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Fussball-regionalliga Nord : 0:3 – Die VfR-Saison mutiert zu einem Drama

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die klare Niederlage in Rehden bedeutet die sechste Rasensport-Pleite hintereinander.

Das halbe Dutzend ist voll. Fußball-Regionalligist VfR Neumünster kassierte mit einem 0:3 (0:1) beim BSV Schwarz-Weiß Rehden seine sechste Niederlage in Folge, erzielte in diesem Zeitraum 1:12 Tore. Rasensport bleibt Drittletzter und verrät mit seiner personell völlig ausgebluteten Mannschaft eine Tendenz, die den Anhängern der Lila-Weißen eine Gänsehaut nach der anderen auf den Rücken treibt.

Nach gerade mal 100 Sekunden in den Rehdener Waldsportstätten konnte Uwe Erkenbrecher seinen Schlachtplan schon in die Tonne werfen. „Wir hatten uns vorgenommen, defensiv gut zu stehen und gut anzufangen“, berichtete der Trainer des VfR nach seiner vierten Pleite im vierten Spiel als Verantwortlicher. „Und nach zwei Minuten steht es schon 0:1 – das ist psychologisch natürlich nicht gerade gut.“ Genauer gesagt: Es war ein Fehlstart nach Maß, der 88 Minuten später in einer klaren Niederlage beim in diesen Jahr bisher erst einmal siegreichen Kontrahenten Rehden mündete. VfR Neumünster 2014, das ist ein Drama in anscheinend noch nicht absehbar vielen Akten.

Erster Akt: Die Dienstreise ins Dorf zwischen Bremen und Osnabrück hatte bereits unter schlechten Vorzeichen begonnen: Nur 15 Spieler stiegen mit Erkenbrecher in den Mannschaftsbus, einschließlich Ersatztorwart Jannis Gabrielides und Emmanuel Amoako aus der „Zweiten“. Letzterer hat am 28. Mai 2008 sein bislang letztes Spiel für das VfR-Ligateam bestritten. Zu den bereits bekannten Ausfällen gesellten sich am Sonnabend Gentian Durak (Verdacht auf Lebensmittelvergiftung) und der nach Berlin übergesiedelte, bis zum Saisonende aber dennoch fest eingeplante Patrick Christophersen. „Er ist nicht erschienen – eine unmögliche Situation“, polterte Erkenbrecher und ergänzte: „Die Personalsituation ist momentan sehr, sehr schwierig.“ Am Ende konstatierte der Gästecoach: „Aber man muss anerkennen, dass Rehden die bessere Mannschaft war und wir sehr große Probleme hatten, in letzter Konsequenz die richtige Entscheidung zu treffen.“

Damit zum zweiten Akt: Die mangelnde Konsequenz zeigte sich bereits nach jenen 100 Sekunden, als Kevin Schulz zu zögerlich gegen Kevin Artmann vorrückte. So durfte der BSV-Kapitän zu Boris Koweschnikow durchstecken, und der ließ Rasensport-Schlussmann Marc Aaron Kassler mit seinem Schlenzer aus kurzer Distanz keine Chance. Die Lila-Weißen schüttelten sich schnell: Christian Rave zwang BSV-Keeper Celio Rocha nach Zuspiel von Felix Schlagelambers zur Glanzparade (24.), Marco Schultz fand in Rocha ebenfalls seinen Meister (34.). Rehden brachte bis dahin wenig Zwingendes zu Stande, und nach dem abrupten Abstoppen von Alexander Neumann bei einem Laufduell mit dem fleißigen VfR-Kapitän Finn Thomas schien eine Gefahr gebannt: Rehdens einzige Spitze ging mit schmerzverzerrtem Gesicht und Muskelfaserriss vom Platz.

Doch es folgte des Dramas dritter Teil – in Person des für Neumann eingewechselten Danny Arend. Der Offensivmann legte gut drei Wochen nach seinem verletzungsbedingten Ausfall ein bärenstarkes Comeback hin, fühlte sich in Rehdens Sturmzentrum sichtlich wohl, scheiterte zunächst zwei Mal an Kassler (45./48.), ehe es der 26-Jährige erstmals klingeln ließ. Als Statist in diesem vierten Teil des Dramas wirkte Yannik Jakubowski mit: Neumünsters Innenverteidiger hatte einen langen Ball gegen Kiala Kifuta schon abgelaufen, doch der Kongolese eroberte sich die Kugel kurz vor der Grundlinie zurück, spielte quer zu Arend, und der vollstreckte zum 2:0 (65.). „Für einen, der bis dahin so eine hervorragende Leistung gebracht hat, ist das natürlich bitter“, seufzte Erkenbrecher mit Blick auf Jakubowski.

Doch mit Blick auf die erste Viertelstunde des zweiten Durchgangs ging die Vorentscheidung für Rehden in Ordnung. Arend hatte nach feinem Pass von Artmann das frühere 2:0 vergeben (49.), Neumünster hingegen reagierte ideen- und harmlos auf zunehmend druckvollere Platzherren. „Wir haben momentan nicht die Mentalität, die man braucht“, monierte Erkenbrecher die Einsatzbereitschaft seines Teams, das mitten im Abstiegskampf mit nur einer Gelben Karte auskam. „Hinzu kommt, dass wir nicht robust genug und in der körperlichen Präsenz sehr unterlegen sind.“

So stoppte Rehdens starke Innenverteidigung mit Stefan Heyken und Michael Wessel fast alle VfR-Angriffe, die meist durchs Zentrum anliefen, schon vor dem Strafraum. Die größte Chance vergab der aufgerückte Kevin Schulz mit einem Pfostenschuss (84.). Doch es sollte nicht sein in diesem Drama, das 40 mitgereiste VfR-Fans verfolgten. Letzter Akt des Tages: Arends zweites Tor, per Steilpass von Florian Stütz bedient, am herausgelaufenen Kassler und Bodo Bönigk auf der Linie vorbei zum 3:0 (87.). „So ein Comeback wünsche ich mir auch mal auf unserer Seite“, sagte Erkenbrecher mit einem gequälten Lächeln. Die VfR-Anhänger dürften diesen Wunsch teilen.


BSV Rehden – VfR 3:0 (1:0)

BSV Schwarz-Weiß Rehden: Rocha - Pekrul, Wessel, Heyken, Hegerfeld - Winkelmann, Koweschnikow (79. Fidan) - Kifuta, Artmann, Hirooka (56. Stütz) - Neumann (39. Arend).

VfR Neumünster: Kassler - Thomas, Jakubowski, K. Schulz, Michalowski - Ingreso, Bönigk - Rave, Schlagelambers (75. Zschimmer), M. Schultz (65. Ju) - Zekjiri.

Beste Spieler: Arend, Wessel, Artmann, Koweschnikow - Kassler, Thomas. – SR: Eichhorst (Hasede). – Zuschauer: 450. – Tore: 1:0 Koweschnikow (2.), 2:0 Arend (65.), 3:0 Arend (87.). – Gelbe Karten: Artmann (82., Unsportlichkeit) - Bönigk (22., Foulspiel). – Spielwertung: befriedigend. – Nächster VfR-Gegner: BV Cloppenburg (H/Sonntag, 15 Uhr).

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