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Handball : „WM in Deutschland ist mein Traum“

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Torhüterin Sophie Fasold von der HG OKT hat sich mit der US-Nationalmannschaft für die Pan-Amerika-Meisterschaften qualifiziert.

shz.de von
erstellt am 20.Apr.2017 | 06:00 Uhr

Owschlag | In wessen persönlichem Lebenslauf steht schon die Berufung in eine Nationalmannschaft? Wer kann schon von sich behaupten, sich mit der amerikanischen Nationalmannschaft für die Pan-Amerikanischen Meisterschaften qualifiziert zu haben und dabei noch als beste Handball-Torfrau ins All-Star-Team gewählt worden zu sein? Die Antwort: Sophie Fasold! Die Drittliga-Torfrau der HG OKT hat mit ihren 23 Jahren schon genau diese Ziele erreicht. Als gebürtige Halb-Amerikanerin mit deutschem Vater und amerikanischer Mutter folgte sie 2009 einer Einladung des US-Verbands zu einem Sichtungslehrgang nach Colorado Springs. Seit Dezember 2010 spielt Fasold für die A-Nationalmannschaft der USA.

Vom 20. bis 28. März nahm Fasold an einem Vorbereitungslehrgang des amerikanischen Nationalteams im Stützpunkt in Auburn, Alabama teil. Nach einem Testspiel gegen eine kanadische Vereinsmannschaft aus Alberta reiste das US-Team nach Rio Grande (Puerto Rico). Dort fand das Qualifikations-Turnier NORCA (North American & Caribbean Qualifier) für die Teilnahme an den Pan-Amerikanischen Meisterschaften statt. „An dem Lehrgang konnte ich aufgrund meiner Arbeit als Veranstaltungskauffrau nur vier Tage lang teilnehmen“, berichtet Fasold. Beim Qualifikationsturnier in Rio Grande mussten dann innerhalb von fünf Tagen fünf Spiele absolviert werden. „Die Pan-Amerika-Meisterschaft ist vergleichbar mit der Europa-Meisterschaft, weil sich die Nationalteams aus ganz Nordamerika und der Karibik qualifizieren müssen“, erklärt Fasold.

Nach den Platzierungsspielen mit Siegen über Puerto Rico (28:26), Grönland (25:23) und der Dominikanischen Republik (26:13) führte das US-Team die Tabelle ungeschlagen an. Im Halbfinale wurde dann mit einem 20:18-Sieg gegen Grönland gleich die erste Möglichkeit genutzt, sich für die Pan-Amerikanischen Meisterschaften zu qualifizieren. Im Finale unterlagen die US-Amerikanerinnen dann unglücklich mit 26:27 gegen Puerto Rico und verpassten damit die Chance auf die erste Goldmedaille seit 1995. Nach dem Finalspiel wurde Fasold nicht nur ins All-Star-Team gewählt sondern darüber hinaus noch mit einem Pokal als beste Torfrau des Turniers gekürt.

Für die EZ waren das genug gute Gründe, um Sophie Fasold zum Interview zu bitten.

Glückwunsch zur erfolgreichen Zeit bei der US-Nationalmannschaft. Bevor wir über Ihre internationalen Erfolge sprechen, können Sie zusammenfassen, wo ihre Laufbahn begann?
Fasold: Im Jahr 2002 habe ich beim TSV Ismaning in Bayern mit dem Handballspielen begonnen. Über dänische Handballvereine, wie SK Aarhus, wo ich in der U18-Liga spielte, die vergleichbar ist mit der Jugend-Bundesliga, spiele ich seit 2013 in Owschlag in der 3. Liga und habe auch für die kommende Saison bei der HG OKT zugesagt. Generell bin ich aber höheren Aufgaben gegenüber offen. Auch über Ländergrenzen hinweg. In der Bundesliga zu spielen, wäre mein ultimatives Ziel.

Wie wurde die US-Nationalmannschaft auf Sie aufmerksam?
Meine Mutter hat 2008 dem amerikanischen Verband geschrieben, weil neue Talente gesucht wurden. Im Sommer 2009 erhielt ich dann die erste Lehrgangseinladung. Seit Dezember 2010 spiele ich für die A-Nationalmannschaft der USA.

Amerika gilt ja nicht unbedingt als Handball-Hochburg...
In den USA hat Handball leider wenig Stellenwert. Es ist immer mal wieder im Kommen, schafft den Sprung aber leider nicht, bekannt zu werden. In der Regel muss man jedem erstmal erklären, was Handball ist und wie es gespielt wird. Viele denken zunächst, dass es wie Squash ist – nur mit den Händen. Das wollen wir ändern, weil Handball eigentlich alle Qualitäten und Akzente besitzt, die die Amerikaner an Sport lieben: Schnelles Spiel, Körper betont und viele Tore. Mit unserem jetzt erzielten Erfolg haben wir dafür aber schon einen guten Start vorgegeben.

Welches sind die Ziele der Nationalmannschaft und wie sehen Ihre persönlichen innerhalb des Teams aus?
Primäres Ziel war die Quali für die Pan-Amerikanischen Meisterschaften, die vom 15. bis 27. Juni 2017 in Argentinien ausgetragen werden. Das haben wir erreicht. Nun werden wir uns auf dieses Turnier konzentrieren, weil das unsere Möglichkeit ist, uns für die Weltmeisterschaft 2017 in Deutschland zu qualifizieren. Ein sehr weiter und harter Weg. Wir müssen im Juni unter die Top-3 kommen und das gegen Mannschaften aus Brasilien, den Weltmeister von 2013, Argentinien, Chile, Paraguay und Uruguay. Allesamt Konkurrenten, die wir in den letzten Jahrzehnt nicht besiegen konnten. Nichtsdestotrotz werden wir alles für unseren WM-Traum tun. Auf jeden Fall werde ich das dritte Mal an der Pan-Amerikanischen Meisterschaft teilnehmen – das zu den größten Handballturnieren gehört. Persönlich möchte ich weiter hart an mir arbeiten, um ein sicherer Rückhalt für meine Mannschaft zu bleiben und testen, wie hart ich trainieren muss, um auf höherem Niveau mithalten zu können.

Die Anreise zur Nationalmannschaft ist weit und die Kosten hoch.
Richtig. Wir müssen meist einen Teil der Kosten selber tragen. Leider sind unsere Geldmittel vom Verband in der Regel überschaubar. Wir müssen selbst hart für das „Fundraising“, also die Beschaffung von finanziellen Mitteln, arbeiten und sind sehr dankbar für Sponsoren.

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