Sportler des Jahres 2014 : Eine Sportlerwahl mit Aha-Effekt

Gruppenbild mit Chefin: Die KSV-Vorsitzende Ute Freund (rotes Kleid) stellte sich mit Neumünsters Sportlern des Jahres 2014 sowie Vertretern aus Wirtschaft und Politik zum obligatorischen Gruppenfoto auf.
1 von 4
Gruppenbild mit Chefin: Die KSV-Vorsitzende Ute Freund (rotes Kleid) stellte sich mit Neumünsters Sportlern des Jahres 2014 sowie Vertretern aus Wirtschaft und Politik zum obligatorischen Gruppenfoto auf.

Kirsten Bruhn thront zum elften Mal an der Spitze. Bjarne Geiss triumphiert bei den Männern, und die SG Wift ist die Mannschaft des Jahres.

shz.de von
19. Januar 2015, 12:00 Uhr

Die Würfel sind gefallen, Neumünsters Sportler des Jahres durften die ganz große Bühne betreten. Beim 37. Ball des Sports in den Holstenhallen standen – natürlich – auch die Athleten im gleißenden Scheinwerferlicht. Das Rennen machten die Arrivierten, denen allerdings der eine oder Außenseiter dicht im Nacken saß. Bei den Frauen triumphierte Kirsten Bruhn, Schwimmsportlerin mit Handicap vom Polizei-SV Union, bei den Männern schaffte das erst 17-jährige Badminton-Ass Bjarne Geiss (Blau-Weiß Wittorf) den Sprung auf die höchste Stufe des Siegertreppchens. Zur Mannschaft des Jahres wurden die Oberligahandballer der SG Wittorf/FTN gewählt.

Den Vogel schoss gewiss Kirsten Bruhn ab. Denn sie wurde bereits zum elften Mal (!) zur Sportlerin des Jahres in der Schwalestadt gewählt. Dabei verwies sie die Tennis-Weltklassespielerin Mona Barthel mit Wohnsitz in Tungendorf sowie das Wittorfer Badmintontalent Carina Hingst auf die Plätze 2 und 3. „Ich genieße es“, hatte der abermalige Sieg für Bruhn genauso einen Stellenwert wie die zehn davor. „Es geht kaum besser“, verwies die 45-Jährige auf ihre Bilanz bei der Sportlerwahl. Zwölf Mal war sie dabei, elf Mal holte sie Platz 1 (von 2003 bis 2011 sowie 2013 und 2014), einmal Rang 2 (2012). Das Dutzend wird allerdings nicht mehr voll werden. „Ich werde sozusagen aus dem Leben schwimmen“, erklärte sie, dass sie ihrer Sportart treu bleiben wird. „Aber es wird ab 2015 definitiv keine Wettkämpfe mehr mit meiner Beteiligung geben“, unterstrich Bruhn das Ende ihrer Karriere, die von Weltrekorden, Medaillen und gesellschaftlichen Höhepunkten nur so gepflastert ist. Während die seit einem Unfall inkomplett querschnittgelähmte Schwimmerin bei der Sportlerwahl stets Präsenz zeigte („Immer auf Stützen, nie im Rollstuhl.“ – O-Ton Bruhn), war die Zweitplatzierte Barthel auf Grund ihrer Turnierteilnahmen in Neuseeland und Australien einmal mehr nicht vor Ort. Auch schickte die Nummer 41 der Tennis-Weltrangliste keinen Vertreter. „Schade“, wie nicht nur Kirsten Bruhn befand. Und wer soll nun das Erbe der elfmaligen Sportlerin des Jahres antreten? „Ich wünsche mir von Herzen, dass es jemand wird, der einen ganz engen Bezug zu Neumünster hat“, sagte Kirsten Bruhn.


