Querpass : Halbgare Lösung

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Der VfR Neumünster holt Trainer Uwe Erkenbrecher.

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19. März 2014, 10:00 Uhr

„Riiisikoooo“ rief einst Wim Thoelke bei seiner Show „Der Große Preis“ – und das gleich mehrmals in nur einer Sendung. Dieses „Riiisikoooo“ geht nun der VfR ein. Beim Fußball-Regionalligisten ist es aber keine Fernsehshow mit quicklebendiger Raterunde, sondern knallhartes Reality-TV. Der VfR hat einen Profi verpflichtet. Das ist per se natürlich verheißungsvoll. Zweifelsohne ist das Engagement des gestandenen Fußballlehrers Uwe Erkenbrecher ein deutliches Zeichen – sowohl in der eigenen Stadt als auch an die Konkurrenz im Kampf um den Klassenerhalt. Und doch birgt diese Verpflichtung ein gewisses Risiko. In finanzieller Hinsicht vielleicht nicht. Hier darf dem klammen Verein zugetraut werden, dass er so weitsichtig war, die monetäre Last in Form eines entsprechenden Gehalts tatsächlich auf externe Sponsoren verteilt zu haben. Auch ist es weniger die sportliche Situation, die Fragen aufwirft. Zumal Erkenbrecher in dieser Serie nicht mehr viel falsch machen kann. Denn die Grundlage für den Klassenerhalt haben mit 26 Punkten in 23 Spielen seine Vorgänger gelegt. „Erke“ muss nur noch einlochen. Er sollte mit dem Team die noch fehlenden zehn bis zwölf Zähler in den verbleibenden elf Partien holen. Das Risiko besteht vielmehr darin, dass der 59-Jährige seine Zelte am Saisonende wieder abbrechen wird – weil ihn der VfR beziehungsweise dessen Sponsoren nicht mehr bezahlen können (oder wollen) oder er einen lukrativeren Job als den in unserer alten Leder- und Tuchmacherstadt angeboten bekommt. Die vielen VfR-Leistungsträger, deren Verträge am Saisonende auslaufen, wollen doch wissen, wer der Trainer in der kommenden Serie sein wird. Längst sind sie heiß von anderen Clubs umworben, Rasensport braucht im Vertragspoker dringend handfeste Argumente. Ein Engagement Erkenbrechers zumindest bis Juni 2015 hätte da garantiert geholfen. So aber ist die spektakuläre Verpflichtung nur eine halbgare Lösung. Vielleicht helfen ja am Ende Erkenbrechers Kontakte, indem er zur neuen Saison den einen oder anderen Hochkaräter zum VfR lotst – auch wenn der Trainer selbst dann nicht mehr da ist. Dann hätte sich das Risiko, pardon „Riiisikoooo“ gelohnt.

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