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Fussball : VfR ringt HSV „ein gefühltes 2:2“ ab

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Neumünsters Regionalligist vergibt beim 0:3 vor 3527 Zuschauern gegen den Bundesligisten aus Hamburg beste Gelegenheiten.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2014 | 17:00 Uhr

Ein Tor, wenigstens ein einziges Tor. Das war es, was dem Regionalligisten VfR Neumünster gestern Abend fehlte, um einem Fußballfest das i-Tüpfelchen zu verleihen. Denn Rasensport hielt im Freundschaftsspiel gegen den Bundesliga-Dino Hamburger SV 90 Minuten lang prächtig mit und verkaufte sich beim 0:3 (0:1) mehr als achtbar.

Vor der tollen Kulisse von 3527 Zuschauern – die VfR-Erwartungen wurden damit leicht getoppt – kannte Rasensport keinen Respekt und kam gleich zu zwei sehr guten Chancen: Erst scheiterte Youngster Deniz Grothe per Kopf an Gästekeeper Jaroslav Drobny, ehe der aus der A-Jugend aufgerückte Youngster die Kugel in aussichtsreicher Position nach einem Zekjiri-Zuspiel nicht voll traf und Drobny sie somit aufsammeln konnte (23.). Für die Hamburger Führung kurz darauf musste ein Geschenk herhalten. Der erstmals eingesetzte VfR-Neuzugang Ljubisa Gavric, der ansonsten in der Innenverteidigung einen soliden Eindruck hinterließ, leistete sich ein völlig unnötiges Foul an HSV-Kapitän Marcell Jansen. Den fälligen Strafstoß verwandelte Pierre-Michel Lasogga zum 0:1 (24.). Nur 120 Sekunden darauf hätte der Bundesligist beinahe nachgelegt, doch erst scheiterte Zoltan Stieber und dann der zum Abstauber heranstürmende Lasogga am zwei Mal glänzend reagierenden VfR-Torhüter Ole Springer. Auf der Gegenseite rückte abermals Drobny in den Blickpunkt, als er einen strammen Schuss von Ermir Zekjiri ins Feld zurückboxte (27.). Der HSV, bei dem erstmals der von Tottenham Hotspur geholte Lewis Holtby sowie der von Corinthians Sao Paulo aus Brasilien transferierte Cléber mitwirkten, ließ bis zur Pause viele Wünsche offen. „Erste Liga – keiner weiß, warum“, skandierten dann auch kurz vor der Pause die ersten Rasensport-Fans. Überhaupt gehörte der Applaus in den ersten 45 Minuten beinahe allein den mutigen Hausherren. Holtby indes war sehr engagiert und viel unterwegs, fand aber nur selten Abnehmer für seine Ideen. Cléber wiederum hatte so manch vogelwilde Aktion drauf, die er sich in der Meisterschaft kaum erlauben dürfte.

Der HSV hatte das Pech, bereits in Halbzeit eins zwei Akteure verletzungsbedingt zu verlieren. Jeweils nach mehr oder weniger sauberen Zweikämpfen mit Bodo Bönigk schieden Tolcay Cigerci (Platzwunde/38.) und Lasogga (Schlag auf das Sprunggelenk/43.) aus. „Halb so wild“, gab Gästecoach Mirko Slomka Entwarnung.

Nach dem Wiederanpfiff ging es pari weiter. Dies lag auch daran, dass VfR-Trainer Uwe Erkenbrecher den richtigen Mix gewählt hatte. Anstatt in der ersten Hälfte die vermeintliche Bestbesetzung aufzubieten, schickte er zwei gleichwertige Teams ins Rennen. Einzig Debütant Gavric durfte durchspielen. Und so bot sich Lila-Weiß nur wenige Sekunden nach dem Wechsel eine weitere XXL-Chance. Doch auf Bento-Vorlage traf Kevin Ingreso den Ball nicht richtig, sodass Drobny erneut mühelos parierte. Als der Tscheche zwischen den Pfosten einmal geschlagen war, tauchte plötzlich Cléber auf und schlug den Ball nach einem Bento-Schuss mit wirklich allerletztem Einsatz ins Feld zurück. Während einige Zuschauer das Leder hinter der Linie gesehen hatten, zeigte Schiedsrichterassistent Tom-Lennart Maschmann unmissverständlich „weiterspielen“ an (54.). Während Christopher Kramer auch den letzten „Riesen“ für die Einheimischen versiebte (74./Fußabwehr Drobny), schlug der in der Offensive längst griffiger wirkende HSV noch zwei Mal zu: Nach einem Ballverlust von Idris Alioua 20 Meter vor dem Gästetor schickte Holtby seinen Kapitän Jansen auf die Reise. Staubtrocken vollendete der Ex-Gladbacher diesen herrlichen Konter mit dem 0:2 (62.). Nachwuchsmann Philipp Müller, einer von mehreren Akteuren aus dem U 23-Kader der Gäste, gelang mit einem Kopfball aus kurzer Distanz auf Flanke von Christian Derflinger das 0:3 (89.).

Während HSV-Trainer Slomka „einigermaßen zufrieden“ war, weil sein Team das eine oder andere gut umgesetzt habe, trauerte sein Pendant Erkenbrecher den vielen vergebenen Chancen hinterher. „Ich habe ein gefühltes 2:2 gesehen“, sagte der 59-Jährige, der seiner Truppe „begeisternden Fußball“ attestierte. „Es haben wieder einmal nur die Tore gefehlt – leider“, stöhnte Erkenbrecher, dessen Mannschaft bekanntlich auch in der Regionalliga das Toreschießen nicht erfunden hat. „Unsere Quote geht so langsam gegen null“, stöhnte der VfR-Coach.

VfR – Hamburger SV 0:3 (0:1)

VfR Neumünster 1. Halbzeit: Springer - Winter, Bönigk, Gavric, Durak - Zekjiri, Laabus, Tenno, Zschimmer - Grothe, Abou-Khalil.

VfR Neumünster 2. Halbzeit: Kassler - Durak (63. Aboagye), Schlagelambers, Gavric, Nagel - Zekjiri (62. Kuscu), Ingreso, Pino Tellez, Alioua - Bento, Kramer.

Hamburger SV: Drobny - Diekmeier (65. Jordan), Westermann (79. Haut), Cléber, Ostrzolek - Holtby (65. Derflinger), Jung (46. Mende) - Stieber (79. Porath), Cigerci (38. Nafiu), Jansen - Lasogga (43. P. Müller).

Beste Spieler: Springer, Bönigk, Nagel - Jansen, Ostrzolek, Holtby. – SR: Müller (Eutin). – Zuschauer: 3527. – Tore: 0:1 Lasogga (24., FE), 0:2 Jansen (62.), 0:3 P. Müller (89.). – Gelbe Karten: keine. – Spielwertung: gut. – Nächster VfR-Gegner: BV Cloppenburg (A/morgen, 14 Uhr/Regionalliga).

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