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Karate : Schürmann total heiß auf WM-Start

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Kampfsportler mit Handicap aus Neumünster verteidigt seinen deutschen Meistertitel erfolgreich.

Ein Arbeitsunfall setzte Dirk Schürmann schwer zu. Seit 31 Jahren lebt er mit einem Handicap im psychischen Bereich. Das hinderte den 48-Jährigen von Asahi Neumünster nicht, um bei den deutschen Karate-Meisterschaften für Menschen mit Behinderungen zu starten und in Bergisch Gladbach seinen Vorjahrestitel zu verteidigen.

Fünf Kampfrichter gaben Wertungsnoten zwischen 8,6 und 8,9 – in der Addition 43,7 Punkte. „Das habe ich alles Heinz Zöllner zu verdanken“, sagte Schürmann. Der Inhaber eines Sportstudios ist Trainer und Mentor zugleich. „Bei Schürmann muss ich nicht viel erzählen. Wenn etwas nicht gleich gelingt, arbeitet er es nach“, sagte Zöllner.

Schürmann war bei den Titelkämpfen in Nordrhein-Westfalen ein gutes Beispiel und stellte seine Kata Jion vor – das bedeutet so viel wie Liebe und Güte. 47 Bilder kennzeichnen diesen Formenlauf und stellen einen Kampf gegen einen imaginären Gegner dar. „Ich bin fast jeden Tag im Studio und trainiere“, verriet Schürmann. Gerne hätte er sich der direkten Konkurrenz gestellt, doch die Mitbewerber sagten kurzfristig erkrankt ab. „Das darf man mir aber nicht übel nehmen, auch in den anderen Klassen hat niemand meine Punktzahl erreicht“, sagte Schürmann.

1984 hatte er bei seinem Arbeitsunfall großes Glück im Unglück. In einer Werkstatt war er im Dezember dabei, als ein mit sechs Bar aufgepumpter Reifen explodierte. Schürmann wurde durch die Luft gewirbelt und schwer am Kopf verletzt. Dabei zog er sich ein Schädel-Hirn-Trauma dritten Grades zu und verlor sein rechtes Augenlicht. „Jetzt feiere ich jedes Jahr am 7. Dezember meinen zweiten Geburtstag.“ Die vorhandenen Panikattacken werden ebenso mit starken Tabletten bekämpft wie auch seine schier unerschöpfliche Ausdauerfähigkeit. „Ich bin nie müde, kann fünf Stunden hintereinander trainieren“, erklärte Schürmann.

Im vergangenen Jahr wurde er in die Gruppe der Menschen mit psychischer Behinderung eingestuft, diesmal bei den Menschen mit Sehbehinderungen – eine von insgesamt sieben Handicap-Klassen im Karate. Mit eisernem Willen erlernte er die Kata und holte inzwischen drei Landesmeistertitel. Nach der zweiten Titelverteidigung im Februar dieses Jahres gelang jetzt mit dem zweiten nationalen Titel ein weiterer Coup. Geht es nach Schürmanns Willen, soll die Laufbahn international weitergehen. „Ich bin total heiß“, gab er preis. Trainer Zöllner prüft derweil die Möglichkeiten eines Startrechts bei einer Weltmeisterschaft.

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erstellt am 19.Mär.2016 | 12:00 Uhr

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