Fritz Hansen - ein Eckernförder Fußball-Pionier

In Schleswig-Holstein gefürchtet: Die Mannschaft des Eckernförder SV in der Saison 1950/51 mit Fritz Hansen (4. von rechts).
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In Schleswig-Holstein gefürchtet: Die Mannschaft des Eckernförder SV in der Saison 1950/51 mit Fritz Hansen (4. von rechts).

Langjähriges ESV-Mitglied verstirbt im Alter von 84 Jahren / Hansen spielte unter den späteren Bundesliga-Trainern Kurt Baluses und Fritz Langner

shz.de von
03. Dezember 2012, 03:59 Uhr

Eckernförde | Am 14. November verstarb mit Fritz Hansen im Alter von 84 Jahren ein vorbildlicher Sportsmann, der sich aufgrund seiner offenen, sympathischen Art und seines außergewöhnlichen Fußball-Wissens in ganz Schleswig-Holstein stets eines hohen Beliebtheitsgrades erfreuen durfte.

Geboren am 8. Januar 1928 in Eckernförde als Enkel eines Sargmachers sowie als Neffe des damaligen Holstein-Funktionärs und späteren "Störche"-Vorsitzenden Ernst Föge, trat Fritz Hansen nach dem Umzug der Familie nach Kiel im zarten Alter von acht Jahren seiner großen Liebe, der Kieler Sportvereinigung Holstein von 1900 e.V. bei. Als die Familie im 2. Weltkrieg ausgebombt wurde und zurück nach Eckernförde flüchtete, begann Hansens Laufbahn beim Eckernförder SV.

Von 1946 bis 1956 gehörte Hansen unter den späteren Bundesliga-Trainern Kurt Baluses und Fritz Langner der 1. Mannschaft an, die lange Zeit zur Spitze des schleswig-holsteinischen Fußballs zählte.

Hansen berichtete bis zuletzt lebhaft von der Nachkriegszeit in Eckernförde, die maßgeblich durch seine Fußball-Leidenschaft geprägt worden war. "Meine Familie wurde damals in Kiel ausgebombt und wir zogen an den Eckernförder Jungfernstieg zu meinem Großvater, der Tischler und Sargmacher war", gab Hansen gerne Einblicke in seine persönliche Nachkriegs-Vergangenheit.

Für den Vollblut-Fußballer war der ESV nach dem unfreiwilligen Umzug dann natürlich die allererste Adresse. Die Mannschaft des ESV war auf ihrem holprigen Sandplatz durchaus gefürchtet. Das hatte nicht nur Holstein Kiel, drei Jahre zuvor immerhin Dritter der Deutschen Meisterschaft, zu spüren bekommen. Am 10. Juli 1946 unterlag der damalige Landesauswahlspieler Hansen im Trikot des ESV vor 10 000 Zuschauern an der Waldwiese in der erstmals nach Kriegende durchgeführten Norddeutschen Meisterschaft der KSV Holstein nur mit 2:4. Doch es waren nicht nur die sportlichen Leistungen des ESV, die für Aufsehen sorgten. "Die Mannschaften kamen damals alle für einen Kasten Bier und eine Kiste Sprotten zu uns nach Eckernförde", erinnert sich Hansen an Besuche namhafter Gegner wie Rot-Weiß Essen, die Sportfreunde Katernberg oder auch Hamborn 07. "Trainer Kurt Baluses hat vor den Spielen immer alle Räuchereien der Stadt abgefahren und es sprach sich eben schnell herum, dass es beim ESV gut zu essen geben würde", so Hansen.

Auch nach seiner aktiven Laufbahn stand das runde Leder bei Hansen ganz oben auf der Prioritätenliste. Der Vermessungs-Ingenieur, der im Jahre 1969 vom Katasteramt Eckernförde in die neu gegründete Abteilung Katastervermessung des ehemaligen Landesvermessungsamtes wechselte, lebte seit Beginn der 70er Jahre wieder an der Kieler Förde. Er war als Besitzer des wohl umfangreichsten privaten Fußballarchivs Norddeutschlands vor allem für Sportjournalisten, Stadthistoriker und Nostalgiker eine Anlaufstelle von unschätzbarem Wert. Ohne ihn wäre die umfangreiche Jubiläumsschrift zum 100. Geburtstag der KSV Holstein nur schwer zu realisieren gewesen. Und wenn Hansen von den "goldenen" Zeiten des Eckernförder SV und seiner einst erstklassigen "Störche", dem Überlebenswillen während der harten Kriegsgefangenschaft und den Jahrzehnte lang währenden Freundschaften mit Fußballgrößen wie Ottmar Walter, Uwe Seeler, Henry Peper oder auch der HSV-Legende Heinz Spundflasche sprach, da leuchtete es in seinen Augen. Ein Leuchten, welches ihn beim Schwelgen in Erinnerungen auch im hohen Alter nie verlassen hat.

Nach einem Schlaganfall im Sommer 2012 verschlechterte sich Hansens bis dahin ausgezeichneter gesundheitlicher Zustand zusehends. Am 14. November schlief er friedlich und im Kreise seiner engsten Angehörigen ein. Noch wenige Tage zuvor hatte Ehrenspielführer Uwe Seeler seinem alten Bekannten aus früheren Fußballtagen einen Besuch abgestattet.

Bei der Trauerfeier legten ehemalige Mitspieler des Eckernförder SV einen ESV-Schal neben den zahlreichen Gedenkkränzen ab. Bis zuletzt pflegte Hansen enge Kontakte in seine Geburtsstadt und das tägliche Lesen der Eckernförder Zeitung gehörte für Hansen bis zuletzt zu einem festen Bestandteil seines erfüllten Lebens.

Als Träger der Goldenen Ehrennadel der KSV Holstein, vor allem aber als Mensch und Fußball-Unikum wird Fritz Hansen bei allen eine große Lücke hinterlassen. Die Gedanken sind bei seinen Angehörigen, seiner Tochter Birgit, seinem Schwiegersohn Siegfried und seiner Lebensgefährtin Helga.

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