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Interview : „Uns schlägt großer Respekt entgegen“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der frisch gebackene VfR-Vorsitzende Gerd Grümmer äußert sich zu aktuellen Themen beim Neumünsteraner Traditionsclub.

shz.de von
erstellt am 21.Aug.2014 | 22:00 Uhr

Seit knapp einer Woche ticken die Uhren beim VfR Neumünster anders. Als neuer 1. Vorsitzender ist nun Gerd Grümmer der starke Mann an der Geerdtsstraße. Der Courier sprach mit dem 54-jährigen Kaufmann, der für zwei Jahre gewählt wurde und dabei den nicht wieder angetretenen Detlef Klusemann auf dem Chefsessel beerbte.

Was hat Sie dazu bewogen, beim seit Jahrzehnten erfolgreichsten Verein in Neumünster, zugleich aber auch einem latent umstrittenen Club, vom 2. zum 1. Vorsitzenden aufzusteigen?

Grümmer: Ich bin vor zweieinhalb Jahren in den Vorstand gewählt worden und sehe mich mit meinen Mitstreitern noch lange nicht am Ziel. Wir haben beim VfR einen spannenden Prozess angeschoben – und zwar für ganz Neumünster. Als gebürtiger Neumünsteraner möchte ich diesen Weg mitgestalten. Ferner bin ich dem Club schon lange verbunden. 1973 bin ich selbst als Jugendfußballer zum VfR gewechselt, später war ich viele Jahre Mitglied im Förderverein. Auch halte ich ja seit einigen Jahren mit meinem Unternehmen die Namensrechte am Stadion.

Welche Ziele hatten Sie sich denn vor zweieinhalb Jahren gesteckt?

Wir wollten und wollen den Verein auf gesunde Füße stellen und guten Fußball anbieten. Das ist uns im ersten Jahr hervorragend gelungen, im zweiten Jahr gab es bekanntlich nicht nur positive Schlagzeilen. Wir arbeiten also weiter daran.

Apropos: Sie gelten eher als Strahlemann und Repräsentant denn als Arbeiter. Bei Ihrem Vorgänger Detlef Klusemann war das umgekehrt ...

Sie können sicher sein, dass auch unter Klusemann der Rest-Vorstand seine Arbeit für den Verein erledigt hat, also auch ich. Klusemann und der ebenfalls nicht wieder zur Wahl angetretene 3. Vorsitzende Jörg Zenker haben sich ja zuvorderst um sportliche Belange gekümmert. Diese Aufgaben hat nun unser Trainer Uwe Erkenbrecher übernommen. Er ist im Übrigen ein absoluter Glücksfall für uns. Wir wollen mit ihm langfristig zusammenarbeiten. Wir zählen aber auch weiterhin auf Klusemann und Zenker, nur eben nicht in Vorstandsämtern. Die Zusage, uns auch zukünftig zu unterstützen, haben sie gegeben.

Der VfR hat in der eigenen Stadt nicht den allerbesten Ruf, einige lehnen den Club regelrecht ab. Was können Sie tun, um Mauern einzureißen?

Das ist alles schon angeschoben worden. Uns schlägt von anderen Vereinen der Stadt längst großer Respekt entgegen. Ferner bin ich nicht monogam, sondern auch Mitglied bei Olympia und Torpedo. Ich gehe generell auf Menschen zu und setze auf ein gutes, faires Miteinander.

Sind das nicht nur Worthülsen?

Keineswegs. Ein gutes Beispiel ist unser Verhältnis zum PSV. Ohne großes Gezicke haben wir gerade erst wieder Fußballer von uns an den Nachbarn abgegeben.

Alt-Rasensportler im Verein befürchten, dass Sie auf Grund Ihrer emotionalen Nähe zum FC Torpedo eine Fusion mit diesem Club anstreben werden ...

Im Leben nicht (lacht). Tatsächlich bin ich menschlich eng mit Torpedo verbunden, doch die Charaktere beider Vereine sind viel zu unterschiedlich, als dass man eine Fusion anstreben könnte.

