Boxen : Gelebte Integration im Boxring

Ganz dicht dran an den großen Stars: Hartmut Jessen (links) hier im Jahr 2005 im Gespräch mit „Tiger“ Dariusz Michalczewski.
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Ganz dicht dran an den großen Stars: Hartmut Jessen (links) hier im Jahr 2005 im Gespräch mit „Tiger“ Dariusz Michalczewski.

Der Boxverein BC 78 Eckernförde feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Vorsitzender Hartmut Jessen ist von Anfang an dabei.

shz.de von
07. Februar 2018, 06:00 Uhr

Eckernförde | In diesem Jahr feiert der Boxclub 78 Eckernförde sein 40-jähriges Bestehen. Seit der Gründung 1978 ist auch Hartmut Jessen stets in verantwortlicher Position dabei. Der ehemalige Leistungs-Boxer hält heute als Trainer und Vorsitzender das gesamte Gefüge zusammen und haucht dem BC78 mit seinen gefeierten Boxgalas, bei denen unter anderem auch Europameister Jürgen Blin, der mehrfache Deutsche Schwergewichts-Meister, Olympia- und WM-Teilnehmer Andreas Schnieders oder auch namhafte Größen aus anderen Sportarten, wie Springreiter Peter Luther, zu Gast waren, Jahr für Jahr neues Leben ein. Seit damals hat Jessen inzwischen 127 Veranstaltungen in Eckernförde auf die Beine gestellt und mit seinen Boxern an unzähligen weiteren in der Umgebung teilgenommen. Die nächste Boxgala ist am 3. November. Dann tritt eine norddeutsche Auswahl, gespickt mit Eckernförder Boxern, gegen eine hochkarätige dänische Auswahl an.

Jessen blickt dabei auf ereignisreiche 40 Jahre zurück, in denen auch Sohn Dirk eine maßgebliche Rolle spielte. Hartmut Jessen hat seine boxspezifischen Gene an seinen Sohn weitergeben können, der dreifacher Landesmeister war und mehrere Kämpfe in der Junioren-Ländermannschaft bestritt. Er war aufgrund seiner Erfolge in den 80er-Jahren, wie sein Vater, ein Aushängeschild des Vereins, genau so wie auch der Deutsche Junioren-Meister Jens Matthews.

Angefangen hat alles als ein paar Boxer in Eckernförde ein neues Zuhause suchten. Sie boxten seinerzeit für den Eckernförder MTV unter einem Aushilfstrainer. Da es in Eckernförde allerdings keinen qualifizierten Box-Trainer gab wurde der Kontakt zu Hartmut Jessen, der seinerzeit noch für Rendsburg boxte, hergestellt. „Ich habe mich dann bereitwillig überreden lassen“, sagt Jessen schmunzelnd. Die Gründungsurkunde des BC 78 Eckernförde wurde am 28. April 1978 in der ehemaligen Gaststätte „Godewind“ am Jungmannufer unterzeichnet. Erster Vorsitzender war Joachim Arnstedt. Bei Turnieren in Ascheffel, Osdorf, Marne oder Friedrichskoog wurde die nötige Wettkampfpraxis erworben. Von da an ging es praktisch stetig bergauf.

Zwei Jahre nach der Gründung wurde Hartmut Jessen gebeten, das Amt des 2. Vorsitzenden zu bekleiden. „Das war wichtig für mich. Denn ab da konnte ich endlich Nägel mit Köpfen machen“, berichtet Jessen. Im Jahr 1983 wurde er dann sogar 1. Vorsitzender und bekleidet dieses Amt noch heute.

Ein wichtiger Baustein auf der Erfolgsleiter des BC 78 war auch Ralf Kähler. Der Vize-Landesmeister war nicht nur ein guter Boxer, sondern hatte 15 Jahre lang als 2. Vorsitzender auch maßgeblichen Anteil daran, dass es speziell in finanzieller Hinsicht alles glatt lief. Die Eckernförder hatten seinerzeit auch den einzigen Holzring in Schleswig-Holstein. Dieser wurde von Kähler eigenhändig zusammen gezimmert.

Im Laufe der Jahre entwickelte der BC78 einen guten Ruf im gesamten Bundesgebiet. Die Politik erkannte dabei auch von Anfang an den großen integrativen Stellenwert der Boxsparte für das Gemeinwohl. Das erste Mitglied des BC 78, dass das Box-Sportabzeichen in Gold erhielt, war auch Alt-Bürgermeister Kurt Schulz. „Von daher konnten wir uns eigentlich auch nie über mangelnde Unterstützung aus dem Rathaus beschweren“, spielt Jessen den Ball zurück. Es war ein Geben und Nehmen, von dem beide Seite profitierten – eine, wie man heute sagt, Win-Win-Situation. „Diese Arbeit macht mir auch heute noch einen Riesenspaß“, sagt Jessen. „Harmonie und Kameradschaft standen bei mir immer an erster Stelle. Das hält mich noch bei der Stange. Mein Motto is: Zu Boden gehen kann jeder, man muss aber wieder aufstehen.“

Momentan befindet sich der BC78 wieder in einer sportlichen Hochphase. Der Zuspruch an boxbegeisterten Talenten ist groß. Rund 90 Mitglieder zählt der Verein momentan. „Darunter sind viele Hochkaräter“, freut sich Jessen. „Von deren Know-How profitiert der gesamte Verein.“ So nahm ihm Schriftführer Manfred Homuth in den 80er-Jahren eine Menge Arbeit ab.

Mit Achraf Godje haben die Eckernförder auch wieder ein vielversprechendes Talent in ihren Reihen, das derzeit beim Uckermärkischer Boxverein (UBV) Schwedt Bundesliga-Kämpfe bestreitet.

Der BC78 ist ein Verein, der keineswegs nur sein eigenes Süppchen kocht, sondern sich nach wie vor öffnet. So ist man am 31. März auch Gastgeber für den 8. Verbandstag des Landesverbands in der Stadthalle. Hartmut Jessen hat mit den Eckernförder Boxern fast alles erreicht. „Es ist aber schon erschreckend, dass mindestens sechs von damals nicht mehr am Leben sind.“ Einen großen Traum will sich Jessen noch erfüllen: „Es wäre schön, wenn ich die Goldene Hochzeit mit dem BC78 noch erleben könnte.“ Das wäre 2028 so weit.

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