Pferdesport : Der Zuschauer hat das Wort

Blicken den VR Classics in den Holstenhallen entgegen: die finnische Weltcup-Reiterin Emma Kanerva, Dressur-Ausbilder Jürgen Böckmann und Turnierchefin Bettina Schockemöhle (v. li.).
Blicken den VR Classics in den Holstenhallen entgegen: die finnische Weltcup-Reiterin Emma Kanerva, Dressur-Ausbilder Jürgen Böckmann und Turnierchefin Bettina Schockemöhle (v. li.).

Beim internationalen Reitturnier in den Holstenhallen dürfen sich die Fans per App als Richter versuchen.

shz.de von
18. Januar 2017, 14:00 Uhr

Als schönster Pferdetreffpunkt in Schleswig-Holstein gilt in jedem Frühjahr das internationale Reitturnier VR Classics. Das wird auch vom 16. bis zum 19. Februar so sein, wenn in den Holstenhallen internationaler Springsport und der FEI World Cup Dressage angesagt sind. Vier Mal geht es dann um Weltranglistenpunkte im Springen, absoluter Höhepunkt ist der Große Preis. Die Schwalestadt ist zudem die siebte von neun Stationen des FEI World Cups Dressage und eine der beliebtesten dazu. Der Weg ins Finale im US-amerikanischen Omaha/Nebraska (27. März bis 2. April) führt über Neumünster. Insgesamt rund 270 000 Euro Preisgeld werden bei den VR Classics vergeben, der Etat des Traditionsturniers liegt bei 960 000 Euro.

Vier Wochen vor Beginn des 67. internationalen Turniers stehen die ersten Teilnehmer fest – und die kommen aus dem Norden. Sowohl Carsten-Otto Nagel (Wedel), der 2003 den Großen Preis mit Elwood gewann, als auch Janne Friederike Meyer (Hamburg), Björn Nagel (Friedrichskoog) und Theresa Ripke (Steinfeld) werden die Holstenhallen erobern. In der Dressur dürfen sich die Fans von Piaffen und Passagen unter anderem von Juliane Brunkhorst (Hamburg), aktuell 13. im Weltcup, dem dreimaligen Landesmeister Wolfgang Schade (Hamburg) und dem Nachwuchskadermitglied Franziska Schwiebert (Kattendorf) freuen. Des Weiteren zeigte sich Turnierchefin Bettina Schockemöhle gestern zuversichtlich, dass auch die zurzeit Führenden im World Cup, Judy Reynolds (Irland) und Kristy Oatley (Australien), in Neumünster satteln werden. Die deutschen Dressur-Topstars Fabienne Lütkemeier (Paderborn) und Isabell Werth (Rheinberg) könnten ebenfalls wieder in den Holstenhallen dabei sein.

Natürlich gibt es auch 2017 neue Reize. So wird erstmals anstelle des Knock-Out-Springens eine Barrierenspringprüfung Bestandteil am Sonnabend sein. Dort stehen vier von sechs Hindernissen in dichter Reihe und wachsen von Runde zu Runde in die Höhe. Spektakulär ist diese Prüfung zum einen wegen der Hindernishöhe und zum anderen wegen des sportlichen Anspruchs.

Richtig interessant wird es dank moderner Technik: Zum ersten Mal kommt bei den VR Classics „Spectator Judging“ zum Einsatz. Das heißt: Auf den Tribünen können Zuschauer mitrichten, und ihre Bewertungen werden erfasst. Dafür wurde eine App namens „Spectator Judging“ entwickelt. Sie ermöglicht es den Zuschauern, jeden einzelnen Ritt zu werten und Noten zu vergeben. Das geht bei den Dressurprüfungen zum Championat der Pferdestadt Neumünster, bei der Grand Prix-Qualifikation zur FEI World Cup Kür oder in der Weltcup-Kür selbst. Im Google Play Store und im App Store kann die Anwendung kostenfrei heruntergeladen werden. Spannend dürfte es sein, zu sehen, ob Richter und Fans voneinander abweichen. Denn das Zuschauervotum wird auf der Anzeigetafel eingeblendet. „Das finde ich total interessant. Denn auch wir Reiter werten in Gedanken immer mit und wundern uns so manches Mal über das Ergebnis der Richter“, lachte im Rahmen eines gestrigen Pressegesprächs die finnische Dressurreiterin Emma Kanerva. Ausbilder Jürgen Böckmann lobte derweil die Bedingungen: „Das Turnier in Neumünster ist so beliebt, weil du jeden Tag trainieren kannst. Denn es ist genug Platz vorhanden, da haben die Hallenbauer wirklich ans Pferdewohl gedacht. Und auch die große Halle mit dem Rundgang über den Stehplätzen ist ein dickes Plus. Man kann mit Bekannten fachsimpeln, ein Bier trinken und gleichzeitig Sport erleben – das ist absolut top.“

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