Youngster mischen das Feld bei den Männern auf


Bei den Männern wurde es richtig spannend. Badminton-Nationalspieler Bjarne Geiss, wie seine Vereinskameradin Hingst zuvor mehrfach zum Talent des Jahres gewählt – diese Rubrik entfiel diesmal –, hatte am Ende als Erstplatzierter nur 15 Punkte Vorsprung vor dem Karateka Valentino Laubinger. Der deutsche Vizemeister im Schwergewicht der Jugend von Gesundheits- und Rehasport Neumünster hatte sein Fan-Lager und auch seinen Verein mobilisiert und profitierte bei seinem sensationell starken Abschneiden vom Leservotum. Die eigentliche Überraschung der gesamten Wahl war, dass Henrik Hannemann nur Dritter wurde. Der LGN-Athlet (Stammverein SV Tungendorf) hatte im Vorjahr bei den Olympischen Jugendspielen in China Silber über 110 m Hürden geholt, überdies deutsche und Landesrekorde fast wie am Fließband geknackt. „Ich nehme das sportlich und freue mich über das, was ich in einer tollen Saison erreicht habe“, sagte der für die Proklamation extra aus Stuttgart angereiste Hannemann, dem ein gewisser Grad der Enttäuschung anzumerken war. „Ich habe Neumünster und meinem Heimtrainer Peter Malinowski sehr viel zu verdanken. Nun finde ich in Stuttgart perfekte Bedingungen vor, um mich weiterzuentwickeln. Ich werde auch 2015 Gas geben“, versprach der 17-Jährige, der im Leservotum deutlich hinter Bjarne Geiss und Laubinger zurücklag. Seine (Ex-)Vereine hatten es nicht verstanden, bei Hannemann für einen Push zu sorgen.

Sieger Bjarne Geiss wurde in den Holstenhallen von seinem Vater Frank vertreten, da der Wittorfer Youngster bei einem Turnier in Polen weilte und dort als Zweiter im Doppel an der Seite von Daniel Seifert (TSV Trittau) wertvolle Weltranglistenpunkte sammelte. „Bjarnes Ziele sind die EM in acht Wochen ebenfalls in Polen sowie die WM im Oktober in der peruanischen Hauptstadt Lima“, verriet Frank Geiss, der es nach eigenem Bekunden „total cool“ fand, dass ein bunter Mix an Sportarten die Plätze 1 bis 3 belegte.

Mit Bjarne Geiss, Carina Hingst und der bei den Teams auf Platz 3 eingelaufenen Zweitligamannschaft stellten Wittorfs Badmintonspieler mal wieder das Schwergewicht bei der Wahl. „Das zeigt, dass wir keine Eintagsfliege sind“, freute sich der langjährige Trainer und Spartenleiter der Blau-Weißen, Ralf Treptau. Und nicht zu vergessen: Mit den erstplatzierten Wift-Handballern zählte noch ein Wittorfer Traditionsprodukt zu den Stars bei der Sportlerwahl. „Damit hatten wir nicht gerechnet. Ich bin froh, dass wir uns als Randsportart in Neumünster durchgesetzt haben“, kommentierte SG-Coach Peter Bente. Die These mit der Randsportart wollte nicht jeder teilen. „Fußball und Handball haben einen größeren Stellenwert als wir“, kommentierte etwa Treptau, dessen Badmintonteam für viele der Topfavorit auf Platz 1 bei der Sportlerwahl gewesen war.


„Nur“ Zweiter: Einfelds Oldie-Kicker sind enttäuscht


Keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung machten Einfelds Ü 40-Fußballer, die von allen Teilnehmern die meisten Stimmen per Telefon bekommen hatten und im Gesamtergebnis Zweiter wurden. „Wir gönnen jedem den Erfolg. Nur verstehen wir nicht, warum die siegreichen Wift-Handballer überhaupt nominiert worden waren. Andere haben Titel geholt, die jedoch nicht“, gab Markus Lemke vom TSE stellvertretend für sein Team ein Maß an Unverständnis preis. „Wir sind dann eben der Meister der Herzen. Das hat man ja am Applaus deutlich gespürt“, ergänzte Kicker Carsten Dahmke, wobei beim neutralen Beobachter hingegen der Eindruck entstanden war, der Applaus für Wift sei keine Phonzahl geringer ausgefallen. Ganz im Gegenteil.

Deutlich moderater fiel das Fazit von Ute Freund aus. „Mich freut es total, dass im männlichen Bereich drei Youngster ganz vorne gelandet sind. Das zeigt doch, dass es der richtige Schritt war, den Modus dahingehend zu verändern, die Talente bei den Erwachsenen einzustufen“, erklärte die 1. Vorsitze des Kreissportverbandes (KSV), die sich auch darüber freute, dass die Wahlbeteiligung seitens der Courier-Leser „unglaublich gut“ war. Fast 1900 Stimmen waren abgegeben worden. Nette Geste: Freund überreichte dem langjährigen KSV-Geschäftsführer Manfred Utech und dessen Frau Lilian eine goldene Eintrittskarte für alle zukünftigen Bälle des Sports. Es war ein Dank dafür, dass Manfred Utech vom ersten Ball an bis heute stets große Verdienste um die Organisation dieses Party-Klassikers in Neumünster erworben hat. 

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen