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Fussball : Futsal spaltet die Kickerszene

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Umfrage unter Neumünsters Fußballern zur Änderung des Regelwerks: „Spaß wird auf der Strecke bleiben“ / „Verletzungsgefahr wird geringer“.

shz.de von
erstellt am 30.Dez.2013 | 18:00 Uhr

Großenaspe, die Holstenhalle, Bornhöved, Stefan Schnoor Arena in Wittorf, dazu noch Boostedt und Aukrug – die Liste mit klassischen und traditionellen Hallenfußballturnieren in den hiesigen Breitengraden ist lang. Aktuell läuft die Tournee auf Hochtouren und zieht überall wieder die Zuschauer in ihren Bann. Das sportliche Niveau ist bei diesen Amateur-Events besonders in den vielen Vorrunden überschaubar, von seinem Zauber hat das alles irgendwie aber dennoch nichts eingebüßt. Doch die Turniere in der jetzigen Form sind – aller Voraussicht nach – ein Auslaufmodell. Denn der Countdown läuft. Ab 2016 sollen Hallenfußballturniere nur noch nach Futsal-Regeln gespielt werden dürfen (wir berichteten). Die Funktionäre versprechen sich dadurch einen durch größere Fairness und technische Finessen geprägten Sport. Der Courier nutzte jetzt die Stadt- und Kreismeisterschaft in der Holstenhalle, um von jeweils einem Spieler der zwölf beteiligten Mannschaften eine Meinung einzuholen. Erwartungsgemäß gingen die Ansichten weit auseinander: Von totaler Ablehnung bis zu einem Anflug von Begeisterung war alles dabei.

Daniel Michalowski (aus Neumünster stammender Defensivstratege des Regionalligisten VfR): „Ich finde es frech, dass den Verein aufdiktiert werden soll, nach welchen Regeln sie ihre Turniere spielen. Auch sei dahingestellt, ob ein Wechsel hin zu Futsal zukünftig für technisch bessere Nachwuchskicker sorgen wird. Entweder kannst du in der Halle spielen oder eben nicht. Jeder Verein sollte selbst entscheiden dürfen, was er bei seinem Turnier für das Richtige hält. Mit der Einführung von Futsal geht viel Tradition verloren – und bei den großen Turnieren, wie hier in der Holstenhalle oder beim Masters in Kiel, fängt das an.“

Dennis Spantig (Torwart des SH-Ligisten und Turniersiegers in der Holstenhalle, Polizei-SV Union): „Ich glaube, dass es beim Futsal viele strittige Szenen geben wird, ob der Ball wirklich im Aus war oder nicht. Es wird kaum ein richtiger Spielfluss entstehen. Für mich als Torwart ist es natürlich schön, dass es dann auch hinter dem Tor keine Bande mehr gibt, obwohl für mich die Bande beim Hallenfußball eigentlich dazugehört.“

Tim Reuter (Mittelfeldspieler des Verbandsligisten TuS Nortorf): „Ich befürchte, dass viele Spieler in den unteren Klassen gar nicht die technischen Möglichkeiten für guten Futsal besitzen. Einzig die Tatsache, dass die Grätschen beim Futsal konsequent unterbunden werden, finde ich positiv.“

Pascal Schnoor (Spieler des Verbandsligisten TSV Wankendorf): „Ich habe mit Rot-Weiß Saxonia im Juniorenbereich viel Futsal gespielt und sogar die Landesmeisterschaft in der B-Jugend gewonnen. Es ist schon besser, dass es dort weniger Fouls und somit auch weniger Verletzungen gibt. Aber besonders in der Holstenhalle bei der Stadt- und Kreismeisterschaft wird durch die Futsal-Regeln viel Tradition verloren gehen.“

Marc Barck (Torjäger des Verbandsligisten MTSV Olympia): „Ich halte den Wechsel hin zu Futsal für Schwachsinn. Es erschließt sich mir nicht, was das bringen soll. Traditionsturniere können einpacken, für einige Vereine bedeutet genau das große finanzielle Einbußen im Saisonetat. Meinetwegen können offizielle Meisterschaften nach Futsal-Regeln gespielt werden, aber den Vereinen sollte man bei ihren Events freie Hand lassen.“

Yannick Hamann (Spieler des Verbandsligisten TSV Gadeland und dreifacher Torschütze in der Holstenhalle): „Ich bin geteilter Meinung. Bei den Jugendlichen macht Futsal Sinn. Gleichwohl ist die Frage, ob alle mit den komplizierteren Regeln klarkommen. Beim Futsal kommen mehr die Techniker zum Vorschein, das finde ich auch gut. Bei den klassischen Turnieren allerdings herrscht immer eine tolle Atmosphäre. Ich fürchte, dass die beim Futsal verloren geht.“

Denis Jörs (Offensivakteur des Verbandsligisten TS Einfeld): „Ich finde etwas Neues grundsätzlich nicht schlecht. Wenn Futsal von Spielern und Zuschauern nicht angenommen werden sollte, könnte man doch immer noch zum bewährten Hallenfußball zurückkehren. Und wenn Futsal im Nachwuchsbereich erst einmal im Gange ist, dann kann das meines Erachtens bei der Talentförderung durchaus etwas bringen.“

Jan-Jürgen Künstler (Offensivmann des Kreisliga-Spitzenreiters SV Tungendorf): „Was soll das? Man spielt doch draußen auch nicht Futsal! Lieber sollte man darüber nachdenken, in der Holstenhalle auf Kunstrasen zu spielen. Unmöglich, wie rutschig der neue Boden hier ist. Ich könnte pro Winter mit einem Futsal-Turnier leben, vielleicht wäre das sogar für die Fans mal interessant. Ansonsten sollte man bitteschön die klassischen Hallenfußballturniere so lassen, wie sie sind.“

Yannik Gläske (Spieler des Kreisligisten FC Torpedo, in der Holstenhalle dreifacher Torschütze und Rotsünder zugleich): „Es sollte weiterhin jeder Veranstalter selbst entscheiden dürfen, nach welchen Regeln er sein Turnier durchführen möchte. Das Spiel wird beim Futsal ohne Bande viel langsamer, und der Spaß wird dabei auf der Strecke bleiben.“

Marcel Klein (Angreifer des Kreisligisten SG Padenstedt): „Es ist deutlich schöner, mit Bande zu spielen, auch weil dann immer ein bisschen Zufall mit dabei ist. Wenn auf Handballtore gespielt werden muss, wird es viel weniger Treffer geben. Und wenn dann sogar einige Turniere auf Grund der neuen Regeln und Voraussetzungen gar nicht mehr stattfinden können, wäre das sehr schade.“

Osman Ceylan (Torwart des Kreisligisten Türkspor, der auch gerne mal als Feldspieler zum Einsatz kommt): „Ich sehe das positiv. Futsal bringt Spaß, das Verletzungsrisiko ist viel geringer. Dort ist außerdem Fairplay angesagt. Alle Jugendlichen, die ich kenne, freuen sich, wenn sie Futsal spielen dürfen.“

Martin Slotosz (Spieler des Kreisligisten SV Wasbek und auch Torschütze in der Holstenhalle): „Die Verletzungsgefahr wird bei einem Wechsel vom Hallenfußball hin zu Futsal sicherlich geringer werden. Aus dieser Sichtweise finde ich es gut, weil viele Spieler auf Grund der großen Verletzungsgefahr mittlerweile gar nicht mehr in der Halle spielen wollen. Der Spaßfaktor hängt in der Halle allerdings eng mit der Bande zusammen und würde dann etwas verloren gehen.“

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