Mit der neuen 3. Vorsitzenden Gerda Hirsch zählt nun auch wieder eine Frau zum VfR-Vorstand. Was versprechen Sie sich von Ihr?

Einiges. Denn Sie hat etwas drauf, das der Rest im Vorstand nicht hat.

Was denn?

Sie sieht das Vereinsleben mit den Augen einer Frau. Das könnte für den VfR noch sehr wertvoll werden.

Gerda Hirsch sitzt als Sekretärin im Vorzimmer des Oberbürgermeisters Dr. Olaf Tauras. Brauchten Sie sie als „Türöffner“?

Nein, ihr Beruf hatte mit ihrer Nominierung für ein VfR-Vorstandsamt nichts zu tun. Denn unsere Drähte zur Stadt waren bereits vor der Wahl von Hirsch sehr gut.

Über die Ziele des VfR anno 2012 haben wir bereits gesprochen. Wie lauten jene anno 2014?

Wir müssen auf finanziellem Sektor die angestrebten Zahlen erreichen. Ein ausgeglichener Haushalt ist das A und O. Sportlich wollen wir mit unserem tollen jungen Team die Fußball-Regionalliga halten, ferner soll der Verein neu positioniert werden. Wir müssen über neue Sportangebote, weitere Sparten nachdenken. Das Vereinsleben soll angekurbelt werden, nicht zuletzt ist auch die Sponsorenakquise ganz, ganz wichtig.

Der VfR hat seit 1992 einen als eingetragenen Verein firmierenden Förderkreis. Der gilt bereits seit Jahren als „ziemlich tot“ ...

Das wird sich ändern. Wir stehen in engem Dialog mit dem neuen Fördervereinsvorstand. Beide Parteien sind für die Zukunft optimistisch.

Rasensport hat zuletzt kräftig an Mitgliedern zugelegt, liegt nun bei rund 430 Vereinsangehörigen. Ist das Ende der Fahnenstange damit erreicht?

Das darf nicht sein. Wir wollen weiter nach vorne. Dazu müssen aber nette Worte mit Inhalten gefüllt werden.

Der VfR schafft es immer wieder, im Umfeld für Rückschläge zu sorgen. So glänzte der Club auf dem Staffeltag der Fußball-Regionalliga Nord in Bremen kurz vor Saisonbeginn durch Abwesenheit, ferner musste die zweite Mannschaft in der Kreisliga auf Grund zu weniger Vereinsschiedsrichter mit sechs Minuspunkten ins Rennen gehen. Wie bewerten Sie diese Peinlichkeiten?

Für den Staffeltag in Bremen war jemand eingeteilt, der ganz kurzfristig ausfiel. Da war beim besten Willen kein Ersatz zu bekommen. In Sachen Schiedsrichter gehen wir fest davon aus, dass wir bis zum Jahresende derart bestückt sind, dass uns zur neuen Saison kein Punktabzug mehr aufgebrummt werden wird.

Mit Olaf Schüler wurde jüngst ein renommierter Fitnesstrainer verpflichtet. Ist beim VfR der Reichtum ausgebrochen?

Schüler sponsert sich quasi selbst, arbeitet eng mit Ärzten zusammen. Die Abrechnung erfolgt also auf anderer Ebene.

Viele im Verein wünschen sich eine Rückkehr des langjährigen Förderers und Obmanns Jochen Schmahl, der in wenigen Tagen sein Geschäft in andere Händen geben und dann viel Freizeit haben wird ...

Es liegt allein an Jochen Schmahl selbst. Unsere Arme sind offen. Weit offen.

Gesetzt den Fall, Sie hätten drei Wünsche frei. Was wünschten Sie sich?

Dass ich fünf Wünsche frei hätte: eine überdachte Tribüne, die Fortsetzung der Erfolgsstory unserer Jugendabteilung, noch mehr Helfer beim VfR hinter den Kulissen vom Schlag eines Christian Lenschau, den Klassenerhalt in der Fußball-Regionalliga und einen Kunstrasenplatz für ganz Neumünster. Ein solcher ist ja längst überfällig.

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