Passion Schach : Kampf um den König seit 40 Jahren

Spaß am Spiel: Der Elmshorner Torsten Noldt spielt seit 40 Jahren leidenschaftlich Schach.
Spaß am Spiel: Der Elmshorner Torsten Noldt spielt seit 40 Jahren leidenschaftlich Schach.

Der 55-jährige Torsten Noldt ist 1. Vorsitzender beim Schachclub Elmshorn und spielt jetzt bei den Deutschen Meisterschaften. Zudem erklärt er, warum eine WM mal neun Jahre gedauert hat.

shz.de von
19. Juli 2018, 12:30 Uhr

Elmshorn | Schach, das königliche Spiel. Versucht haben sich viele daran, doch ebenso viele sind auch daran gescheitert. Torsten Noldt hat immer weitergespielt, ihn hat das Spiel nicht wieder losgelassen. Heute ist Noldt 55 Jahre alt und spielt seit fast 40 Jahren Schach. Eine Leidenschaft, die ihn noch immer fest im Griff hat.

Wie es zur Schachbegeisterung kam? Da muss Noldt lachen und weiß noch ganz genau die Geburtsstunde seiner Leidenschaft: „Ich bin ja auch schon etwas älter, und am Ende meiner Schulzeit kamen die ersten Computer auf den Markt.

Mit einem Schachcomputer fing alles an

In einem Kaufhaus in Elmshorn stand da so ein Schachcomputer. Jedes Mal nach der Schule bin ich dann mit einem Freund dahin und habe gespielt. Die Leute kannten mich schon alle.“ Den Eltern blieb also gar nichts anderes übrig, ihr Sohn bekam zu Weihnachten einen Schachcomputer geschenkt.

Nach vielen Stunden und Hunderten von Partien hatte Noldt dann eine ganz besondere Idee – er nahm an der Fernschach-WM teil. „Ja, das war schon etwas skurril. Ich bekam dabei auch Gegner aus der DDR, Chile und Südafrika zugelost. Die Vorrunde war dann auf drei Jahre ausgelegt“, erzählt der 55-Jährige mit leichtem Grinsen in den Mundwinkeln.

Fernschach-WM dauerte neun Jahre

Drei Jahre? „Es hat halt etwas gedauert, die Züge wurden per Postkarte verschickt. Und wir hatten drei Tage Zeit, einen Zug auszuführen. Nach neun Jahren stand dann der Weltmeister fest.“

Tja, was hätte in neun Jahren sonst alles passieren können? Hauptschulabschluss schaffen, über ein Dutzend verschiedene Trainer beim HSV oder neun Deutsche Meisterschaften des FC Bayern München.

Noldt ist seit 21 Jahren Vorsitzender beim Elmshorner Schachclub

Doch Schach schlägt alles. Zum Weltmeister hat es damals nicht gereicht, doch nachdem sich Noldt mit 17 Jahren beim Schachclub in Elmshorn angemeldet hatte, erst Jugendwart wurde, ist er jetzt seit 1997 Erster Vorsitzender.

„Besonders die Arbeit mit den Jugendlichen ist toll. Seit wir eine Mädchen/Frauengruppe haben, die von einer früheren Jugendweltmeisterin geleitet wird, haben wir auch wieder sehr viel Zulauf. Durch die Kinder kommen dann immer wieder Eltern und Verwandte mit zum Schach“, erklärt Noldt.

Ein Spiel nicht nur für kluge Köpfe

Schach wirkt für viele Menschen im ersten Moment eher langweilig und anstrengend, doch wer sich mit Torsten Noldt unterhält, der wird unweigerlich in den Bann dieser Sportart gezogen. „Alle denken immer, ein Spieler muss besonders intelligent sein, das stimmt aber so nicht. Wichtig sind eine gute Konzentrationsfähigkeit, die aber durch Schach ausgebaut wird, Merkfähigkeit und natürlich Spaß am Spiel.“

Bewunderung für Bobby Fischer und Co.

Der 55-Jährige wirkt sehr gelassen und fokussiert, doch selbst für ihn gibt es Schachspieler, die etwas ganz Besonderes ausstrahlen: „Der Großmeister Vlastimil Hort war zweimal in Elmshorn zum Simultanschach. Das war schon sehr beeindruckend gegen ihn zu spielen. Und dann natürlich Bobby Fischer, der war sicherlich der stärkste Spieler aller Zeiten. Ich glaube nicht, dass heute ein Spieler gegen ihn eine Chance hätte.“

Premiere bei Deutschen Meisterschaften

Ab Sonnabend, 21. Juli, findet die 30. Deutsche Senioren-Einzelmeisterschaft in Hamburg-Bergedorf statt und Noldt ist zum ersten Mal dabei. „Ich freue mich total auf das Turnier. Es werden neun Partien gespielt, und wenn ich 50 Prozent der Punkte erreiche, bin ich sehr zufrieden“, erklärt Noldt und blickt konzentriert auf sein Schachbrett. Der „König“ ist am Zug.

Schach-DM

Vom 21. bis 29. Juli findet in Hamburg-Bergedorf die 30. Deutsche Senioren-Einzelmeisterschaft statt. Gespielt werden neun Runden im Schweizer System, 90 Minuten für 40 Züge und 30 Minuten für den Rest der Partie. Vom ersten Zug an werden je Zug 30 Sekunden hinzugefügt. Das Gesamtpreisgeld beträgt 6650 Euro.

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