Segeln : Mit Eckernförder Ostseewasser zur WM

Die Eckernförderin Freya Feilcke (vorne) füllt das von ihr mitgebrachte Ostseewasser vom Eckernförder Südstrand bei der WM-Eröffnungsfeier in den großen Wasserbehälter.
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Die Eckernförderin Freya Feilcke (vorne) füllt das von ihr mitgebrachte Ostseewasser vom Eckernförder Südstrand bei der WM-Eröffnungsfeier in den großen Wasserbehälter.

Die 16-jährige Vorschoterin Freya Feilcke und ihre Steuerfrau Maru Scheel gehörten in China mit Platz 5 bereits zur Weltspitze in der 29er-Bootsklasse. Eine Medaille verpassten beide nur ganz knapp, zufrieden sind sie dennoch.

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21. Dezember 2017, 06:00 Uhr

Eckernförde | Am Ende fehlte wirklich nicht viel, und Eckernförde hätte sich für eine WM-Medaillengewinnerin freuen können. Seglerin Freya Feilcke nahm in der vergangenen Woche an den Jugend-Weltmeisterschaften im chinesischen Sanya teil (EZ berichtete) und wurde nach 13 Wettfahrten Fünfte. „Wir hatten uns vorher eine Top-Ten-Platzierung vorgenommen und sind daher auch mit dem Ergebnis sehr glücklich“, sagt Freya.

„Wir“ – damit ist neben Freya auch noch Maru Scheel vom Kieler Yacht Club gemeint. Die beiden segeln seit diesem Jahr im 29er zusammen und hatten sich als bestes deutsches Boot dieser Klasse für die WM qualifiziert. Neben Feilcke/Scheel waren acht weitere Segler sowie drei Trainer aus Deutschland mitgereist.

Bevor das WM-Abenteuer so richtig los ging, stand für die Eckernförderin aber erst einmal eine Erkundungstour auf dem Programm. „Es war meine erste Reise nach China“, sagt Freya. Und die fast genau 9000 Kilometer, die zwischen Eckernförde und Sanya liegen, führten die Jungmannschülerin in eine andere Welt. „Wir haben einen Kulturschock erlebt“, erinnert sich Freya und muss lachen bei der Erinnerung an die Essgewohnheiten der Einheimischen, bei denen schmatzen nun einmal genauso dazugehört, wie das herzhafte Ausspucken in der Öffentlichkeit. Die eine oder andere Lache auf den Straßen ist in China ganz normal. Manchmal auch rot gefärbt, denn viele Chinesen kauen die rote Frucht der Betelnüsse. Aber nicht nur die fremde Esskultur ist Freya in Erinnerung geblieben. „Einen Tag haben wir eine Wanderung auf einen Berg in der Nähe des Hotels gemacht. Wir dachten wir sind im Dschungel, aber um uns herum standen trotzdem überall riesige Hochhäuser. Das war schon beeindruckend“, sagt Freya über die außergewöhnliche Landschaft, die die 685 000-Einwohnerstadt umgibt.

Ein weiteres Highlight war die Eröffnungsfeier mit allen Athleten. Die Organisatoren hatten im Vorwege alle Länderteams gebeten, Wasser aus dem heimischen Segelrevier mitzunehmen. „Deshalb bin ich vor der Reise noch an den Südstrand und habe von dort eine Flasche voll Ostseewasser mitgenommen“, berichtet Freya. Diese füllte sie dann bei der Eröffnungsfeier in einen großen Krug – so wie es auch die Sportler aus den anderen Ländern mit ihrem mitgebrachten Wasser taten. Später wurde der flüssige Mix aus den Meeren und Seen dann vor Ort ins Südchinesische Meer gekippt.

Pünktlich zu den Wettkämpfen fokussierten sich die beiden 29er-Seglerinnen ganz auf sich. Das Sightseeing war beendet. Pro Tag wurden drei Wettfahrten gestartet. Über das Revier hatte sich die deutsche Delegation natürlich im Vorwege informiert. „Wir wussten, dass wir recht nah am Ufer segeln würden“, sagt Freya. Die Information, dass es eher wellig sein würde, erwies sich dagegen als falsch. Kniffelig war aber der böige sich oft und schnell drehende Wind, der durch die Nähe zu den Bergen, schwer zu berechnen war. So galt es, immer die richtigen Böenfelder zu finden. „Das haben die Italienerinnen ziemlich gut drauf gehabt“, erklärt die Eckernförder Elftklässlerin. Das Duo aus Italien war am Ende so dominant, dass der Sieg bereits vor dem Schlusstag, an dem nur eine letzte Wettfahrt ausgetragen wurde, fest stand. „Wir konnten nicht mehr aus den Top-10 rausrutschen und sind daher ganz entspannt in die letzte Regatta gestartet“, sagt Freya, die zusammen mit Maru Scheel noch einmal auf Platz vier vorsegelte und somit in der Endabrechnung noch zwei Plätze nach oben auf Rang fünf kletterte. Traurig, dass eine mögliche Medaille nur so knapp verpasst wurde, ist Freya nicht: „Natürlich gibt es immer etwas zu verbessern. Aber wir sind insgesamt mit uns zufrieden.“

Der Angriff auf Edelmetall bei großen Regatten könnte aber schon bald erfolgen. Und dass Freya und Maru überhaupt schon in der Weltspitze der 29er-Klasse angekommen sind, ist eher überraschend. Denn erst im März beim Trainingslager auf Mallorca fanden die beiden zusammen. In der Vorsaison saßen sie noch mit anderen Partnern in verschiedenen Booten – allerdings beide als Steuerfrauen. Das ging zusammen natürlich nicht mehr, und die Eckernförderin wurde zur Vorschoterin. „Ich hatte es vorher auch schon mal probiert, aber da habe ich es nicht gemocht. Zusammen mit Maru hat es aber gleich gepasst und wir hatten sofort viel Spaß“, sagt Freya. Das Geheimnis ihres gemeinsamen Erfolgs liegt wohl im großen Ehrgeiz, der beide antreibt. „Ja, da sind wir uns ähnlich“, bestätigt Freya lachend.

Nach der WM ist vor der EM. Doch bis es wieder aufs Wasser geht, muss Freya in den Winterferien erst einmal den verpassten Schulstoff der vergangenen zwei Wochen nacharbeiten. Im März geht es mit dem Trainingskader wieder in wärmere Gefilde. Im Mai will sich Freya dann bei der YES-Regatta in Kiel erneut für die Jugend-WM, die Mitte Juli 2018 in Texas ausgetragen wird, qualifizieren. Drei Wochen später steht dann schon die EM in Helsinki an. Freyas Sommerferien sind damit also bereits jetzt restlos ausgebucht.

Da die Bootsklasse der 29er nicht olympisch ist, überlegen Freya und Maru im Sommer in die 49erFX-Klasse umzusteigen. Olympia – bei diesem Wort wird Freya fast ein wenig nachdenklich. „Natürlich wäre es ein Traum“, sagt sie, will sich aber noch nicht allzu sehr damit befassen. „Mal sehen, wie es sich entwickelt.“ Wenn die Erfolgsgeschichte mit Freya und Maru in dem Tempo weitergeht, ist aber sicherlich vieles möglich.

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