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Tennis : Auf der Suche nach der Form

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Neumünsters Profispielerin Mona Barthel ist nach gesundheitlichen Problemen noch nicht wieder die Alte.

Es ging schon stramm auf die Geisterstunde zu. Neumünsters Vorzeige-Tennisspielerin Mona Barthel und Trainer Sönke Capell steckten tief in der Nacht noch immer die Köpfe zusammen. Beide analysierten am Rande des größten deutschen Damentennisturniers in Stuttgart intensiv Barthels Erstrundenschlappe gegen Carina Witthöft (Hamburg/wir berichteten).

Auch die sechste Auftaktniederlage der Saison ist für den Neumünsteraner Coach und seinen in der Weltrangliste auf Platz 39 postierten Schützling noch kein Grund, zu nachtschlafender Stunde auf die Beschwörung der guten Geister oder andere magische Rituale zu setzen. Vielmehr geht es um harte Arbeit, die Barthel leisten muss, um ihre spielerische Klasse wieder regelmäßig auf den Platz zu bringen.

„Mona hatte nach ihrem Bänderriss im Dezember mit vielen Erkrankungen zu kämpfen. Andere Spielerinnen auf der Tour hatten nicht einen solch substanziellen Verlust. Ich stehe zu 100 Prozent hinter ihr, weil ich den Menschen kenne“, analysierte Capell, der keine Ausreden liefern, aber dennoch auf die zahlreichen gesundheitlichen Problemen der Schwalestädterin aufmerksam machen wollte. Barthels Krankenakte ist in diesem Jahr tatsächlich deutlich dicker als die Liste ihrer Erfolge. Nachdem im Dezember 2014 ein Bänderriss im Sprunggelenk die Saisonvorbereitung gestört hatte, fing sich Barthel auf dem Flug nach Australien eine Lebensmittelvergiftung ein, durch die sie eine Woche lang im Bett lag. Im Februar beendete in Antwerpen nach einem bemerkenswerten Sieg gegen die Weltranglisten-Siebte Eugenie Bouchard (Kanada) ein fiebriger Infekt den Lauf der Tungendorferin. „Sie kam krank zu den Turnieren nach Dubai und Doha. Ihr Körper war schon in dieser frühen Saisonphase ausgezehrt. Mona hat nun mal nicht die Reserven wie eine Serena Williams“, erklärte Capell und verwies auf weitere Krankheiten bei den Turnieren in der amerikanischen Hitze von Miami und Charleston.

Nach der Rückkehr aus den Staaten kam Barthel in Neumünster wieder zu Kräften, arbeitete an ihrer Fitness und hinterließ beim Training auf dem Sandplatz der Molfseer Tennishalle einen guten Eindruck. „Ich hätte gerne vor heimischem Publikum besser performed“, gab Barthel nach einem Spiel gegen Witthöft, in dem sie nie zu ihrem Rhythmus gefunden hatte, zu Protokoll. „Mona war schon ziemlich nervös. Es war nicht einfach, gegen eine andere Deutsche zu spielen. Ihr fehlten die Konsequenz und Konstanz auf einem hohen Level gegen eine sehr solide spielende Carina Witthöft“, erkannte Capell, während Barthel die entscheidende Erkenntnis der nächtlichen Analyse lieferte: „Ich muss lernen zu akzeptieren, dass es nicht jeden Tag zu Toptennis reicht. Ich muss herausfinden, welche Möglichkeiten mir zur Verfügung stehen“, sagte die Neumünsteranerin, die sich in den kommenden Wochen bis zu den French Open in Paris noch in Marrakesch, Madrid, Rom und Straßburg die fehlenden Matchpraxis holen will. Außerdem geht es darum, einen spielerischen „Plan B“ zu ihrem offensiven und kreativen Spiel zu entwickeln, der mehr Konstanz, Erfolgserlebnisse und dadurch auch verlorenes Selbstvertrauen zurückbringen soll. „Richtig konstant spielen eigentlich nur die Top Ten. Ich bin der Überzeugung, dass Mona ihr bestes Tennis im Alter von 26 bis 28 Jahren spielen wird“, wagte Capell abschließend einen Blick in die Glaskugel.

Barthel arbeitet also weiter hart daran, schon bald nicht mehr mit dem Vorwurf konfrontiert zu werden, ihr großes Potenzial nicht vollständig auszuschöpfen. Diesen Satz kann die Neumünsteranerin nämlich nicht mehr hören. Vielleicht hilft ihr am Ende ja doch ein kleiner Schuss Magie, damit die guten Geister endlich die Rückschläge zu Konstanz vereinen. Verantwortlich dafür: die Nacht von Stuttgart.

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erstellt am 24.Apr.2015 | 15:00 Uhr

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