Fussball : Unvorhergesehene Einschläge beim VfR Neumünster

Hat beim VfR Neumünster nach wie vor jede Menge zu tun: Clubboss Gerd Grümmer, hier neben der 3. Vorsitzenden des Vereins, Gerda Hirsch.
Hat beim VfR Neumünster nach wie vor jede Menge zu tun: Clubboss Gerd Grümmer, hier neben der 3. Vorsitzenden des Vereins, Gerda Hirsch.

Vereinsvorsitzender Gerd Grümmer spricht über den Abstieg, seinen Streit mit Ex-Boss Hagen und die verwaiste Tribüne.

shz.de von
16. Juli 2019, 18:08 Uhr

Wenn am 4. August der VfR daheim gegen die Reserve des SV Eichede in die Saison 2019/20 startet, beginnt endgültig eine neue Zeitrechnung. Denn erstmals seit 1950/51 (!) wird Rasensport nicht als Nummer 1 des Neumünsteraner Fußballs in eine Spielzeit starten. Wie geht eigentlich der Vereinsvorsitzende Gerd Grümmer damit um? Wo drückt bei Lila-Weiß aktuell der Schuh? Courier-Sportredakteur Arne Schmuck unterhielt sich mit dem 58-jährigen Lebensmittelkaufmann.

Haben Sie den Abstieg mittlerweile verdaut?

Jein. Es ist ein schwerer Gang für den VfR, aber bei genauer Betrachtung ist dieser Gang einer gewissen Gesamtsituation geschuldet.

Wie definieren Sie den Begriff „Gesamtsituation“?

Man darf dabei den Januar 2018 (finanzieller Zusammenbruch des VfR und Abgang nahezu aller Spieler, Anm. d. Red.) nicht ausblenden, das ist ganz klar. Aber darüber ist ja auch genug geschrieben worden.

Welchen Schuh ziehen Sie sich in dieser Misere an?

Ich kenne es so, dass man zusammen gewinnt und zusammen verliert. In der schwierigen Situation standen damals Gerda Hirsch (3. Vorsitzende, Anm. d. Red.) und ich allerdings alleine da.

Inwieweit ist der lange schwelende Streit insbesondere mit dem ehemaligen 1. Vorsitzenden Bernd Hagen aufgearbeitet? Ist eine Lösung zwischen ihm und Ihnen in Sicht?

Es sieht so aus, dass wir eine vernünftige Lösung miteinander herbeiführen können, mit der wir dann in der Gesamtsituation das Allerbeste für alle Beteiligten erzielen.

Die Jahreshauptversammlung für die Problemsaison 2017/18 steht immer noch aus, wurde bereits zwei Mal verschoben. Wann soll diese stattfinden?

Die werden wir jetzt zeitnah im August anberaumen.

Der VfR gilt als chronisch klamm. Wie steht es finanziell um den Club?

Wir sind auf einem sehr guten Weg. Die Zielsetzung muss sein, spätestens Ende der Saison 2020/21 finanziell auf gesunden Beinen zu stehen.

Aber hieß es nicht zuletzt schon des Öfteren, der Verein sei auf einem guten Weg?

Ja, aber wenn dann unvorhergesehene Einschläge kommen, muss man sich denen stellen. Dann verzögert sich solch ein Prozess auch mal.

Ist der Wiederaufstieg in die Oberliga ein Muss?

Nein. Es wäre toll, wenn wir es schaffen. Wir haben allerdings eine ganz junge Mannschaft, zu der erneut einige eigene A-Jugendliche gestoßen sind. Alleine deswegen ist der Aufstieg kein Muss.

Erstmals in seiner Geschichte ist der VfR nur noch sechstklassig, trifft künftig auf Siebenbäumen, Siebeneichen und Eichede II. Bei allem Respekt vor diesen Gegnern: Dreht sich einem da nicht der Magen um, wenn man sich die VfR-Historie vor Augen führt? Rasensport ist in der Fußballgeschichte des Landes hinter Holstein Kiel und dem VfB Lübeck immerhin die Nummer 3 ...

Augen zu und durch. Historische und heroische Zeitabschnitte nützen uns jetzt überhaupt nichts. Wir müssen den Fakten in die Augen schauen und die bevorstehenden Aufgaben meistern.

Zu den Kontrahenten zählt künftig auch der SV Tungendorf. Macht dessen Aufstieg die Liga aus VfR-Sicht interessanter?

Ja, total. Gerade ich als Tungendorfer finde das ausgesprochen reizvoll.

Der VfR ist nach 68 Jahren nur noch die Nummer 2 in Neumünster. Wie lebt Gerd Grümmer damit?

Es wird im Leben immer mal gewisse Positionswechsel geben, nichts ist für alle Zeiten in Stein gemeißelt. Die Situation ist, wie sie ist. Wir nehmen sie an und gehen jetzt alles mit einer gesunden Portion Optimismus an.

Die neue Nummer 1 ist der PSV, bei dem sich dank der Unterstützung von Bernd Hagen personell einiges getan hat. Mit welchen Emotionen ist der Blick hinüber an die Stettiner Straße verbunden?

Der PSV soll seine Saison spielen, und wir werden unsere Saison spielen.

Es gibt Sonntage, an denen sowohl der PSV als auch der VfR zu Hause spielen. Die Partien sollen der Zuschauer wegen voraussichtlich hintereinander steigen, Was halten Sie davon?

Ich finde es schade, wenn am selben Tag gespielt wird. Für unsere Fans, die eine tolle Truppe sind, dürfte das aber unerheblich sein.

Mit welchem Zuschauerschnitt kalkuliert der VfR in der Landesliga?

Ich glaube, wir werden die Vorjahresdaten mit mehr als 200 Besuchern pro Heimspiel halten.

Wie haben die Sponsoren auf den Abstieg reagiert?

Die stehen uns in der Breite weiterhin toll zur Seite.

Wer ziert 2019/20 als Trikotsponsor die Brust?

Das steht noch nicht ganz fest.

Wird es Ihr Unternehmen sein?

Nein.

Den Männerstreit zwischen Ihnen und Hagen einmal ausgeklammert: Wo sind aktuell die größten Baustellen im Verein?

Es gibt keinen Männerstreit mehr. Es gab unterschiedliche Betrachtungswinkel, aber das ist Vergangenheit.

Dennoch wird es beim VfR aktuell einige Baustellen geben ...

Ja, Bereiche im Stadion wie das Flutlicht oder sanitäre Anlagen. Ferner wollen wir weiterhin eine top Ausbildung junger Fußballer anbieten. Letzteres war im Übrigen auch der Grund, warum ich vor knapp acht Jahren angetreten bin beim VfR.

Was ist mit der Sitzplatztribüne, die seit rund zwei Jahren im Stadion steht, jedoch nicht genutzt werden darf?

Das ist ein ganz spannendes Thema. Dazu kann ich allerdings zum heutigen Zeitpunkt keine Auskunft geben.

Soll die überhaupt noch mal genutzt werden können?

Dazu kann ich zum heutigen Zeitpunkt keine Auskunft geben.

Sie haben in puncto VfR drei bescheidene Wünsche frei. Was wünschen Sie sich?

Der Wiederaufstieg wäre toll, auch wünsche ich mir, dass wir in unserem tollen Vorstand weiterhin so gut zusammenarbeiten wie bisher. Mit allen Beteiligten bringt es viel Spaß. Großes Kino wäre eine weitere Teilnahme unseres Vereins im DFB-Pokal. Das wäre ein Traum.

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