestellt, dass ich zu langsam bin", erinnert er sich mit einem Schmunzeln zurück. Dafür widmet er sich seinem Hobby nun umso intensiver. Seitdem er in Hamburg spielt, steht er jeden Tag in der Halle. Am Montag, Mittwoch und Freitag trainiert er mit den Twisters, Dienstags und Donnerstags steht er in Hamburg auf dem Trainingsplatz. Am Wochenende stehen dann zwei Spiele auf dem Plan. Bei diesem Programm stellt sich die Frage, ob er nebenbei zur Schule geht oder neben der Schule Basketball spielt. Geist besucht derzeit die zwölfte Klasse des Helene-Lange-Gymnasiums und scheint den Stress relativ locker wegzustecken. "Na klar, fällt man ab und zu abends ziemlich müde ins Bett, aber mittlerweile habe ich mich an diesen Rhythmus gewöhnt", sagt er. Seine Eltern stehen ihm dabei tatkräftig zur Seite. "Sie unterstützen mich, wo sie nur können und holen mich zum Beispiel spät abends vom Bahnhof ab, wenn ich aus Hamburg komme." Zu Fuß wäre der Weg ins heimische Jevenstedt auch kaum zu machen. Die Unterschiede zwischen Jugend- und Herrenbasketball empfindet Geist als sinnvolle Hilfestellung für seinen sportlichen Werdegang. "Bei den Junioren wird technisch anspruchsvoller gespielt. In der Regionalliga geht es dafür körperbetonter zur Sache", erklärt er. Insofern ist diese Konstellation eine perfekte Symbiose, um sich in diesen beiden entscheidenden sportlichen Bereichen weiter zu verbessern.

Der Sprung in eine nationale Auswahlmannschaft blieb dem "Rendsburger Riesen" bisher noch verwehrt. "Im letzten Oktober habe ich mich auf dem Lehrgang in der ersten Trainingseinheit verletzt und konnte so leider nicht zeigen, was ich kann", trauert er dieser Gelegenheit nach. Aber Geist übt sich in Geduld: "In einem oder zwei Jahren wird es wieder eine Sichtung geben. Dann für die U20 und wenn ich dabei bin, werde ich mein Glück halt dort versuchen."

Wohin der Weg von Christopher Geist in der neuen Saison führen wird, ist noch nicht klar. Angebote für einen Wechsel in ein Basketball-Internat liegen ihm vor - und zwar aus ganz Deutschland. "Manchmal wundere ich mich selber, wie zum Beispiel Scouts aus Ulm auf mich aufmerksam werden", sagt er. Dass es zu Beginn des neuen Schuljahres aber in diese Richtung gehen wird, ist wahrscheinlich. "Er will diesen Weg gehen und nach sechs Jahren in einem Verein ist es vielleicht auch ganz gut, wenn er mal raus kommt und andere Trainer und neue Abläufe kennenlernt", fügt Bjarne Homfeldt an.

Und ein Problem mit der Türhöhe dürfte es, egal wohin es ihn verschlägt, wohl auch nicht geben. Auf einem Internat für Basketballer wissen sie um die Bedürfnisse großer Menschen.

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