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Fussball : Neuling PSV mischt die SH-Liga auf

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die „Ordnungshüter“ stellen zwar die älteste Mannschaft, aber auch den zweitbesten Angriff. Platz 4 ist eine starke Zwischenbilanz.

shz.de von
erstellt am 24.Jan.2014 | 22:30 Uhr

Im Sommer kehrte der Polizei-SV Union nach zweijähriger Abstinenz in die Fußball-SH-Liga zurück. Die dort an ihn gestellten Erwartungen – der PSV galt landauf, landab als Geheimtipp – hat der Aufsteiger absolut erfüllt und überwintert auf einem hervorragenden vierten Platz in der höchsten Spielklasse des Landes. Der Courier blickt auf den bisherigen Saisonverlauf der frisch gebackenen Mannschaft des Jahres 2013 in Neumünster zurück.

Die Lage

Die „Ordnungshüter“ können mit dem Erreichten unterm Strich zufrieden sein. Ärgerlich waren und sind sowohl das Ausscheiden im Kreispokal-Halbfinale in Gadeland (5:6 nach Elfmeterschießen) als auch das Verpassen des SHFV-Hallenmasters in Kiel trotz guter Ausgangsposition. Im Achtelfinale des SHFV-Pokals gab es ein standesgemäßes 0:6 gegen den Drittligisten Holstein Kiel. Demgegenüber stehen ein super Start und ein sehr gutes Ende der Hinrunde sowie der erneute Triumph bei der Stadt- und Kreismeisterschaft in der Holstenhalle. Auch wenn sogar noch mehr drin gewesen wäre, so steht der PSV mit 35 Punkten und 55:31 Toren hervorragend da und kann sich bei nur drei Zählern Rückstand auf Rang 2 berechtigte Hoffnungen machen, im Kampf um den Vizemeistertitel ein gewaltiges Wörtchen mitzureden.

Die Stärken

Die Elf von Trainer Patrick Nöhren verfügt mit 55 Treffern hinter dem enteilten Regionalliga-Zwangsabsteiger VfB Lübeck (61) über den zweitbesten Angriff der Liga. Großer Pluspunkt ist zudem der in der Breite stark besetzte Kader. Nicht einmal lief an zwei aufeinander folgenden Spieltagen dieselbe Elf auf. Dies lag sowohl an einigen Ausfällen als auch an taktischen Umstellungen. Der Stimmung tat es keinen Abbruch, das Klima in der Mannschaft scheint weiter sehr gut zu sein und durch die Rotation kommt so gut wie jeder auf seine Einsatzzeiten. Spielerisch ist der PSV in der Lage, mit jedem Team mitzuhalten – sogar mit dem Primus VfB Lübeck, wie das 1:1 an der Lohmühle bewies.

Die Schwächen

Der PSV kassierte zu viele Gegentore (31 = 1,55 pro Spiel). Das lag zum einen an der noch ausbaufähigen Kompaktheit in der eigenen Hälfte, wodurch den Gegnern oftmals zu viel Platz gewährt wurde. Zum anderen waren die „Polizisten“ relativ konteranfällig, was sich insbesondere dann bemerkbar machte, wenn Trainer Nöhren offensiver spielen ließ (zum Beispiel beim 2:5 in Preetz). Auch die individuellen Fehler will der 38-jährige Übungsleiter weiter ausmerzen. Doch die Trainingsbeteiligung war nicht immer das Gelbe vom Ei. So waren im Herbst, als Grün-Weiß das Masters-Ticket mit vier Niederlagen in sechs Spielen verspielte, teilweise nur zehn Akteure beim Training. Ein Problem ist auch das Hochhalten der Konzentration über 90 Minuten. Bei dem von Nöhren als „Achterbahnfahrt während der Spiele“ bezeichneten Phänomen gingen die „Ordnungshüter“ des Öfteren nicht mit der richtigen Mentalität in die Partie und mussten dann auch das eine oder andere Mal von der Halbzeitansprache ihres Chefs aufgeweckt werden. Bitter: Bei Eichede II wurde kurz vor Schluss noch ein 2:0-Vorsprung verspielt.

Die Neuen

Bei den Zugängen hatte „Union“ eine gute Quote. Die vom Nachbarn VfR an die Stettiner Straße gewechselten André Bock, Patrick Fürst, Burhan Gülbay und Marinko Ruzic sowie Torwart Morten Nagel (SV Halstenbek-Rellingen) waren die erwarteten Verstärkungen und sicherten sich prompt ihre Stammplätze. Youngster Dominik Ulrich (TS Einfeld) bekam viel Einsatzzeit und bewies dabei, dass er eine richtige Alternative ist. Stürmer Thore Bannow (Rendsburger TSV) ließ sein Potenzial aufblitzen, wurde aber immer wieder von Rückenproblemen heimgesucht. Der junge Schlussmann Michel Schulz (Rot-Weiß Saxonia A-Jugend) wurde als Perspektivspieler geholt und war bislang noch keine wirkliche Option, genauso wie Mariusz Zmijak (ebenfalls vom VfR), der nach überstandenem Kreuzbandriss nun beim Trainingsauftakt am vergangenen Montag ins Mannschaftstraining einstieg. Vor allem auf Grund von berufsbedingtem Trainingsrückstand kam der reaktivierte Olaf Raniewicz nicht über ein paar Kurzeinsätze hinaus.

Die Sorgen

Wirkliche Sorgen gibt es, der jüngsten Erfolgsgeschichte entsprechend, beim PSV nicht. Mit dem bisherigen Saisonverlauf wurden die eigenen Erwartungen gar übertroffen. Dass die Nöhren-Elf mit einem Altersdurchschnitt von 26 Jahren das älteste SH-Liga-Team stellt, ist bislang nicht weiter dramatisch. Es muss aber auch weiter perspektivisch gedacht werden. Hinsichtlich des Trainerteams wird dies schon getan. So verlängerten Patrick Nöhren und sein „Co“ Bernd Siedschlag ihre Verträge vor kurzem um ein weiteres Jahr bis Ende Juni 2015.

Das Umfeld


Um die SH-Liga-Mannschaft herum ist weiter alles intakt. Vom Verein gibt es weiter eine hohe Wertschätzung. Und „Macher“ Volker Bernaschek bestellt dem Team ein Feld, das aller Ehren wert ist. Nicht umsonst sagte Mittelfeldakteur Nicola Soranno zuletzt rund um die Ehrung zur Mannschaft des Jahres beim Ball des Sports: „Der Erfolg ist der großartigen Arbeit von ,Beppo’ Bernaschek und dem Trainerteam zu verdanken.“ Einzig die Zuschauerresonanz könnte um einiges besser sein. So kamen durchschnittlich nur 130 Besucher in die Böcklersiedlung, wenn man das Highlight gegen Lübeck (644 Zuschauer) einmal ausklammert. Für die erbrachten Leistungen hätten die Grün-Weißen sicher mehr verdient.
Fazit und Prognose

Der PSV hat das abgerufen, was man ihm vor der Saison zutrauen konnte. Der Verlauf der Hinrunde ist insgesamt sehr positiv. Die Schwächen sind für einen Aufsteiger nicht weiter dramatisch, wahrscheinlich sogar normal. Ein Platz unter den ersten sechs Teams ist absolut realistisch. Sollten die „Ordnungshüter“ in der Restrunde darauf verzichten, sich erneut ein Tief wie im Herbst zu leisten, so können sie im Kampf um die Vizemeisterschaft – trotz starker Konkurrenz – ein heißes Eisen werden.

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