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LEICHTATHLETIK : Erinnerungen an goldene Zeiten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

25 frühere Spitzensportler von Gut Heil Neumünster feiern ein Wiedersehen. Dank der ersten Kunststoffanlage in Europa war der Verein einst in aller Munde.

shz.de von
erstellt am 12.Sep.2013 | 07:00 Uhr

Ein großes „Hallo“ gab es jetzt an der Schillerstraße. 25 ehemalige Leichtathleten des ETSV (heute SC) Gut Heil Neumünster, die vor über 40 Jahren für den Verein aktiv waren, feierten dort ein Wiedersehen.

Die einstigen Athletinnen und Athleten hatten sich nach langer Zeit viel zu erzählen. Immerhin konnten sie auf lange und sehr erfolgreiche Laufbahnen zurückblicken. Diese begannen schon Ende der 1950er-Jahre. „Damals stellten Volker Thiem, Volker Köhnke und ich einen neuen Landesrekord für die B-Jugend in der 3 x 1000 m-Staffel auf“, erinnerte sich Manfred Blödorn als Organisator des Treffens.

Danach wurde die Abteilung stetig größer, die Erfolge wurden zahlreicher. Anfang der 1960er-Jahre dominierten vor allem die Hürdenläufer, die mehrmals hintereinander alle Landestitel in den drei Hürdendisziplinen nach Neumünster holten. „Frontmann“ der Truppe war aber Speerwerfer Horst Timmer, der als Inhaber des deutschen Jugendrekordes serienweise die 70 m-Marke übertraf. Den ersten deutschen Meistertitel holte für Gut Heil aber ein junges Mädchen: Renate Senczek, eigentlich Mehrkämpferin, sicherte sich 1965 die deutsche Jugendmeisterschaft im Diskuswurf. Jahr für Jahr gewannen die Gut Heiler fortan in allen Altersklassen serienweise Landestitel und norddeutsche Meisterschaften. Außerdem stellten sie etliche Landesrekorde auf, die zum Teil heute noch Gültigkeit haben. Gut Heils Männermannschaft startete in der Bundesliga und zählte in den 1970er-Jahren zu den besten Teams West-Deutschlands.

Höhepunkt der Entwicklung Gut Heils war das Jahr 1975, als Dr. Jörg Hein Deutscher Meister im Speerwurf wurde, und er gemeinsam mit Horst Timmer, der Platz 3 belegte, den zweitplatzierten Olympiasieger Klaus Wolfermann auf dem Podest „ins Sandwich“ nahmen. Timmer, der zwischenzeitlich einige Jahre für Bayer 04 Leverkusen gestartet war und als beständiger 80 m-Werfer zur absoluten deutschen Spitzenklasse zählte, war gegen Ende seiner Karriere wieder zu seinem Heimatverein zurückgekehrt. „Gut Heil ist mir bis heute eine Herzensangelegenheit geblieben“, erzählte der heute 70-Jährige auf dem jetzigen Treffen.

Ein großer Einschnitt in der Geschichte der Gut-Heiler Leichtathletik war der Neubau der heutigen Anlage und der Umzug von dem alten Platz an der Tungendorfer Straße, wo das traditionsreiche Gelände der Erweiterung der damaligen Phrix-Werke (später Nordfaser) weichen musste. Plötzlich war Gut Heil in aller Munde, besaß der Verein doch nun die erste Leichtathletik-Kunststoffanlage in Europa! Hohe Gäste, zum Beispiel Adrian Paulsen als damaliger Präsident des Europäischen Leichtathletik-Verbandes, kamen zur Besichtigung. Die deutschen Mittelstreckler mit Europarekordler Franz-Josef Kemper an der Spitze trainierten im Winter regelmäßig auf der Rubcor-Bahn an der Schillerstraße. Die Bahn wurde begehrter Wettkampfort, und das Team um den „Macher“ Manfred Wegener veranstaltete regelmäßig gut besuchte Sportfeste. Jahr für Jahr fanden Landestitelkämpfe in Neumünster statt. Glanzpunkte waren zweifelsohne 1976 die norddeutschen Meisterschaften und ein internationales Sportfest, an dem Olympiasieger, Asien-Meister und natürlich deutsche Spitzenathleten am Start waren. Hunderte von Zuschauern kamen auf die Anlage, um die hochklassigen Wettbewerbe zu verfolgen. Zwei Mal richteten die Gut-Heiler auch deutsche Meisterschaften aus, 1977 in Zusammenarbeit mit den anderen Leichtathletikvereinen der Stadt die Titelkämpfe im Crosslauf und 1981 jene über 25 km.

Nach dem Rücktritt Wegeners ging die große Zeit der Gut-Heiler Leichtathletik relativ schnell zu Ende. Auch wenn der Verein mit Johanna Schulz heute noch eine deutsche Spitzenathletin in seinen Reihen hat, ist es auf der Anlage doch ziemlich ruhig geworden.

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