Abschied aus Elmshorn : Schwimm-Talent Lea Boy lebt jetzt in Würzburg

Lea Boy (18) steht vor ihrer vierten JEM-Teilnahme, die zugleich die letzte in Diensten des Swim-Team Stadtwerke Elmshorn sein wird. Sie wechselt zum SV Würzburg 05.
1 von 2
Lea Boy (18) steht vor ihrer vierten JEM-Teilnahme, die zugleich die letzte in Diensten des Swim-Team Stadtwerke Elmshorn sein wird. Sie wechselt zum SV Würzburg 05.

Die Freiwasser-EM auf Malta ist für Boy der letzte Wettkampf für das Swim-Team Stadtwerke Elmshorn. Im Interview begründet sie ihren Wechsel.

shz.de von
12. Juli 2018, 12:00 Uhr

Elmshorn | Es ist alles vorbereitet für die Junioren-Europameisterschaft der Freiwasser-Schwimmer. Für Lea Boy hieß es in den vergangenen Tagen aber nicht nur, sich auf diesen Wettkampf einzustellen, sondern auch auf ihren nächsten Lebensabschnitt.

Mit der an der KGSE erreichten Fachhochschulreife in der Tasche verlässt die 18-Jährige Elmshorn. Sie wechselt an den Bundesstützpunkt zum SV Würzburg 05.

Dort hat sie bereits eine Zwei-Zimmer-Wohnung bezogen, die sie sich mit Jeanette Spiwoks teilt, die vergangenes Jahr die JEM-Vorbereitung in Elmshorn mitgemacht hat und von Essen ebenfalls nach Würzburg gegangen ist.

 

Chancenlos an der Platte

Lea Boy und ihre Zwillingsschwester Laura haben vor mehr als zwölf Jahren gemeinsam mit dem Schwimmen begonnen. Die sportlichen Interessen haben sich unterschiedlich entwickelt.

Laura spielt seit einigen Jahren Tischtennis beim TTC Seeth-Ekholt, für den sie in der Verbandsliga antritt. „Wir spielen ab und zu mal, aber – keine Chance. Ballsportarten waren noch nie so mein Ding“, sagt Lea Boy.

Lea hat sich unter den Fittichen von Cheftrainer Jörg Freyher beim Swim-Team Stadtwerke Elmshorn zu einem der hoffnungsvollsten deutschen Freiwassser-Talenten entwickelt, das spätestens in sechs Jahren auf die Olympia-Teilnahme hofft. Im Interview spricht sie über die Gründe für den Wechsel, die Erwartungen für die am Freitag beginnende JEM und die einen Monat später anstehende Europameisterschaft der offenen Klasse.

Gibt es eine Wertigkeit zwischen diesen beiden Wettkämpfen?

Lea Boy: Die JEM ist in meinem Altersbereich das größte, aber es ist für mich nicht mehr so wichtig, weil ich die große EM schwimme. Klar freue ich mich, wenn ich auf Malta eine Medaille gewinne, aber die EM ist wichtiger.

Wie sieht die unmittelbare Vorbereitung auf die JEM aus?

Wir sind letzte Woche nach Würzburg gefahren und haben die Wohnung bezogen. Am Sonntag sind Jörg (Freyher, d. Red.) und die anderen Trainer mit allen Sportlern gekommen. Dann hatten wir drei Tage Training und Vorbereitung in Würzburg, ehe wir zusammen ab Frankfurt geflogen sind.

Das Training selbst findet hauptsächlich im Becken statt?

Ja. Vorher sind wir eigentlich gar nicht im Freiwasser. Wir haben hier in Elmshorn nicht die Möglichkeit, aber ob du jetzt im Becken schwimmst oder dort, macht nicht so den Unterschied. Da sind die Weltcups wichtiger, denn Wettkämpfe sind die beste Übung fürs Freiwasser.

Das heißt, die Massenrennen und Positionskämpfe, die das Freiwasser so vom Beckenschwimmen unterscheiden, kann man im Training gar nicht simulieren?

Nein. Im Wettkampf ist es immer unterschiedlich. Das kann man nicht simulieren. Wir haben mit Arti (Krasniqi, ebenfalls STE, die Red.) vor den Deutschen Meisterschaften für die Staffeln ein bisschen Sog-Schwimmen gemacht, aber das ist auch nicht das Wahre. Du schwimmst immer hinter einem her, aber es kommt dir niemand zu nahe.

Wie trainieren Sie sich den Ellenbogen an, der im Freiwasser dann und wann ja auch mal ausgefahren wird?

