Regionalliga Nord : VfR: Mit blauen Augen ins Ziel

(Blaue) Augen zu und durch: Verteidiger Yannik Jakubowski (li.), hier im Duell mit Weiches Tim Wulff, zählte zu den wenigen wirklich positiven Erscheinungen beim VfR in der Saison 2013/14.
Foto:
1 von 4
(Blaue) Augen zu und durch: Verteidiger Yannik Jakubowski (li.), hier im Duell mit Weiches Tim Wulff, zählte zu den wenigen wirklich positiven Erscheinungen beim VfR in der Saison 2013/14.

Neumünsters Fußball-Regionalligist schafft wenigstens den Klassenerhalt. Zwei Trainer müssen gehen. Der Zuschauerschnitt ist enttäuschend.

shz.de von
02. Juni 2014, 08:00 Uhr

Von ihren Fans und Sympathisanten werden sie seit Jahrzehnten liebevoll „die Veilchen“ genannt. In der zurückliegenden Saison haben sie sich mehr als nur ein blaues Auge abgeholt, um den Klassenerhalt in der Regionalliga Nord unter Dach und Fach zu bringen und die Serie 2013/14 zumindest halbwegs mit Anstand zu Ende zu bringen. Die Fußballer des VfR haben in den zurückliegenden Monaten mehr als einmal für Gesprächsstoff gesorgt. Als Tabellenfünfzehnter haben sie wenigstens das Minimalziel Ligaverbleib erreicht. Der Courier blickt zurück.

Es war der 4. August 2013, als der VfR in neue Sphären aufzusteigen schien. Als stolzer Vorjahressechster hatte Rasensport den Erstligisten Hertha BSC in der ersten Runde des DFB-Pokals am Rande einer Niederlage. Erst ein von Sami Allagui in der Nachspielzeit der Verlängerung verwandelter Elfmeter, den der neue VfR-Kapitän Finn Thomas im Duell mit Änis Ben-Hatira verursacht hatte, bescherte den Berlinern einen 3:2-Sieg. Mit seiner runderneuerten Truppe, in der im kompletten Saisonverlauf 15 Neuzugänge plus zwei eingesetzte Talente aus dem A-Jugendkader der SG VfR/Saxonia (Verbandsliga) gezählt wurden, standen Lila-Weiß die Tore zur Spitzengruppe offen. Aber weit gefehlt. Die „Veilchen“ starteten mit vier Niederlagen und fanden sich an drei Spieltagen am Tabellenende wieder. Mühsam kletterte der VfR dort wieder heraus. Trainer Ervin Lamce verordnete fortan Ergebnisfußball und hatte Erfolg. Bis zur Winterpause arbeitete sich sein Team bis auf Platz 9 vor. Was niemand ahnte: Es sollte das einzige Mal in der kompletten Saison sein, dass Rasensport einen einstelligen Tabellenplatz belegte.

Nach Weihnachten sollte es eigentlich weiter nach oben gehen. Zumindest wollte sich der Club schnell entscheidend von den Abstiegsplätzen absetzen. Doch jene waren im Nu wieder in Reichweite. Ausschlaggebend dafür war eine Rückrunde, die als ganz schwarze Serie in den VfR-Annalen abgehakt werden muss. Nur zehn Punkte holte Lila-Weiß in den 15 Spielen nach der Winterpause. Der langjährige Trainer Lamce holte keinen mehr. Das konnte er auch nicht. Denn nach einer Spielersitzung am 3. Februar wurde er tags darauf zum Vorstand zitiert. Die Kicker hatten sich klar gegen den Coach positioniert, sodass der 41-Jährige nach dem Motto „Dann hat das keinen Zweck mehr“ selbst die Reißleine zog – vier Tage vor dem geplanten Restrundenstart beim HSV II. Nach sechseinhalb Jahren als Chefcoach dankte Lamce ab und erlebte ein denkbar unwürdiges Aus. Sein Nachfolger wurde der erst zu Saisonbeginn installierte Co-Trainer Helmut Szpadzinski. Der durfte erst einmal durchatmen, fielen doch die ersten beiden angesetzten Regionalligapartien des Jahres 2014 aus. Szpadzinski holte in vier Spielen zwei Punkte, dann war auch für ihn Feierabend. „Keine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Vorstand, keine Gesprächsbereitschaft und Beleidigung eines Vorstandsmitgliedes (3. Vorsitzender Jörg Zenker, Anm. d. Red.).“ So begründete 2. VfR-Vorsitzender Gerd Grümmer am 18. März das Aus Szpadzinskis. Am selben Tag wurde der „Neue“ an der Geerdtsstraße vorgestellt. Mit Uwe Erkenbrecher verpflichtete Rasensport ein Schwergewicht der Branche. Bis zum Jahresende 2013 war er bei Tammeka Tartu in Estland beschäftigt, das Angebot der Lila-Weiß brachte ihn auf die Bühne zurück. Der 59-jährige Profi hatte viel Erfahrung aufzuweisen, in Deutschland unter anderem beim VfL Wolfsburg, VfB Lübeck und SC Paderborn gearbeitet. Unter ihm gingen die ersten fünf Begegnungen verloren.

Im Kreuzfeuer der Kritik stand in dieser Zeit allerdings einzig die Mannschaft. Mit ihrem Votum gegen Lamce hatte sie bei den Fans viel Kredit verspielt. Ohnehin fiel das Publikumsinteresse gering aus. Statt kalkulierter 1000 Besucher kamen im Schnitt pro Heimspiel nur 493. Selbst die tolle Leistung im Hertha-Spiel sorgte für keinen Boom an der Geerdtsstraße. Erst auf den letzten Metern der Saison holte der VfR den Kredit hier und dort wieder zurück, belegte am Ende in der Zuschauertabelle aber dennoch – als schlechtester der drei Schleswig-Holsteiner – nur Rang 11.

Es waren letztlich acht Punkte, die unter Erkenbrecher eingefahren wurden. Im Mosaik einer Saison, in deren Verlauf dann auch noch Vorsitzender Detlef Klusemann seinen im August dieses Jahres greifenden Rückzug vom Chefsessel bekannt gab, war das ausreichend, um zumindest drei Teams hinter sich zu lassen. So blau sind die Augen der „Veilchen“ schon lange nicht mehr gewesen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen