Tennis-Profi im Interview : „Zu Hause kann ich abschalten“

Große Gegner: Hier setzt Mona Barthel beim Erstrunden-Duell in Tokio mit Venus Williams zur Rückhand an.
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Große Gegner: Hier setzt Mona Barthel beim Erstrunden-Duell in Tokio mit Venus Williams zur Rückhand an.

Neumünster Tennis-Profi Mona Barthel blickt im Courier-Interview zurück auf eine Saison mit Höhen und Tiefen, die auf Weltranglisten-Position 34 endete.

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27. November 2013, 15:30 Uhr

Es ist die Ruhe nach einer langen Saison und die Vorbereitungsphase, bevor es Ende des Jahres schon wieder losgeht mit dem großen Tenniszirkus: Tennis-Profi Mona Barthel ist zu Hause in ihrer Heimatstadt Neumünster und kann endlich einmal durchatmen. Allerdings ist es etwas ruhiger, als ihr lieb sein kann. Nach einer Schulterverletzung im Training muss die 23-Jährige im Moment auf Tennis verzichten. „Ich arbeite aber an meiner Fitness und Schnelligkeit“, sagt Barthel und wirkt enttäuscht, dass sie aktuell pausieren muss. Der Courier nutzte die Auszeit und sprach mit Mona Barthel über die zurückliegende Saison, über ihr Tennis, ihre Pläne und ihre neuen Ziele.

Frau Barthel, wie bewerten Sie die abgelaufene Saison?

Im Großen und Ganzen positiv. Vor allem der Start in die Saison war mit dem Halbfinale in Auckland, dem Finale in Hobart und dem Sieg beim Premier-Turnier in Paris sehr, sehr gut. Ich habe vier Monate lang konstant auf sehr gutem Niveau gespielt und viele Siege gegen Top 10- und Top 20-Spielerinnen gehabt. Danach war es allerdings ein Auf und Ab, ähnlich wie im vorigen Jahr. Man muss auch sagen, dass die Damen in den Top 100 alle gutes Tennis spielen. Oft ist es dann auch nur die Tagesform, die den Unterschied ausmacht.

Nach den US Open sind Sie in Tokio, Peking, Linz und zuletzt im Oktober in Luxemburg jeweils in der ersten Runde ausgeschieden. Warum?

Mein Spiel hat sich weiterentwickelt, auch wenn diese Ergebnisse es nicht unbedingt gezeigt haben. Natürlich habe ich das ein oder andere Match nicht gut gespielt. Aber manchmal ist es auch ein bisschen Pech beim Spiel oder bei der Auslosung – so wie in Tokio in Runde eins gegen Venus Williams. Ich finde, das letzte Match in Luxemburg habe ich sehr gut gespielt und unglücklich verloren (6:1, 4:6, 6:7 gegen Stefanie Voegele, Anm. d. Red.). Ich denke aber, dass es über eine so lange Saison normal ist, hin und wieder auch nicht ganz so fit zu sein.

Genau deshalb war es doch aber Ihr Plan, weniger Turniere zu spielen als im vorigen Jahr. Am Ende waren es jedoch fast genauso viele.

Ich habe anders als noch 2012 nicht mehr Bundesliga gespielt. Die Zeit, die ich in Europa bin, wollte ich lieber nutzen, um nochmal zu Hause zu sein und zu trainieren. Aber es kommt natürlich darauf an, wie viele Matches man zu bestreiten hat. Nach den ersten vier Wochen hatte ich ja auch Turniere, bei denen ich in der ersten Runde ausgeschieden bin und daher Pausen hatte. Ich habe gemerkt, wie viel wichtiger Pausen und Trainingseinheiten zu Hause sind, als immer nur auf Turnieren zu sein. Diese Phasen genau einzubauen, ist auch der Plan für das nächste Jahr.

Sie haben aber auch mehr Doppel als im vergangenen Jahr gespielt. Wie kam es dazu?

Ich wollte immer gerne Doppel spielen. Das macht mir sehr großen Spaß. Dadurch, dass ich im Einzel-Ranking so schnell nach oben gerückt bin, ist das aber ein wenig zu kurz gekommen und mein Doppel-Ranking wurde automatisch schlechter. Dieses Jahr habe ich nach dem Sieg mit Sabine Lisicki in Stuttgart ein viel besseres Doppel-Ranking bekommen und konnte dann ein paar mehr Turniere im Doppel spielen, die meistens sehr stark besetzt sind. Das Doppel ist auch immer ein gutes Training für das Einzel, für den Aufschlag und für die Volleys.

Warum haben Sie, nachdem Sie die Teilnahme am Fed-Cup abgelehnt hatten, dann doch im April zugesagt?

Für mich war es immer ein Traum, für mein Land zu spielen. Ich denke, meine Absage im Februar wurde schon oft genug thematisiert. Ich war einfach froh, noch einmal die Chance zu bekommen und dann auch zwei Mal eingesetzt zu werden. Das entscheidende Einzel (beim 3:2 gegen Serbien glich Barthel gegen Bojana Jovanovski zum 2:2 aus, Anm. d. Red.) war ein ganz besonderes Erlebnis. Vor heimischem Publikum in Stuttgart für das ganze Team verantwortlich zu sein – das war noch einmal eine ganz andere Anspannung. Der Sieg hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben.

Sind Sie enttäuscht, dass Sie sich nicht in den Top 30 gehalten haben?

Mit Position 34 kann ich ziemlich zufrieden sein. Wenn man die ersten vier Monate betrachtet, dann hätte es am Ende zwar besser sein können. Aber ich bin auf keinen Fall enttäuscht, zumal sich das Ranking ja jede Woche verändert.

Bereits am 23. Dezember geht es schon wieder für Sie in Richtung Australien. Welche Rolle spielt Ihr Heimatort Neumünster für Sie bei den Pausen zwischendurch?

Die Pausen sind nicht nur für die körperliche Regeneration wichtig, sondern auch für den Kopf. Zu Hause kann ich abschalten und auf andere Gedanken kommen. Die Atmosphäre mit meiner Familie und meinen Freunden zwischendurch ist mir sehr wichtig. Danach bin ich immer viel frischer und entspannter.

Wie lautet Ihre Zielsetzung für die kommende Saison?

Ich habe Anfang des Jahres natürlich viele Punkte zu verteidigen. Aber ich bin ziemlich entspannt. Ich arbeite daran, meine Leistung konstanter zu bringen. Wenn ich ein Jahr lang mit der Leistung der ersten vier Monate durchspielen kann, dann wäre das unglaublich. Aber ich habe auch zuletzt gutes Tennis gespielt und mich auf dem Platz sehr gut gefühlt. Ich weiß: Wenn ich so weitermache, dann kommen früher oder später auch die entsprechenden Ergebnisse. Ich sehe das so: Ich habe jede Woche eine neue Chance.

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