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SPORTLERIN DES JAHRES : Sabine Bremer: „Octavia hat Spaß – und macht Spaß“

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Sabine Bremer wurde von den Lesern der ECKERNFÖRDER ZEITUNG und LANDESZEITUNG zur Sportlerin des Jahres gewählt. Die EZ hat sie zu Hause besucht.

Groß Wittensee | Reiterin Sabine Bremer (RFV Gettorf-Eckernförde-Dänischer Wohld) wurde von unseren Lesern mit überwältigender Mehrheit zur Sportlerin des Jahres gewählt. „Sie können gern vorbei kommen, doch es ist nicht leicht zu finden“, sagt Bremer zum Autor des Artikels. Als dieser den Hof in Groß Wittensee nach der Fahrt auf dem geschwungenen Schleichweg am Waldrand gefunden hatte, erblickte er über der Eingangstür einen Kranz. Anlass war der 20-jährige Hochzeitstag mit ihrem Mann Karsten – Porzellanhochzeit! Die Tasse der Eckernförder Zeitung oben durfte da natürlich nicht fehlen.

„Ich habe mich wahnsinnig über die Wahl gefreut“, sagt Bremer, die auch die ganze Familie und Freunde mobilisiert hatte. Sogar ihr WhatsApp-Profilfoto stattete sie während der Abstimmung mit einem Hilferuf für Stimmen aus. Es funktionierte. „Selbst aus Hannover bekam ich einen Anruf: Es könne nicht sein, dass im Pferdeland Schleswig-Holstein eine Keglerin gewinnt.“

Im Alter von vier Jahren hatte Sabine Bremer ihr erstes Pony bekommen. „Das kam von einem Zirkus, der gerade in Eckernförde gastierte und es aus finanziellen Gründen abgeben musste. Da wir zunächst keinen Platz dafür hatten, lebte der Schecke Arko zunächst bei uns in der Garage, später dann im Garten.“ Bremers Vater Horst Fabian hatte ein großes Faible für die Vierbeiner und kümmerte sich um Arko. „Nach einer Weile wurde er aber komisch und ließ nur noch meinen Vater zu sich ran. Nachdem der kleine Hengst dann unter dem Apfelbaum im Garten kastriert wurde, war wieder alles gut.“ Mit sieben Jahren bekam die kleine Sabine in Kleinwaabs im Reitstall Lassen den ersten Reitunterricht. Zeitgleich wurde Arko dort auf der Anlage eingeritten.

Als die gelernte Bürokauffrau 1999 mit Jannik ihren ersten Sohn zur Welt gebracht hatte, erblickte sie im Förde Express eine Anzeige, dass ein Calido-Fohlen zu verkaufen ist. „Es sollte zunächst 10  000 Mark kosten. Das war mir zu viel“, sagt Bremer. „Wenig später rief der Züchter dann an und wir handelten einen Preis von 7250 Mark aus. Damit hatte ich das Fohlen am Telefon gekauft, ohne es vorher gesehen zu haben. Ich hatte mich da ganz auf die Abstammung und mein Gefühl verlassen – und wurde nicht enttäuscht. Nun hatte ich auch eine Tochter, die ich trotz lukrativer Angebote nicht hergegeben habe.“

Als Octavia drei Jahre alt war, sagte Sabine ihrem Karsten, dass sie mit diesem Pferd später S-Springen reiten würde. Im Alter von sieben Jahren war es dann erstmals so weit. Mittlerweile ist Octavia schon 17 Jahre alt, ein zuverlässiger Champion – und ein echtes Familienmitglied.

Im vergangenen Jahr gewann das Erfolgsgespann das imposante neunte S*-Springen und fuhr als Vertreter Schleswig-Holsteins zum großen, international besetzten Reitturnier nach Leipzig. „Das war für uns als Amateure natürlich etwas Großes. Draußen standen die Pferdetransporter der Profis, so wertvoll wie Einfamilienhäuser – und wir mittendrin. Octavia war in einer riesigen Halle untergebracht, in der sie nicht wusste, ob es draußen hell oder dunkel war. Deshalb habe ich sie auch draußen herumgeführt, das kennt sie schließlich von uns zu Hause. Spannend fand Octavia dabei die Übertragungen auf der Videowand. Da blieb sie stehen und schaute sich das alles interessiert an.“ Am Ende wurden die beiden Vierte der 27 hochrangigen Starter.

Bremer beschreibt ihre Schimmelstute, die besonders gerne Äpfel und

Wurzeln mag, als „ehrgeizig, sympathisch, lieb, und intelligent. Sie macht kaum einen Fehler zwei Mal und ist hoch konzentriert. Kurz vor dem Start knabbert sie jedes Mal vor Anspannung auf ihrem Lederriemen herum. Sie hat Spaß an dem, was sie tut, und bringt auch Spaß.“ Dabei beobachtet Octavia ihre Umgebung ganz genau. Als eine gute Freundin Bremers beim Abreiten unter den Zuschauern stand, hielt das Pferd genau vor ihr an. „Sie dachte wohl, wir beiden würden wieder miteinander quatschen wollen“, vermutet Bremer. „Octavia kann allerdings auch eine Diva sein. Wenn sie nicht als Erste ihr Futter bekommt oder ein anderes Pferd statt sie in den Anhänger gebracht wird, dreht sie schon ein wenig durch.“

Während Sohn Torge (10) und Mann Karsten ihre Leidenschaft im Fußball gefunden haben, aber auch mit anpacken, scheint Jannik (17) die Pferdebegeisterung seiner Mutter geerbt zu haben. „Er hat die Pferde schon als kleiner Junge ganz genau beobachtet und ist schon so eine Art Pferdeflüsterer“, sagt Mutter Sabine, die sich noch genau an eine Situation vor etwa 13 Jahren erinnert: „Ich war am Reiten und Octavia wollte nicht so richtig. Da blickte Jannik in seiner Sandkiste auf und rief: Dohli Galopp! Und nach einer kurzen Pause: Bitte, Mama! Er war sich sicher, dass er mir damit enorm geholfen hatte.“

Im Alter von 17 Jahren ist Octavia im Spätherbst ihrer Karriere. „Eine Saison möchte ich mit ihr aber auf jeden Fall noch reiten. Dafür ist sie einfach noch zu gut“, sagt Bremer. Und dann? Bremer hat noch einen großen Traum: „Es wäre so schön, wenn Octavia noch ein Fohlen bekommen könnte.“ Bisher hat es noch nicht geklappt. Aber zu einer Bilderbuch-Laufbahn gehört eigentlich auch ein Happy-End…

 

Preisverleihung

Die Preisverleihung findet am Sonnabend, gegen 17.15 Uhr in der Halbzeitpause des Basketball-Sparkassen-Charity-Games in der Rendsburger Herderhalle statt, das um 17 Uhr angepfiffen wird. Für jeden Punkt fließen 50 Euro in Förderprojekte für Kinder.

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erstellt am 09.Mär.2016 | 06:00 Uhr

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