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Fussball : „Die Schiedsrichter sind entsetzt“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Aussagen von Ruthenbergs „Co“ Winfried Wodatscheck wirbeln viel Staub auf. Andere Trainer können sich eine Manipulation nicht vorstellen.

Der Schiedsrichterausschuss des Kreisfußballverbandes (KFV) Neumünster hat Stellung zu den Vorwürfen von Ruthenbergs Co-Trainer Winfried Wodatscheck genommen und dabei einige Aussagen widerlegt, die der 62-Jährige gegenüber dem Courier getätigt hatte.

Aslan Gastrock als Mitglied des Schiedsrichterausschusses etwa betonte, dass es ihm unbekannt sei, dass wegen Meckerns mehr Gelbe Karten gezogen würden: „Mir ist diese Thematik neu. Regeltechnisch gibt es nichts Neues, und wir haben die Schiedsrichter nicht dazu angehalten, mehr Karten zu ziehen. Ich messe dem Ganzen daher auch nicht so viel Bedeutung bei. Es wäre etwas anderes, wenn zum Beispiel ein renommierter Trainer dazu Stellung beziehen würde. Es ist aber auch so, dass wir uns Wochenende für Wochenende auf den Platz stellen, um die Spiele zu ermöglichen und müssen uns dann ständig volllabern lassen.“ Süffisant verwies Gastrock im Übrigen auf die aktuellen Fairplay-Tabellen der Kreisliga und Kreisklasse A, in denen die erste und zweite Mannschaft von Wodatschecks Verein Ruthenberg jeweils am Ende zu finden ist.

Außerdem entkräftete der Verbandsligareferee die Forderung Wodatschecks, unangemeldet Beobachter zu den Spielen zu entsenden: „Das machen wir bereits, und uns ist kein Schiedsrichter besonders negativ aufgefallen. Ich sehe wenig Handlungsbedarf.“ Auch die Treffen der Spielleiter verlaufen nach Gastrocks Meinung ganz anders, als es Wodatscheck behauptet: „Die Lehrabende sind immer sehr interessant. Alle hören diszipliniert zu und diskutieren. Es macht wirklich Spaß.“ Zudem habe der Schiedsrichterausschuss bei seiner Neustrukturierung 2007 eine schwierige Ausgangsposition gehabt, ja sogar bei null anfangen müssen und sei nun auf einem guten Weg, betonte Gastrock.

Hubert Kessler, erfahrener Referee und Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses Neumünster, bezeichnete die Aussagen Wodatschecks als „absolute Frechheit“ und sprach stellvertretend für die „23. Männer“ in der Schwalestadt: „Nicht nur ich bin entsetzt, alle anderen Unparteiischen aus Neumünster sind es auch.“ Kessler kündigte eine ausführliche Stellungnahme für die kommenden Tage an, ließ es sich jedoch nicht nehmen, vorab klipp und klar zu betonen: „Wir haben definitiv niemanden rausgeekelt. Wir haben uns in der Vergangenheit lediglich von den Schiedsrichtern getrennt, die entweder besoffen gepfiffen oder Lehrabende nicht besucht haben.“

In einer Courier-Blitzumfrage äußerten sich gestern einige Verantwortliche aus der Kreisliga zu den Vorwürfen von Wodatscheck. „Ich kann die Aussagen zu nullkommanull Prozent bestätigen. Kein Schiedsrichter pfeift derart, dass eine bestimmte Mannschaft nicht gewinnen kann“, sagte Kay Valentin, der Trainer des Polizei-SV Union II. „Die Schiedsrichter sind so gut, wie unsere Mannschaften Fußball spielen. Sie haben halt nur Kreisliganiveau. Auch ist es schwierig für sie, Abseitspositionen zu erkennen, schließlich leiten sie die Partien ohne Assistenten“, brach der Coach der „Ordnungshüter“ eine Lanze für die Referees. Einen Kritikpunkt fand Valentin allerdings doch: „Für meinen Geschmack werden persönliche Strafen, also Gelbe Karten oder Platzverweise, zu schnell verhängt. Vielleicht sollte man die in einer ersten Emotion getätigten Aussagen eines Spielers auf dem Platz oder eines Verantwortlichen an der Linie nicht immer gleich auf die Goldwaage legen.“

In ein ähnliches Horn blies Björn Sehm, der Übungsleiter des TSV Gadeland II. Er meinte: „Auf keinen Fall dreht ein Unparteiischer es so hin, dass ein bestimmtes Team nicht siegen kann. Klar, hier und dort entsteht manchmal das Gefühl, dass ein Schiedsrichter überfordert ist. Aber jeder von ihnen ist im Spiel ganz alleine davor. Ohne Assistenten an den Linien ist das ein ganz schwieriger Job.“

Ein wenig zwiegespalten ist man im Lager des VfR II. Trainer Matthias Hansen, der gerade zu einer Geldstrafe in Höhe von 75 Euro plus 25 Euro Verfahrenskosten verurteilt wurde, weil er mit einem Schiedsrichter aneinander geraten war, wünscht sich nach eigenem Bekunden mehr Fingerspitzengefühl. „Von uns Mannschaften wird Fairplay verlangt, aber uns gegenüber sollte man ebenfalls fair auftreten. Leider wird oftmals auch mit zweierlei Maß gemessen“, merkte der Ex-Boostedter an. Dass ein Unparteiischer in Neumünster eine Partie bewusst in eine Richtung steuert, hielt allerdings auch Hansen für ausgeschlossen.

Zu den Verantwortlichen, die generell kritische Töne nicht scheuen, zählt Dennis Keyser. Der Obmann des SC Gut Heil erklärte gegenüber dem Courier: „Natürlich gibt es hier und dort mal etwas zu meckern. Schließlich werden auch immer mal Fehlentscheidungen gefällt, die einem nicht schmecken. Doch dass bei einem Unparteiischen eine Absicht vorliegt, ein Team bewusst zu benachteiligen, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.“

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erstellt am 10.Okt.2013 | 12:00 Uhr

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