Gar nicht, denn eigentlich haue ich nicht zurück. Nur wenn es wirklich nicht aufhört, dann einmal richtig. Man muss sich dagegen wehren, aber so, dass es noch im Rahmen ist. Die Gelbe Karte muss nicht unbedingt sein. Das zweite ist Gelb-Rot und dann bist du raus.

Wie wichtig ist es für die JEM, dass Jörg Freyher als Trainer mitkommt?

Es ist der letzte Wettkampf, bei dem er speziell auch als mein Trainer mitfährt. Das ist schon gut. Er weiß seit sieben Jahren, was ich noch vorher brauche und was eben nicht. Er kann mir dementsprechend sagen: Mach hier einen Kilometer mehr oder da einen weniger.

Vom eigenen Gefühl her: Was brauchen Sie vor einem Wettkampf?

Eher mehr schwimmen als weniger. Weil die Rennen so lang sind, kommt es zu Beginn nicht so auf die Geschwindigkeit an. Wenn es über sechs Runden geht, sind die ersten zwei Runden eigentlich mehr Einschwimmen. Dritte, vierte Runde muss man aufpassen und dann geht es zum Schluss hin los.

Schwingt auch ein bisschen Wehmut mit, dass Sie Elmshorn verlassen haben?

Ja, denn es ist ja eine ganz schön lange Zeit gewesen. Ich habe dem STE viel zu verdanken. Es ist schon schade, aber ich denke, man muss diesen Schritt gehen, um weiterzukommen.

Können Sie die Gründe für den Wechsel nach Würzburg näher erläutern?

Die Trainingsumfänge, die fällig werden, wenn man EM und WM schwimmen möchte oder auch im Hinblick auf Olympia, sind in Elmshorn einfach nicht realisierbar. Wir haben hier gar nicht die Möglichkeiten, so oft ins Wasser zu gehen.

Viele ältere haben aufgehört. Finnia Wunram und Rob Muffels sind weg. Thore Bermel ist weg. Es gibt keine Trainingspartner mehr und ich war jetzt sieben Jahre bei Jörg. Wie soll ich sagen? Neue Reize muss man auch irgendwann mal haben.

Provokant gefragt: Warum der Wechsel erst jetzt, wenn die von Ihnen angesprochenen Schwimmer alle in jüngeren Jahren gegangen sind?

Das Thema gab es schon früher. Ich war mal eine Woche in Magdeburg, aber dort hat es mir nicht gefallen. Vor eineinhalb Jahren gab es das Gespräch, nach Würzburg zu gehen, wenn ich die Schule hier zu Ende gemacht habe.

Ich musste das Fach-Abi hier fertig machen, sonst hätte ich in Würzburg ein Jahr zurück gemusst. Ich war im vergangenen Jahr öfter mal da und habe mir das angeguckt – das passt.

Betreten Sie in Würzburg komplett Neuland oder kennen Sie den einen oder anderen schon?

Eigentlich alle, weil ich so oft da war. Ich war mit denen im Trainingslager. Leonie Beck und Sören Meißner sind bei den Weltcups auch mit dabei. Mit Jeanette Spiwoks, die letztes Jahr vor der JEM hier mit trainiert hat, lebe ich dort in einer WG.

Welche sportlichen Ziele verbinden Sie mit dem Wechsel?

Die Grundgeschwindigkeit für ein 10-Kilometer-Rennen muss man haben, um mitschwimmen zu können. Bis acht Kilometer war ich eigentlich immer vorne unter den ersten zehn mit dabei. Danach ging es bergab. Da möchte ich mich im Hinblick auf EM, WM oder die Weltcups steigern.

Das heißt auch, irgendwann Olympia?

Für 2020 ist es wahrscheinlich etwas knapp, dann hätte ich früher wechseln müssen. Deshalb setze ich eher auf 2024.

Was passiert abseits des Beckens?

Ich mache ein Freiwilliges soziales Jahr beim SV Würzburg 05 – und danach sehen wir weiter.

Lea Boy (18) steht vor ihrer vierten JEM-Teilnahme. Nach zwei fünften Plätzen und im vergangenen Jahr Silber über 7,5 Kilometer schwimmt sie auf dieser Ebene erstmals die olympische Distanz von zehn Kilometern.

Es ist zugleich der letzte Wettkampf für das Swim-Team Stadtwerke Elmshorn, bei dem sie von der Schwimmschule alle Trainingsgruppen durchlaufen hat. Beim traditionellen Grillabend zum Saisonende überraschte sie ihre Übungsleiter dieser Zeit – Christa Harms, Ute Nickles, Anne Borinski und Jörg Freyher – mit kleinen Abschiedsgeschenken. Sie wechselt zum SV Würzburg 05.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen