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Fussball : „Schiri, du kriegst eine Kopfnuss“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der langjährige Unparteiische Dietrich Laß meldet sich zu Wort, berichtet von seinen Erlebnissen und bricht eine Lanze für Hubert Kessler.

shz.de von
erstellt am 04.Jan.2014 | 14:00 Uhr

Viel Gesprächsstoff rund um das Schiedsrichterwesen prägte zuletzt das Bild in Fußball-Neumünster. Seien es der verbale Rundumschlag von Ex-Referee Winfried Wodatscheck, eine mögliche „Bruderhilfe“ beim Kreisligaspiel zwischen Torpedo und Gut Heil oder der verspätete An- und verfrühte Abpfiff in der Begegnung zwischen dem PSV II und dem SV Boostedt (der im Übrigen seinen Protest gegen die Spielwertung mittlerweile zurückgezogen hat).

Nun wendet sich mit Dietrich Laß ein langjähriger Unparteiischer an die Öffentlichkeit und hält ein Plädoyer für die hiesige Schiedsrichtergilde. Was der 65-Jährige kaum nachvollziehen kann, ist die Kritik am Vorsitzenden des Schiedsrichterausschusses im Kreisfußballverband Neumünster, Hubert Kessler. „In jüngster Zeit wurde viel gegen Kessler geschossen. Man hat dabei irgendetwas gesucht hat, nur um Kritik zu üben. Er ist ein harter Hund und derjenige, der den Clubs mitteilen muss, dass sie etwa keinen Schiedsrichter mehr haben, weil dieser die Lehrabende nicht besucht oder zu wenig Spiele gepfiffen hat. Da macht er sich natürlich unbeliebt. Ich habe Kessler zu Beginn meiner Karriere, damals war er Schiedsrichterobmann in Kiel, kennen gelernt. Dort habe ich ihn als knorrigen Mann erlebt, der aber konsequent und ehrlich ist.“

In früheren Jahren unter anderen Schiedsrichterobleuten sei es in Neumünster teilweise chaotisch gewesen sowie drunter und drüber gegangen, meint der Referee des SV Bönebüttel-Husberg. „Seitdem Kessler da ist, gibt es eine ganz klare Linie. Man weiß, woran man sich zu halten hat, und er steht zu seinen Schiedsrichtern. Sicherlich gibt es den einen oder anderen Kritikpunkt, aber den gibt es überall. Ich finde ihn als Vorsitzenden klasse“, sagt Laß, der 1985 beim SV Ellerbek (heute SVE Comet) zu pfeifen anfing und 1994 nach Husberg wechselte. Auch eine Kritik an der Ausbildung der Referees ist für ihn nicht wirklich greifbar. „Die Lehrarbeit, die der Vorstand macht, ist gut und interessant. Wer die Abende besucht und aufpasst, der hat ein gutes Wissen.“

In der Thematik rund um die Schiedsrichteransetzung bei Torpedo gegen Gut Heil (2:1), in der der eine Bruder (Ömer Uzun) das Spiel des anderen (Yakup Uzun) leitete und Letzterem in der Nachspielzeit einen umstrittenen, spielentscheidenden Elfmeter zusprach, nimmt Laß Kessler aus der Verantwortung: „Ömer Uzun hätte doch sagen können, dass sein Bruder dort mitspielt und dass er das Spiel nicht pfeifen will. Es ist doch nicht die Sache von Kessler, vor einer Partie herauszufinden, welcher Bruder, Neffe oder sonst wer in welcher Mannschaft spielt. Es gibt so viele Personen mit dem gleichen Nachnamen. Woher soll er wissen, wer in welchem Team spielt und mit wem wer verwandt ist?“

Diese Meinung teilt im Übrigen auch der Kreisspielausschussvorsitzende Gerd Freisler: „Der Schiedsrichter hat in diesem Moment versagt. Er hätte den Ansetzer über die verwandtschaftlichen Verhältnisse aufklären müssen. Fair wäre auch gewesen, wenn man von Torpedo-Seite aus zum Strafstoßschützen gesagt hätte, er solle vorbeischießen.“

Die ständige Kritik der Vereine – seien es nun Trainer, Offizielle oder Spieler – an den „Männern in Schwarz“ ist für Laß ein weiterer wichtiger Punkt. Dafür, dass sich ein A-Klassenspieler, der kaum geradeaus laufen kann, einbildet, einen Bundesliga-Schiedsrichter erwarten zu können, fehlt Laß auch nach 28 Jahren in der Spielleitung das Verständnis. „Wenn ich ein Super-Schiedsrichter wäre, würde ich auch Bundesliga pfeifen. Und wenn der Typ so ein hervorragender Fußballer wäre, würde er auch Bundesliga spielen. Man sollte die Kirche mal im Dorf lassen.“

Worin die bloße Kritik manchmal münden kann, sprengt für den Husberger ganz klar den Rahmen. Ein Paradebeispiel ist ein Vorfall, der sich kürzlich ereignete, nachdem Laß einen Akteur für die Äußerung „Dafür kriegst du wohl eine Kiste Bier“ mit Gelb-Rot bedacht hatte: „Dann kam er mit den Worten ,Schiri, du kriegst jetzt eine Kopfnuss von mir’ in meine Richtung. Kurz bevor er bei mir war, wurde er von einem Mitspieler zurückgerissen. Auf dem Weg runter vom Spielfeld wurde er dann richtig vulgär“, berichtet Laß, für den dies „leider kein Einzelfall“ ist. Die Häufigkeit solcher Vorfälle halte sich zwar in Grenzen, doch dass so etwas überhaupt vorkommt, hat für Laß mit sportlichem Ehrgeiz nichts mehr zu tun. Dies führe auch so manches Mal dazu, dass er mit einem mulmigen Gefühl durch die Stadt gehe.

Der sportliche Ehrgeiz scheint auch so manche Trainer und Eltern im Jugendbereich zu übermannen. Nicht ohne Grund will Laß nach seinem Karriereende als Referee im kommenden Sommer als Betreuer von Jungschiedsrichtern fungieren. „Es ist häufig so in Neumünster, dass wir gute junge Leute ausbilden, diese aber bei Jugendspielen von undisziplinierten Trainern, Betreuern und Eltern derart angepöbelt werden, dass sie schon nach kurzer Zeit das Handtuch schmeißen“, kritisiert Laß. Ob seine deutlichen Worte nun fruchten, bleibt abzuwarten. Eine Saat jedenfalls ist gesät.

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