Knockout : Blümles Titeltraum platzt nach wenigen Sekunden

Noch guter Dinge: Frank Blümle (li.) im Duell mit dem Belgier Joel Tambwe Djeko.
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Noch guter Dinge: Frank Blümle (li.) im Duell mit dem Belgier Joel Tambwe Djeko.

Der Profiboxer aus Neumünster geht bei seinem EM-Kampf in Gent bereits in Runde eins k.o. Unstimmigkeiten im Vorfeld sorgen für Irritationen.

shz.de von
23. Juni 2014, 07:08 Uhr

Damit hatte der Neumünsteraner Boxer Frank Blümle nicht gerechnet: Acht Wochen Vorbereitung waren bereits nach wenigen Sekunden umsonst. In seinem ersten Profi-Titelkampf überhaupt ging der 29-Jährige bereits in der ersten Runde auf die Bretter. Damit verpasste der Neumünsteraner den Europameisterschaftstitel im Cruisergewicht (bis 90 Kilogramm) beim IBA Intercontinental in Gent (Belgien) gegen Lokalmatador Joel Tambwe Djeko.

Nach sechseinhalb Jahren Pause und dem Comeback im Jahr 2012 hatte sich Blümle ins Rampenlicht zurückgekämpft – und ziemlich schnell das Angebot für diesen Titelkampf bekommen. Dass mit Djeko ein deutlich größerer und kräftigerer Gegner wartete, wusste der 29-Jährige, der eigentlich schon zum Jahreswechsel eine Klasse tiefer ins Halbschwergewicht wechseln wollte. Doch Blümle nahm noch das verlockende Angebot vom TV-Sender Eurosport an, der den Titel-Fight am Freitagabend aus der Tolhuis Arena übertrug.

„Wir wollten den Kampf so lange wie möglich gestalten. In die ersten drei Runden legt Djeko immer viel Feuer rein, und ich wollte ihn sich auspowern lassen. Das hat ganz gut geklappt, bis ein Ding gesessen hat“, schilderte Blümle aus seiner Sicht den einen schweren und entscheidenden Kopftreffer, der ihn früh zu Fall gebracht hatte. Warum Blümle am Boden liegen gelassen wurde, während Djeko auf der anderen Seite schon feierte, wusste auch der Neumünsteraner nicht so richtig zu beantworten. „Der Ringarzt war nicht mehr der Jüngste. Die Leute aus meinem Team waren vielleicht erst einmal geschockt, weil bis dahin alles gut geklappt hatte“, so Blümle.

Eine ganze Menge an Unstimmigkeiten sorgte aber auch schon im Vorfeld des Titelkampfes für Irritationen. Das Blümle-Team wurde in getrennten Hotels untergebracht und hatte eine Stunde Fahrtzeit, um alle einzusammeln. Und der letzte Motivationsschub vor dem Kampf für einen Boxer missriet auch: Für den Schwalestädter gab es die falsche Einmarschmusik. Darauf angesprochen habe der Veranstalter lediglich gefragt, ob Blümle für die Musik oder zum Boxen da sei. In der fast leeren Halle entwickelte sich obendrein eine seltsame Atmosphäre. Dass dann aber noch als deutsche Nationalhymne die erste Strophe gespielt wurde, hatte einen ganz besonders faden Beigeschmack – und sorgte bei Blümle in dem Moment nur noch für Kopfschütteln.

Der Linksausleger wollte nicht nach Ausreden für die Niederlage suchen. Dennoch hinterließen die Rahmenbedingungen nicht nur beim Zuschauer einen wundersamen Eindruck. „Das sind letztlich so viele Faktoren, die einen im Kopf schon vorher kaputt machen“, erklärte Blümle.

Eine zweite Chance auf einen Titelkampf ist dem Neumünsteraner von Eurosport aber bereits zugesagt worden. Nach ein bis zwei Aufbaukämpfen tritt Blümle dann im Halbschwergewicht an.

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