Verbandstag des KSV Nordfriesland : Der Sport besetzt viele Themen

 KSV-Chef Matthias Hansen (M.) mit dem scheidenden Schatzmeister Sven Jensen (l.) und Nachfolger Hartmut Weber.
KSV-Chef Matthias Hansen (M.) mit dem scheidenden Schatzmeister Sven Jensen (l.) und Nachfolger Hartmut Weber.

Der Kreissportverband wählt einen neuen Schatzmeister und bekennt sich zu seiner gesellschaftlicher Verantwortung.

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18. März 2019, 18:15 Uhr

Der Kreissportverband (KSV) Nordfriesland tagte außerhalb des üblichen Turnus von zwei Jahren. Schatzmeister Sven Jensen, der erst 2018 bestätigt worden war, hatte seinen Rückzug aus beruflichen Gründen angekündigt. Für die Neuwahl schreibt die Satzung einen außerordentlichen Verbandstag vor, der nun in Hattstedt abgehalten wurde.

Für die Nachfolge hat sich eine außergewöhnliche Persönlichkeit gefunden. Hartmut Weber wurde von Vorstand und Delegierten einstimmig zum KSV-Schatzmeister gewählt. Der 58-Jährige bringt als Diplom-Verwaltungswirt nicht nur die Kompetenz für das Amt mit, er blickt auch auf eine besondere sportliche Karriere zurück. Weber war als 400-Meter-Läufer Vize-Weltmeister, Europameister und deutscher Titelträger.

Anregungen, Informationen, Lob

Über diese Personalie hinaus gab es Anlass genug, die Vertreter der rund 53.000 Mitglieder in 201 KSV-Vereinen auch in diesem Jahr zu versammeln. Die Besucher nahmen Anregungen, Informationen und Lob aus Hattstedt mit. Kreispräsident Heinz Maurus drückte in seinem Grußwort die Wertschätzung der Politik für die ehrenamtliche Arbeit aus. „Wir dürfen es als Gesellschaft nicht als selbstverständlich ansehen, dass sich Menschen in ihrer Freizeit als Übungsleiter, Trainer und Sportler im Wettkampf engagieren oder als Funktionäre, die sich um Organisation und Gestaltung kümmern“, sagte Maurus und spannte einen Bogen zur Politik. Auch die Demokratie werde leicht als selbstverständlich genommen, dabei müsse sie gerade in diesen Zeiten verteidigt werden. Der Kreispräsident richtete den Appell an die Versammelten, im Mai zur Europawahl zu gehen und für die Teilnahme zu werben.

Das passt zum Selbstverständnis des KSV, der sich für weit mehr als für die Sport-Organisation verantwortlich fühlt. So verwies der KSV-Vorsitzende Matthias Hansen in seinem Jahresbericht auf das neue Leitbild des Verbandes. „Es ist für den Vorstand Strategie und Arbeitsprogramm zugleich“, sagte Hansen über das Leitbild, in dem sich der KSV zur Verantwortung für Naturschutz, Bildung, Gesundheitsförderung, Integration, Inklusion und Fairplay bekennt.

Doris Birkenbach als Vertreterin des Landessportverbandes würdigte Matthias Hansen als wichtige Stimme in LSV-Gremien und betonte die Bedeutung des Sports, „ohne den die Gesellschaft nicht so funktionieren würde, wie wir es kennen“. Man besetze inzwischen Themenfelder wie die im KSV-Leitbild genannten, die weit über die ursprüngliche Rolle der Sportorganisationen hinausgingen.

Klare Meinung: Keine Förderung für E-Sport

Die „Bildung im und durch Sport“ nannte Hansen ein zentrales Thema für den KSV. Gemeinsam mit der JUSPO-Stiftung seien wieder Vereine, die sich in der Qualifizierungsarbeit besonders hervorgetan haben, ausgezeichnet und finanziell gefördert worden.

Hansen bestärkte überdies die bei der Sportlerehrung vor zwei Wochen formulierte Position des KSV zum E-Sport. „Computerspiele, in denen es um zerstören, erobern und töten geht, haben nichts mit Sport zu tun“, sagte Hansen und nannte Suchtgefahr, Gewaltverherrlichung, Mangel an Bewegung und sozialen Kontakten als gefährliche Begleiterscheinungen des Gamings.

Die Förderung des E-Sports habe der KSV in einer Stellungnahme für den Innen- und Rechtsausschuss des Landtags strikt abgelehnt. „Was Sport ist, entscheidet der organisierte Sport, nicht die Politik“, sagte Hansen.

Zehn Millionen Euro für Inklusion und Barrierefreiheit

Markus Küßner aus der Staatskanzlei des Ministerpräsidenten stellte den Fonds für Barrierefreiheit vor. Gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention sei das Land verpflichtet, die Inklusion von Menschen mit Behinderung durchzusetzen. Dazu stellt der Fonds bis 2022 zehn Millionen Euro bereit. Gefördert werden Projekte, die dingliche Barrieren abbauen und Maßnahmen, die das Bewusstsein für Inklusion schärfen. „Es geht darum, die herkömmlichen Menschenrechte aus der Perspektive von Menschen mit Behinderung zu sehen“, sagte Küßner. Ohne Zugang zu einem Angebot sei keine Teilhabe möglich. Förderungswürdig seien beispielsweise bauliche Maßnahmen, die den Zugang zu Sportstätten durch breitere Türen, Rampen, Fahrstühle ermöglichen.

Aber auch für die Qualifizierung von Übungsleitern für den Umgang mit behinderten Sportlern können Mittel aus dem Fonds beantragt werden. Je nach Art des Projektes liegen die Höchstsummen zwischen 50.000 und 500.000 Euro. Informationen finden sich auf der Webseite der Staatskanzlei oder können per Mail von der zuständigen Stabstelle unter BRK@stk.landsh.de angefordert werden.

Ehrungen waren beim außerordentlichen Verbandstag eigentlich nicht vorgesehen. Am Ende wurden aber doch zwei KSV-Nadeln in Gold verliehen. Die eine steckte Matthias Hansen dem scheidenden Schatzmeister Sven Jensen ans Revers. Mit der anderen wurde der Vorsitzende selbst überrascht, verliehen von seinem Stellvertreter Dirk Weimar.

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