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Tennis : Ein Talentspäher liebt die Strategie des Spiels

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Slawomir Kerber fungiert seit 15 Jahren als Trainer beim TC Boostedt. Sein Verein stellt die meisten Teams im Bezirk Ost.

Früher trainierte er seine Tochter, nun ist Angelique Kerber eine der weltbesten Tennisspielerinnen. Beim Tennisclub Boostedt hat er sich niedergelassen: Slawomir Kerber ist seit 15 Jahren dort Tennislehrer. Der Courier hat ihn besucht.

Zwangsläufig stellt man sich die Frage, warum Slawomir Kerber nicht im internationalen Tennis mitmischt? „Seit 1988 habe ich schon in vielen anderen Vereinen trainiert, habe auch ein Tenniscamp in Polen, aber in Boostedt hat es mir am besten gefallen. Hier habe ich die Ruhe gefunden, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren. Das hängt auch damit zusammen, dass ich die Menschen hier mag“, erzählt der 46-jährige gebürtige Pole aus Kiel. „Allerdings: Wenn ich die Chance hätte, würde ich es mir vielleicht überlegen“, räumt er schmunzelnd ein.

Mit neun Jahren hat Kerber angefangen zu spielen und war 1984 sogar bei den French Open der U-18-Jährigen dabei. Seitdem er 20 Jahre alt ist, arbeitet er als Trainer und erkennt, ob in jemandem mehr als nur ein Freizeitspieler steckt. „Ich glaube, ich habe ein Auge für Talente. Schon bei einem neunjährigen Kind kann man sehen, ob es talentiert ist, ob Instinkte und Ballgefühl vorhanden sind. Aber Talent allein reicht nicht aus, Disziplin und Durchhaltevermögen sind gefragt. Und gerade im Jugendalter sind es wenige, die bereit sind, das aufzubringen“, stellt Kerber fest. In Boostedt habe er in den vergangenen 15 Jahren vielleicht zehn Kinder mit großem Talent gesehen. Zusätzlich zur Disziplin kommt noch ein anderes Hindernis. „Leistungstennis spielen zu wollen, ist eine weit reichende Entscheidung, zumal es auch teuer ist. Dann reicht kein zweimaliges Training pro Woche, sondern zwei bis drei Stunden am Tag vier Mal pro Woche müssen sein. Das können sich viele Eltern nicht leisten, daher wären Fördervereine sehr hilfreich“, weiß der 46-Jährige. Was ihn am Tennis fasziniert? „Das Interessante ist das Strategische. Es ist wie im Leben: Es gewinnt nicht immer nur der Beste, sondern der strategisch Denkende. Es bleibt stets abzuwarten, ob ein Spieler seinen Gegner aus dem Rhythmus bringen und ihn ablenken kann“, antwortet Kerber.

Obwohl die Popularität des Tennissports seit dem Karriereende von Boris Becker und Steffi Graf abgenommen hat, stellt Slawomir Kerber zumindest ein Interesse auf konstantem Niveau fest: „Tennis war beliebt und wird es bleiben. Wenn es einem deutschen Spieler oder einer Spielerin gelingt, einen Grand Slam zu gewinnen, boomt der Sport auch in der öffentlichen Wahrnehmung wieder.“

Die immer noch vorherrschende Beliebtheit des Spiels spiegelt sich auch in der Mitgliederzahl des TC Boostedt wider. „Konstant haben wir etwa 100 Kinder im Verein, die regelmäßig trainieren“, verrät Christine Zeller, seit dem Frühjahr gemeinsam mit Kirstin Fandrey Jugendwartin des Clubs. Es gibt neun Jugendmannschaften, die an Punktspielen teilnehmen, darunter sind auch Kinder aus der Bezirksliga. „Zusammen mit den Erwachsenen sind wir der Club mit den meisten gemeldeten Mannschaften im Bezirk Ost“, erklärt Fandrey, die besonders auf die Familienfreundlichkeit des TC Boostedt Wert legt.

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