Handball-Bundesliga : Storm soll Schwachstellen beim THW Kiel schließen

Manager Thorsten Storm unterschreibt beim Handball-Rekordmeister THW Kiel einen Fünf-Jahres-Vertrag. Spieler und Trainer freuen sich auf den heimatverbundenen Lecker.

shz.de von
06. Juni 2014, 07:45 Uhr

Kiel | Es gab Zeiten, in denen Thorsten Storm, der Manager der Rhein-Neckar Löwen, sich nicht auf die Tribüne der Kieler Sparkassenarena wagte. So im März 2009, als die Löwen zum Halbfinale in der Champions-League an die Förde reisten. Damals erhitzte der Manipulationsskandal die Gemüter der Kieler Fans; sie beschuldigten Storm, die Vorwürfe gegen den damaligen THW-Manager Uwe Schwenker lanciert zu haben. Heute ist der 49-Jährige, zumindest beim Club, wieder willkommen: Er soll von 2015 bis 2020 die Geschäfte des Handball-Rekordmeisters führen. „Es war klar, dass meine Familie und ich irgendwann in den Norden zurückkehren werden“, sagt Storm. „Nun wird es bald soweit sein.“ Wahrscheinlich noch im Juni. Storm befindet sich bereits in Gesprächen mit den „Löwen“ um eine vorzeitige Auflösung des bis 2015 laufenden Vertrages.

Mit der Verpflichtung Storms ist der Clubführung um Aufsichtsratschef Klaus-Hinrich Vater ein Coup gelungen. „Thorsten Storm gehört seit Jahren zu den Top-Managern der Bundesliga, mit ihm hat der THW einen absoluten Hochkaräter an Land gezogen, der die Position des Geschäftsführers optimal ausfüllen wird“, sagt Vater. Mit Uli Derad, Stefan Adam und Klaus Elwardt haben sich bisher drei Nachfolger am schweren Erbe Schwenkers, der 2009 bei der neuen Clubführung in Ungnade gefallen war, versucht. Nun soll mit dem vielleicht renommiertesten Manager der Liga beim THW endlich Ruhe einkehren.

Die Nachricht ist einerseits eine Sensation. Andererseits ist der Moment wie geschaffen für diese Verpflichtung. Storm hat den Löwen just einen spektakulären Vertrag mit dem Sportvermarkter IMG verschafft, der den Badenern bis 2024 (!) gut sechs Millionen Euro jährlich garantiert; in Mannheim ist das Feld also bestellt. Und Storm gilt als sehr heimatverbunden. „Ich war immer ein Kind des Nordens“, sagt er, der im nordfriesischen Leck aufgewachsen ist und die Insel Sylt liebt. Seine Frau stammt ebenfalls aus der Nähe Kiels.

Storm ist die ideale Figur, um die Schwachstellen beim THW Kiel zu schließen. Er ist ein begnadeter Verkäufer, überall wird sein Talent im Umgang mit Sponsoren gerühmt. In diesem Bereich hat der THW großen Bedarf, da beim langjährigen Hauptsponsor Provinzial das Engagement im Handball umstritten ist. Und auch handballpolitisch ist Storm exzellent vernetzt, und zwar in ganz Europa – auch hier hatte der THW nach der Demission Schwenkers 2009 ein großes Defizit. Ein weiterer Vorzug Storms ist, dass er das Spiel mit den Medien beherrscht wie kein Zweiter. Ein unschätzbarer Vorteil für den THW ist zudem, dass er ein guter Kenner der Kieler Verhältnisse ist. Storm hatte als Profi vier Jahre bei der SG Weiche-Handewitt gespielt, dann ein Jahr beim THW. Und danach hatte er, gewissermaßen als Lehrling Schwenkers, beim THW das Managergeschäft von der Pike auf gelernt. Storm initiierte, nur ein Beispiel, 1998 das Zebra-Maskottchen „Hein Daddel“, bevor er 2002 nach Flensburg wechselte und dort 2004 Meister wurde. Da viele Sponsoren und Gesellschafter sich seit Jahrzehnten beim THW engagieren, muss Storm nicht eingearbeitet werden.

Sein Meisterstück hat Storm in den vergangenen zwei Jahren bei den Löwen gemacht, als er den Club nach dem Ausstieg des Mäzens Jesper Nielsen vor der Insolvenz rettete. Die Löwen, lange Zeit verhasst als Plastikclub, sind heute so beliebt wie nie; das knappe Scheitern der Mannschaft in der Meisterschaft gegen den THW wurde von vielen bedauert. Die Leistung Storms in Mannheim jedenfalls wird überall anerkannt. „Er wird dem THW guttun. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit“, sagt THW-Coach Alfred Gislason. Kapitän Filip Jicha sagt: „Thorsten Storm ist einer der erfahrensten Manager im Handball, er wird hervorragend zu uns passen.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen