Football-Stipendium : Talent der Elmshorn Fighting Pirates nimmt Kurs auf die USA

Der Abflug rückt näher: Ab September bestreitet Junior-Pirat  Erik Bockisch seine Tackle in den USA.
Der Abflug rückt näher: Ab September bestreitet Junior-Pirat Erik Bockisch seine Tackle in den USA.

Erik Bockisch von den Elmshorn Fighting Pirates erhält ein Stipendium in Connecticut. Vor dem Abflug wächst die Aufregung.

shz.de von
07. Juni 2018, 12:20 Uhr

Elmshorn | Nein, ein Kerl, der 1,92 Meter misst und dabei im besten Kampfgewicht 130 Kilogramm auf die Waage bringt, braucht sich eigentlich vor nichts und niemanden zu fürchten. Auch nicht, wenn der Kerl erst 16 Jahre alt ist.

Das trifft auf Erik Bockisch nur zu sehr zu. Der Barmstedter Schüler steht bei den Elmshorn Fighting Pirates in der Offense-Line der B-Jugend-Mannschaft, die in der Regionalliga mit zwei Siegen aus vier Spielen einen ordentlichen Start hingelegt hat.

Football-Stipendium in den USA

Erik Bockisch fürchtet sich weder vor an ihm abprallenden Gegenspielern ähnlichen körperlichen Kalibers noch vor Veränderungen in seinem Leben. Knapp drei Monate sind es noch hin, dann siedelt er für mindestens ein Jahr in die USA über. An der Salisbury Highschool will er seinen nächsten Abschluss machen.

Möglich macht dies ein Stipendium – und das hängt natürlich unmittelbar mit seiner sportlichen Leidenschaft American Football zusammen. Einen solchen Brechen haben auch die Amis gern in ihrer Schulmannschaft. In den Vereinigten Staaten ist der Sport für Jugendliche praktisch kaum im Verein, sondern im Highschool- und College-Bereich organisiert.

Bockisch nimmt einen Weg in die Staaten, den ihm vor einem Jahr sein Mannschaftskamerad Neville Krüger aus Glückstadt vorgemacht hat. Der Barmstedter hat sich das Stipendium über den einst in der National Football League (NFL) aktiven ehemaligen deutschen Profi Björn Werner vermitteln lassen.

US-Schulen buhlen um den Barmstedter

Der Weg begann vor einem Jahr mit einem Showcase in Bayern – im Grunde genommen ein normales Training, bei dem aber viele amerikanische Coaches zugesehen haben. „Am ersten Tag war ich richtig frustriert, aber der zweite Tag ist viel besser gelaufen“, erzählt Bockisch.

Anschließend legte er ein Online-Profil inklusive Video seiner besten Spielszenen an. Die müssen beeindruckend gewesen sein. „Mich haben 25 Schulen angeschrieben“, so Bockisch. Mit zehn nahm er per Video-Telefonat näheren Kontakt auf. Darunter war auch die Linsly Highschool, die Neville Krüger besucht.

Seine Wahl fiel letztlich aber auf die Salisbury School im Bundesstaat Connecticut. „Ich erhalte dort ein Komplett-Stipendium“, erzählt Bockisch. Heißt: Er muss keine Schulgebühr bezahlen – und die liegt je nach Schule im mittleren bis höheren fünfstelligen Euro-Bereich.

Bockisch nicht der einzige Deutsche an der Schule

In Vincent Sprenger von den Hamburg Blue Devils trifft er dort auf einen flüchtigen Bekannten, gegen den er in der Vergangenheit schon gespielt hat. „Das ist ein Vorteil, weil er mir viel zeigen kann“, so Bockisch. Er wiederholt dort die zehnte Klasse.

Wenn alles gut läuft, kann er bis zu zwei weitere Jahre anhängen und seinen Highschool-Abschluss machen. Noch sind die USA aber Zukunftsvision. Im Hier und Jetzt bereitet er sich an der Barmstedter Gottfried-Semmler-Schule auf seinen Realschulabschluss vor.

Aufregung wächst

Und doch lassen sich die Gedanken an den Abflugtag (3. September) nicht wirklich verdrängen. „Ich werde jede Woche etwas aufgeregter“, gesteht der sanfte Hüne und verbindet dies mit einem großen Dank an seine Eltern.

Sportlich hat der Blondschopf in jungen Jahren Fußball gespielt, ehe er vor drei Jahren mit einem Freund das erste Probetraining bei den Fighting Pirates besuchte. Schnell fand er sich in der Offensive- und in der Defensive-Line, deren Spieler sich vor der Spieleröffnung (Snap) gegenüberstehen, wieder. „Auf der Position geht es darum, physisch da und vom Kopf her beweglich zu sein. Man muss das Spiel verstehen“, sagte er.

Sprache kein Problem, Respekt vor Mathe

Das tut er. Bereits sein erster Trainer, Julian Pelka, versprach ihm in seiner Premieren-Saison: „Erik, ich bring dich nach Amerika.“ Was einst vielleicht flapsig gemeint war, wird bald ernst – und hat nur eine kleine Schattenseite: Von August an darf Erik Bockisch seinen Pirates auf dem Feld in der Regionalliga nicht mehr helfen. Ansage der Salisbury School aus Angst vor Verletzungen.

Der Schüler selbst hat keine Angst, auch nicht vor der Sprache: Englisch, mit Slang. „Mit den Trainern habe ich schon gesprochen, das hat gut geklappt“, sagt er – und gesteht dann doch eine kleine Schwäche ein: „Bei Mathe könnte es mit den Fachbegriffen problematisch werden.“ Doch auch davor braucht er sich nicht zu fürchten.

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