Fussball : Heftiger Paukenschlag beim VfR

Rote Karte für die VfR-Reserve: Hier wird Torwart Marcel Johannsen zum Entsetzen seiner Mitspieler Abdulsamed Kilinc (links) und Yusuf Yilmaz von Schiedsrichter Finn Christoph Andresen (verdeckt) vom Platz gestellt – eine Szene aus dem Kreisderby in Nortorf im vergangenen August. Nun wurde sogar die komplette zweite Mannschaft der Rasensportler aus dem Verkehr gezogen.
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Rote Karte für die VfR-Reserve: Hier wird Torwart Marcel Johannsen zum Entsetzen seiner Mitspieler Abdulsamed Kilinc (links) und Yusuf Yilmaz von Schiedsrichter Finn Christoph Andresen (verdeckt) vom Platz gestellt – eine Szene aus dem Kreisderby in Nortorf im vergangenen August. Nun wurde sogar die komplette zweite Mannschaft der Rasensportler aus dem Verkehr gezogen.

Rasensport meldet seine zweite Mannschaft völlig überraschend mit sofortiger Wirkung aus der Verbandsliga West ab.

shz.de von
21. Dezember 2017, 15:00 Uhr

In Fußball-Neumünster hat man in dieser Saison schon einiges erlebt. Der absolute Kracher ist nun wenige Tage vor dem Weihnachtsfest explodiert: Der VfR meldet mit sofortiger Wirkung seine zweite Mannschaft aus dem Spielbetrieb der Verbandsliga West ab! „Wir brauchen sie ganz einfach nicht mehr“, lautete eine der Aussagen, mit denen VfR-Sportchef Thomas Möller gestern gegenüber dem Courier das völlig überraschende Aus für die Reserve begründete.

„Die Trainingsbeteiligung bei der U 23 hat uns gar nicht gefallen. Dazu passend ließen ja auch die Ergebnisse zu wünschen übrig“, fuhr Möller fort. Tatsächlich stand Rasensport II so gerade eben über dem Strich, nur zwei Punkte trennten das Team vom ersten Abstiegsplatz. Dabei waren die Lila-Weißen mit ganz anderen Ambitionen in die Saison gegangen, sie wollten eigentlich im oberen Tabellendrittel mitmischen. Für den zu Saisonbeginn verpflichteten Coach Kay Beuck entpuppte sich dessen erste Cheftrainerstation als frustrierende Herkulesaufgabe, stand er doch zumeist mit nur acht Mann bei den Übungseinheiten auf dem Platz. „Für Beuck war es so nahezu unmöglich, der Mannschaft eine Struktur zu verleihen oder ihr gar eine Spielphilosophie zu vermitteln“, betonte Möller. „Zumal mehrere Akteure auch noch von außerhalb kamen, die dann mit nur wenigen anderen trainiert haben. Das macht doch alles keinen Sinn“, erklärte der Sportchef. Es seien allerdings auch finanzielle Aspekte gewesen, die Möller und Vereinsboss Bernd Hagen zur Abmeldung der „Zweiten“ bewogen hätten. „Auch wenn dort niemand eine Punktprämie oder dergleichen bekommen hat, kostet eine Verbandsligamannschaft nun einmal Geld. Doch das können wir einsparen, beziehungsweise können wir damit den Ligakader verstärken“, sagte Möller. Ein weiterer Kontrapunkt war die fehlende sportliche Qualität der Reserve, die dem VfR bei dessen Zielen (Rückkehr in die Regionalliga) auf Sicht nicht weitergeholfen hätte. Zwar sollen mit Sayed Sadat und Otto Schmidt zur Rückrunde zwei viel versprechende Youngster ins Ligateam hochgezogen werden, auch der frühere Ligakapitän Sebastian Gohrke (zuletzt spielender Co-Trainer der „Zweiten“) wird bis zum Saisonende in der „Ersten“ mitwirken, aber unterm Strich wären viel zu wenige Akteure zu Höherem berufen. „Wir treten mit der Abmeldung auch der Gefahr entgegen, dass die ,Zweite’ zu dem einen oder anderen Spiel mangels Masse nicht mehr hätte antreten können. So zahlen wir jetzt einmalig 450 Euro Strafe – und fertig“, erklärte Möller.

„Ich bin grundsätzlich gegen solche Entscheidungen, hätte die Saison lieber durchgezogen“, betonte gestern VfR II-Trainer Beuck, der für die neue Serie bereits beim derzeitigen Tabellenzweiten der Kreisliga Süd, Leezener SC, zugesagt hat. „Auch wenn wir im Winter zwei weitere Spieler verloren hätten“, verwies er auf die bevorstehenden Abgänge von Sabri Nasri zum Nachbarn PSV (Oberliga) und Levi Kraemer (beruflich nach Hamburg). „Die komplette Situation ist ein bisschen unglücklich“, wählte Beuck noch moderate Worte. Dass die Mannschaft in einem von Clubchef Hagen unterzeichneten, per WhatsApp verschickten Brief davon erfuhr, soll regelrechte Wut innerhalb des Teams hervorgerufen haben. Dieser Brief machte in sozialen Netzwerken schnell die Runde, schon gestern waren mehrere Verbandsligakonkurrenten (!) im Besitz dieses Schreibens.

Einen Neuanfang 2018/19 soll es nicht geben, auch das derzeitige Kreisliga-Schlusslicht SG Ruthenberg/VfR – dort ist die „Dritte“ der Lila-Weißen involviert – gilt als Auslaufmodell. Möller bezeichnete deren Existenz als „sinnlos“. Weil bei einem völligen Neuanfang – wann auch immer – eine dann wiederbelebte „Zweite“ in der C-Klasse starten müsste, kann es gut sein, dass es einen VfR II in naher Zukunft gar nicht mehr geben wird. „Zweite Mannschaften werden aussterben“, prophezeite Möller und verwies auf prominente Beispiele: „Vereine wie Bayer Leverkusen oder RB Leipzig leisten sich auch schon keine Reserve mehr.“ Angesprochen darauf, dass fortan den Reservisten aus der Ligamannschaft keine Spielpraxis mehr vermittelt werden könne, reagierte der Sportchef gelassen. „Dann sollen diejenigen, die hinten an stehen, halt im Training mehr Gas geben“, merkte der 50-Jährige süffisant an. Für Abdul Yilmaz und Emmanuel Amoako tue ihm die ganze Sache sehr leid, meinte Möller, „denn die beiden haben in dreijähriger Aufbauarbeit dafür gesorgt, dass wir einen vernünftigen Unterbau bekommen haben“. Es ist ein Unterbau, der nun Geschichte ist.

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