Staffeleinteilung entfacht Sturm der Entrüstung

Muss Owschlags Trainer Rainer Peetz seine Spielerinnen künftig beim Einlaufen in Leipzig,  Rödertal oder Sebnitz abklatschen? Das hätte einen großen finanziellen Mehraufwand zur Folge.  Foto: Peters
Muss Owschlags Trainer Rainer Peetz seine Spielerinnen künftig beim Einlaufen in Leipzig, Rödertal oder Sebnitz abklatschen? Das hätte einen großen finanziellen Mehraufwand zur Folge. Foto: Peters

Handball: Owschlags Jens Stolley nachdenklich: "Unter diesen Voraussetzung müssen wir die Meldung überdenken"

shz.de von
19. Mai 2012, 03:59 Uhr

Owschlag | Einen "Sturm der Entrüstung" hat die neue Staffeleinteilung der 3. Handball Liga der Frauen entfacht. Bei der Neueinteilung sind die Mannschaften aus Schleswig-Holstein, also der SV Henstedt-Ulzburg, VfL Bad Schwartau und TSV Owschlag von der Nordstaffel in die Oststaffel versetzt worden. "Da hat sich jemand in der Geographie nicht so richtig ausgekannt. Wie kann man die nachweislich nördlichsten Mannschaften in die Ostgruppe setzten", versteht Owschlags Jens Meves die Welt nicht mehr.

Nach der neue Einteilung sind die schleswig-holsteinischen Teams zusammen mit dem SHV Oschatz, dem HC Leipzig II, dem HC Rödertal und HCS Neustadt-Sebnitz in einer Staffel. Für die Owschlagerinnen hieße das - bleibt es bei dieser Einteilung - Fahrten bis an die tschechische Grenze.

"Für uns bedeutet das eine Erhöhung allein der Fahrkosten um mehr als das Doppelte", rechnet Owschlags Jens Stolley vor. Hinzu kommt eine immens wachsender Zeitaufwand. Neustadt-Sebnitz, Oschatz oder Rödertal sind nicht an einem Tag zu bewältigen. "Das ist im Bereich der 3. Liga nicht zumutbar. Dann könnten wir gleich eine einteilige 3. Liga einführen", hofft Jens Stolley, dass in Sachen Neueinteilung die Messe noch nicht gelesen ist.

Nicht nur in Owschlag hat die Staffeleinteilung Befremden ausgelöst. Beim SV Henstedt-Ulzburg haben sich Olaf Knüppel und Peter Werner die Mühe gemacht, die Fahrstrecken auszurechnen. Henstedt-Ulzburg fährt allein 1500 km mehr als die Mannschaften der Nordstaffel und sogar 2200 km mehr als die der West- und Südstaffel. Bedenkt man, dass der TSV Owschlag noch einmal 100 km weiter nördlich angesiedelt ist, also pro Fahrstrecke 200 km mehr zu fahren hat, wird die Dimension erst richtig deutlich. Auch Benjamin Busch vom VfL Bad Schwartau bekam bei ersten Blick auf die Staffeleinteilung einen Schock. "Wer soll das bezahlen?", fragt er besorgt.

Wenn man zudem bedenkt, dass der Thüringer HC II in der Nordstaffel angesiedelt worden ist, ergibt die neue Staffeleinteilung überhaupt keinen Sinn. Zustimmung für eine Korrektur der Neueinteilung erhielten die Schleswig-Holsteinische Clubs nicht nur aus den eigenen Reihen. Selbst der Vizepräsident Spieltechnik des HV Rheinland, Herbert Schumacher, schloss sich der Forderung an und fordert: "Angesichts der besonderen Probleme dieser 3. Liga muss eine faire Lösung gefunden werden, die Härtefälle in einem erträglicheren Maße berücksichtigt".

Noch weiter geht ein Vorschlag aus Trier. Siegfried Garbe von DHK/MJC Trier sieht folgendes: "Fakt ist doch, dass im Frauenbereich das ganze Unterfangen eine 2. Bundesliga und darunter die 3. Liga finanziell und kilometermäßig irgendwie nicht stimmig ist. Warum sind wir im Frauenhandball nicht in der Lage, uns von den Männer zu unterscheiden. Wir haben nun mal keine 500 Zuschauer in Liga drei." Garbe geht sogar soweit, die 2. Bundesliga wieder zweigleisig laufen zu lassen und regt eine sechsgeteilte 3. Liga alles unter dem Dach des DHB an. " Die Kosten würden erheblich reduziert! Und es würde wieder viele Derbys geben"!

Fakt ist, zumindest geht das aus den zahlreichen Reaktionen hervor, bezüglich der Staffeleinteilung eine Korrektur vorzunehmen. Es könnten sonst Vereine durchaus die Konsequenz daraus ziehen, aus Kostengründen die Meldung zurückzuziehen. Diese Entwicklung wünscht sich niemand, denn sie wäre dem Handballsport abträglich. Schon die Nichtmeldung der HSG Kropp/Tetenhusen oder des TSV Altenholz als Meister bzw. Zweiter der Oberliga war ein Fanal. Die Beibehaltung der Staffelneueinteilung könnte sich sogar als Katastrophe erweisen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen