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Tennis : Kleiner Silberstreif nach langem Leidensweg

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Neumünsters Profi-Spielerin Mona Barthel möchte nach überstandener Viruserkrankung langsam wieder angreifen.

In diesen Tagen läuft der Porsche Tennis Grand Prix von Stuttgart. Ein Vollgasturnier mit den besten Spielerinnen der Welt. Dazu zählt Mona Barthel. Aber der Motor der 25-Jährigen ließ sich nach den Australian Open im Januar nicht wieder starten. Erst jetzt, nach einigen sorgenvollen Wochen im Krankenbett, kehrt mit den Sonnenstrahlen das Lächeln in das Gesicht der Neumünsteranerin zurück.

Eine Magen-Darm-Erkrankung, Schwindelgefühle, eine mögliche Entzündung im Iliosakralgelenk (Kreuz-Darmbein-Gelenk) – alles hätte die Ursache sein können. „Das war alles total diffus“, sagt Barthel. Es sei keine Grippe gewesen, kein Fieber, und dennoch konnte sie plötzlich nur 50 Meter am Stück gehen – am Tag höchstens 300 Meter, habe viel geschlafen. „Alles war unheimlich anstrengend, als würden die Muskeln ihren Dienst versagen.“ Vater Wolfgang, selbst Arzt, und Mutter Hannelore kümmerten sich rührend um ihre Tochter. Es begannen eine Reihe von Untersuchungen mit vielen Tests. Mit der MRT (Magnet-Resonanz-Tomografie) wurde der Körper schichtweise durchleuchtet, im CT (Computertomografie) wurden Querschnittsbilder des Körpers erstellt. „Zum Glück konnte alles Organische ausgeschlossen werden, aber das Warten auf die Ergebnisse war eine große psychologische Belastung“, verrät Barthel.

Zwischendrin zog der Tenniszirkus weiter um die Welt. Barthel, die eigentlich die Turniere in St. Petersburg, Dubai, Doha, Indian Wells, Miami und Charleston spielen wollte, lag daheim im Bett und konnte sich nicht rühren. Sie musste sich anstelle dessen zum Neurologen, Kardiologen, Sportmediziner und Internisten fahren lassen. „Ich glaube, ich war in ganz Norddeutschland unterwegs“, erinnert sie sich.

Während dieser Zeit bangte nicht nur die Tennisspielerin um die Fortsetzung ihrer Laufbahn, auch Trainer Sönke Capell saß zwischen den Stühlen – war über Nacht plötzlich im Wartestand. „Der Nachrichtenfluss mit der Familie Barthel war immer top“, berichtet der 45-Jährige.

Mona Barthel kämpfte daheim mit einem erhöhten Ruhepuls, der sonst je nach Trainingsstand bei 40 bis 49 Schlägen liegt. Die Polizei im Körper schlug Alarm. „Aber ich konnte tief in mir drinnen niemanden fragen“, zuckt Barthel mit den Schultern. Selbst das normale Einkaufen im Supermarkt war ein Problem.

Jetzt geht es nach und nach wieder besser. Als Ursache wurde ein Virus ausgemacht, der auf einer der vielen Reisen um die Welt sich irgendwo in ihren Körper geschlichen hatte. „Ich habe noch nie so lange Zeit kein Tennis gespielt“, erklärt die Tungendorferin.

Inzwischen ist ein kleiner Silberstreif am Horizont zu erkennen. Barthel fuhr die ersten längeren Stücke mit dem Rad, spielte mit Capell die ersten Bälle übers Netz. „Vom richtigen Tennis bin ich noch weit entfernt.“ Dennoch sind kleine Ziele gesteckt: Bei den Grand-Slam-Turnieren in Paris (French Open) und London (Wimbledon) möchte sie auf die Bühne ihres Sports zurückkehren. „Aber ich werde es nicht erzwingen“, sagt Barthel. Dass sie inzwischen auf Platz 68 der Weltrangliste zurückgefallen ist, spielt die kleinste Nebenrolle.

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